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Renaturierung der Nieste an Autobahnbrücke in Niestetal beginnt

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Von: Boris Naumann

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Das Bild zeigt den Lauf der Nieste, rechts und links stehen Schwarzerlen, sie tragen keine Blätter, Herbstszene
Blick nach Osten auf die Nieste von der Hermann-Scheer-Straße aus: Nach der Renaturierung wird der neue Niestelauf von links ins Bild kommen. Der alte Niestelauf wird mit drei kleinen Dämmen unterbrochen, sodass in seinem Bett Stillgewässer entstehen, die nur bei Hochwasser mit neuem Wasser aufgefüllt werden. © Boris Naumann

Die Arbeiten zur Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Renaturierung der Nieste östlich der Hermann-Scheer-Straße haben begonnen.

Niestetal – Auf der Talwiese zwischen Autobahnbrücke und Heiligenrode hat der Bagger seine Arbeit schon aufgenommen. Wie die Gemeinde Niestetal mitteilt, werden zunächst flächige, dafür aber nicht so tiefe Ausschachtungen auf der Talwiese vorgenommen. „Dabei wird im Wesentlichen die Grasnabe entfernt, um dem späteren Überschwemmungsbereich eine Struktur zu geben und um einen weiteren Zulauf zu einem schon bestehenden kleinen Flutbecken an der Hermann-Scheer-Straße herzustellen“, sagt Gemeindesprecher Alexandros Souris.

Im weiteren Verlauf werde ein Einstich nahe der Brücke über die Nieste an der Hermann-Scheer-Straße hergestellt. „An dieser Stelle soll später die neu ausgeschachtete Nieste über eine Wassergleite wieder in ihr bestehendes Bett zurückfließen.“ Die Ausschachtung des neuen Nieste-Bettes einige Meter nördlich des bestehenden Niestelaufs erfolge über GPS-Daten, „auf diese Weise kriegen wir eine plangenaue Umsetzung des Projektes hin“.

Im Kern gehe es darum, der Nieste wieder einen naturnahen Charakter zu geben. Dafür werde die Nieste aus ihrem bisherigen schnurgeraden Verlauf heraus nach Norden hin als naturnah gestaltetes Fließgewässer mit Mäandern (Schleifen), Mulden und Kolken (wassergefüllte Vertiefungen) verlagert. Eine mit Schüttsteinen angelegte Wassergleite führt die Nieste kurz vor der Hermann-Scheer-Straße wieder zurück in ihren Altlauf.

Im Bereich des alten, in den 1970er-Jahren begradigten und tief eingeschnittenen Niestelaufs sollen mit dem Bodenaushub nicht zuletzt drei quer zur Fließrichtung angeordnete Minidämme aufgeschüttet werden. Diese Dämme werden bei Normalwasser nicht überspült, sodass im alten Niestelauf kleine Stillgewässer als zusätzliche Biotope entstehen. Nur bei Hochwasser werden die Dämme überspült und die Biotope mit Frischwasser aufgefüllt.

Mit dem Projekt werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Zum einen wird der renaturierte Bereich als potenzielle Überschwemmungsfläche wirksam dem Hochwasserschutz dienen. Tatsächlich wird mit dem neu gestalteten Areal noch einmal ein Drittel der Leistungsfähigkeit der schon seit 2014 bestehenden Nieste-Aue am Rathaus hinzugewonnen.

Zum anderen wird viel für den Natur- und Artenschutz geleistet. Schon jetzt kommen im Bereich der Nieste-Aue neben einem Biber wieder Fischarten wie die seltene Groppe sowie einige Bodenbrüter und verschiedene Schnepfenarten vor.

Das Land fördert das Projekt mit 350 000 Euro. Für den Eigenanteil der Gemeinde Niestetal (110 000 Euro) wurde die Anerkennung von Biotopwertpunkten beantragt. Diese Biotopwertpunkte können später für die Kompensation von Bauvorhaben zum Beispiel im Gewerbegebiet Sandershäuser Berg eingesetzt werden. Weitere Renaturierungen entlang der Nieste sind noch bis rauf nach Uschlag geplant. Die Erdarbeiten sollen noch dieses Jahr zum Ende kommen. Die endgültige Verbindung mit der neuen Nieste findet im kommenden Jahr statt.

Während der Bauphase wird die Zufahrt für Baustellenfahrzeuge über die Straße „Am Sportplatz“ und den davon abzweigenden Feldweg zu den Feldern erfolgen. Wegen der Durchfahrt der Fahrzeuge können geringfügige Einschränkungen für Anwohner entstehen. Auch bittet die Gemeinde darum, ab sofort den Trampelpfad entlang der Nieste nicht mehr zu nutzen. „Der Weg ist künftig eine Sackgasse, weil in seinem Bereich die Renaturierung stattfindet.“

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