Polizei rückt Posern auf die Pelle

Konsequenzen nach „Car-Freitag“: Verbote und Kontrollen gegen Autoszene am Sandershäuser Berg

Mal ordentlich Dampf ablassen und gehörig Gas geben: 200 Autofahrer aus der Tuner-, Poser- und Raser-Szene hatten sich an Karfreitag am Sandershäser Berg getroffen und ihre Fahrzeuge zur Schau gestellt. Nun geht eine Einsatzgruppe der Polizei gegen die Treffen in Niestetal vor. Bei dem Bild handelt es sich um ein Symbolbild.
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Mal ordentlich Dampf ablassen und gehörig Gas geben: 200 Autofahrer aus der Tuner-, Poser- und Raser-Szene hatten sich an Karfreitag am Sandershäser Berg getroffen und ihre Fahrzeuge zur Schau gestellt. Nun geht eine Einsatzgruppe der Polizei gegen die Treffen in Niestetal vor. Bei dem Bild handelt es sich um ein Symbolbild.

Rund 200 Autofahrer aus der Tuner-, Poser- und Raser-Szene hatten sich am Karfreitag im Niestetaler Gewerbegebiet Sandershäuser Berg versammelt. Das hat nun Konsequenzen.

Niestetal – „Dort wird es künftig Durchfahrtsverbote und verstärkte Kontrollen durch die Polizei geben“, teilt Bürgermeister Marcel Brückmann (SPD) mit. Das sei das Ergebnis eines Runden Tisches mit Gemeindevertretern, Mitarbeitern des Ordnungsbehördenbezirks Kaufungen, Helsa, Niestetal und Söhrewald sowie Verantwortlichen der Kasseler Polizei – darunter auch Mitarbeitern der jetzt neu aufgebauten Einsatzgruppe Tuner (EG Tuner).

Brückmann und die Polizei sehen diesen Schritt als überfällig. „Mittlerweile gehen beständig Beschwerden über starke Lärmbelästigungen wegen unnötiger Fahrmanöver bis tief in die Nacht sowie unmögliche Zustände durch Vermüllung bei uns ein“, sagt Brückmann. Schon 2020 habe sich der Sandershäuser Berg zu einem beliebten Treffpunkt der regionalen Tuner-, Poser-, und Raser-Szene entwickelt. Die Polizei zeigte schon damals mehrfach mit Kontrollen Präsenz – was aber offenbar nicht reichte.

Vorgen gegen Autoposer in der Region Kassel wird verschärft

„Deshalb werden wir unser Vorgehen jetzt verschärfen“, sagt Thomas Junghans von der EG Tuner. Ein erster Schritt sei das Aufstellen einer „Anlieger frei“-Beschilderung. Damit werde der Szene die Möglichkeit genommen, sich dort zu treffen und vor allem auch die Seitenstraßen für lautstarke und teilweise gefährliche Fahrmanöver zu nutzen. „Erst diese neu verhängten Durchfahrtsverbote geben uns ein rechtliches Mittel gegen diese Szene-Treffen.“ Ergänzend dazu soll es am Sandershäuser Berg künftig deutlich mehr und schärfere Kontrollen geben.

Brückmann ist klar, dass damit das Problem dieser Treffen nur verlagert wird. „Ich habe Verständnis für die jungen Leute, die gerade in Coronazeiten mit ihrer Energie irgendwohin müssen. Aber Verkehrsgefährdung, völlig unnötiger Motorenlärm, der bis tief in die Nacht vom Sandershäuser Berg bis nach Heiligenrode und Sandershausen herüberschallt, und nicht zuletzt die Berge an zurückgelassenem Fast-Food-Müll sind einfach nicht mehr hinnehmbar.“

Konsequenzen für Autoposer: Polizei Kassel hat vor einem Jahr die AG Poser gegründet

Die Polizei pflichtet dem uneingeschränkt bei. Nicht umsonst hatte sie schon im Mai 2020 probeweise die AG Poser gegründet, um Mittel und Wege zu finden, wie dem teilweise exzessiven Verhalten einzelner Szenemitglieder Einhalt geboten werden kann. Dabei setzten die Beamten keineswegs nur auf strenge Restriktion. „Auch unsere jetzt neu aufgebaute EG Tuner wird zunächst den Dialog suchen. Nur völlig uneinsichtige Szeneleute müssen mit Konsequenzen rechnen“, sagt Junghans.

Dieses Vorgehen habe sich bewährt. So hätten die Beamten schon Zuspruch aus der Tuner-Szene erhalten. „Das sind Leute, die sich an ihren Autos nur erfreuen möchten, sich aber sonst an die Verkehrsregeln halten“, sagt Junghans. Für andere, die ihre Autos unerlaubt manipulieren, die erheblich Lärm machen oder rücksichtslos fahren, werde es richtig teuer.

So seien im vergangenen Jahr einige Führerscheine eingezogen und aufgemotzte Autos „an den Haken“ von Abschleppwagen gekommen.

Car-Freitag am Sandershäuser Berg: Treffen von rund rund 200 Autoposern

Rund 200 Autofahrer der Tuner-, Poser- und Raser-Szene aus ganz Nordhessen hatten sich am Karfreitag am Sandershäuser Berg gesammelt. Der Karfreitag – im Szenejargon „Car-Freitag genannt – gilt als Startschuss in die neue Saison. Wie die Polizei mitteilt, war der Sandershäuser Berg nur einer von vielen Treffpunkten in Nordhessen, der systematisch von der Szene „abgeklappert“ wurde.

Es gab auch Polizeikontrollen in den Kreisen Werra-Meißner, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg. Insgesamt wurden 347 Personen und 322 Fahrzeuge kontrolliert. 43 Pkw und sechs Motorräder wurden beanstandet. Insgesamt stellten die Beamten acht Strafanzeigen, unter anderem wegen Fahrens unter Drogeneinfluss. 27 Autofahrer waren zu schnell unterwegs. Insgesamt wurden am Karfreitag laut Polizei 27 Bußgeldverfahren und 74 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Letztendlich mussten die Beamten drei Fahrzeuge, vier Fahrzeugschlüssel, sieben Kennzeichen sowie sechs Dokumente sicherstellen. (Boris Naumann)

Unterschiede: Das sind Tuner, Poser und Raser

„Tuner, Poser und Raser lassen sich nicht über einen Kamm scheren“, sagt Thomas Junghans von der EG Tuner der Polizei Nordhessen:

  • Tuner seien Leute, die ihre Autos oft mit teuren Teilen „frisieren“. „Tuner bauen sich einen Spoiler ans Heck, treffen sich irgendwo und trinken statt Bier lieber Red Bull, weil man ja noch nach Hause fahren will“, sagt Junghans. Tuner seien die Vernünftigen. „Einige rufen sogar bei uns an und fragen, ob gewisse Veränderungen an ihren Autos zulässig sind.“
  • Poser sind Leute, die oft mit stark motorisierten und sehr teuren Autos unterwegs sind. Dabei lassen sie beim Schalten ihren Motor knallen oder beim Beschleunigen laut aufheulen. „Die Auspuffanlagen sind so umgebaut, dass das auch wirklich jeder mitkriegt“, sagt Junghans.
  • Raser seien die gefährlichen Szene-Vertreter. „Bei denen kommt es alleine auf Geschwindigkeit an“ und gefährden damit andere. (Boris Naumann)

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