Polizei ermittelt wegen illegaler Suche nach Militaria am Sandershäuser Berg

Raubgräber in Niestetal unterwegs

Das Bild zeigt den Sandershäuser Berg von oben mit dem Gut Ellenbach, der A7 und dem SMA-Service-Center. Im Hintergrund die Fulda.
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Schlachtfeld Sandershäuser Berg: Auch Truppen aus Kurhessen mischten mit, als sich am 23. Juli 1758 preußische Truppen ein Gefecht mit den Franzosen lieferten. Die Kampflinie verlief damals von West nach Ost am Gut Ellenbach vorbei (Gebäude- und Baumbestand in der rechte Bildhälfte unten). Bis heute dürften am gesamten Sandershäuser Berg noch Spuren dieser Schlacht im Boden zu finden sein.

Die Gier nach historisch bedeutsamen Fundstücken im Boden macht auch vor Niestetal nicht halt.

Niestetal - So ist jetzt der Sandershäuser Berg zwischen A 7 und Gut Ellenbach offenbar vermehrt Ziel von Raubgrabungen geworden. Am 23. Juli 1758, also vor 263 Jahren im Siebenjährigen Krieg, tobte dort die Schlacht von Sandershausen zwischen französischen Truppen und den Alliierten, bei denen unter anderem preußische Infanteristen wie auch Soldaten aus Kurhessen mitmischten. 3 200 Soldaten ließen damals ihr Leben. Spuren dieses Gefechts finden sich wohl bis heute dort im Boden. Nicht umsonst ist das Areal als geschütztes Bodendenkmal ausgewiesen.

Inzwischen ermittelt aber die Polizei wegen Verdachts auf Raubgrabungen. „Das Landesamt für Denkmalpflege hat Strafanzeige beim Hessischen Landeskriminalamt erstattet“, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz. Hintergrund ist, dass auf dieser Fläche das dortige Gewerbegebiet erweitert werden soll (HNA berichtete). „Das verleitet offenbar einige Hobby-Schatzsucher dazu, das Areal schon im Vorfeld der Bebauung mit Metalldetektoren abzusuchen“, sagt Mänz.

Problem dabei sei, dass das Absuchen der Fläche zunächst einmal alleine Aufgabe des Hessichen Landesamtes für Denkmalschutz sei. Tatsächlich wurde die Behörde schon Anfang des Jahres mit entsprechenden baugrundarchäologischen Untersuchungen beauftragt. Und so ist schon seit Monaten ein Archäologe des Landesamtes damit beschäftigt, den Sandershäuser Berg systematisch abzusuchen. „Außer diesem Archäologen hat niemand sonst eine Sucherlaubnis für dieses Gebiet“, sagt Mänz. Hobby-Schatzsucher hätten allein deshalb dort überhaupt nichts verloren.

Die Faktenlage spreche für sich. So sei der Archäologe vor Ort inzwischen mehrfach von Spaziergängern angesprochen worden, dass dort schon häufiger Personen bei der Suche mit Metalldetektoren beobachtet worden seien. Zudem sei dem Forscher aufgefallen, dass die Metallfunde im Suchgebiet bereits seit einiger Zeit zurückgehen. Auch sind bereits mehrere mutmaßliche Raubgrabungslöcher entdeckt worden. „In jedem Fall suchen wir aktuell Zeugen, die möglicherweise Personen gesehen haben, die dort widerrechtlich gegraben haben“, sagt Mänz.

Indessen stellt sich dem Niestetaler Geschichtsverein die Frage, was mit Blick auf die Schlacht überhaupt noch an interessanten Dingen am Sandershäuser Berg gefunden werden kann. „Als dort vor gut 15 Jahren der erste Teil des Gewerbegebietes entwickelt wurde, hat es dort schon umfangreiche Grabungen gegeben“, sagt Reiner Leidich, Vorsitzender des Geschichtsvereins Niestetal. Schon damals sei der Sanderhäuser Berg von „rechts auf links“ gedreht worden.

„Da lassen sich bestenfalls noch Gewehrteile finden, oder Teile aus Metall, die zu den Uniformen gehörten – also Knöpfe oder Gurtschnallen“, sagt Leidich. Barbara Elsas, ebenfalls vom Geschichtsverein, kann sich noch erinnern, dass dort tatsächlich einmal Gewehrkugeln gefunden wurden. „Allerdings ist das viele Jahre her. Und vom Verbleib dieser Funde ist auch nichts bekannt“. Die Kanonenkugeln aus dieser Zeit seien zumindest aus Stein gewesen. „Die wird man mit Metalldetektoren wohl nicht finden“.

Reiner Leidich macht sich deshalb nicht so große Sorgen: „Selbst wenn dort noch etwas gefunden werden sollte, wird das kaum noch zu neuen historischen Erkenntnissen führen. Die Schlacht von Sandershausen ist so gut erforscht, da sind kaum noch Fragen offen.“

Von Boris Naumann

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