Mehr Natur im Niestetal

Renaturierung der Nieste soll Ausgleich für Gewerbegebiet Sandershäuser Berg schaffen

Der Niestelauf bei Sandershausen an der Hermann-Scheer-Straße: Die Wiese im Hintergrund soll für die Renaturierung des Nieste-Laufs genutzt werden. Damit würde gleichzeitig eine wichtige Hochwasserschutzfunktion erfüllt werden. Das Projekt dient als Ausgleich für die Erweiterung des Gewerbegebietes Sandershäuser Berg. Weitere renaturierte Ausgleichsflächen sollen entlang der Nieste bis zur Gemeindegrenze nach Uschlag entstehen.
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Der Niestelauf bei Sandershausen an der Hermann-Scheer-Straße: Die Wiese im Hintergrund soll für die Renaturierung des Nieste-Laufs genutzt werden. Damit würde gleichzeitig eine wichtige Hochwasserschutzfunktion erfüllt werden. Das Projekt dient als Ausgleich für die Erweiterung des Gewerbegebietes Sandershäuser Berg. Weitere renaturierte Ausgleichsflächen sollen entlang der Nieste bis zur Gemeindegrenze nach Uschlag entstehen.

Um die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes Sandershäuser Berg um 22 Hektar so umweltverträglich wie möglich zu gestalten, hat die Gemeinde Niestetal jetzt verschiedene Einzelprojekte erarbeitet, die die Gewerbeansiedlung am Sandershäuser Berg in arten- und naturschutzrechtlicher Hinsicht so gut es geht auffangen sollen.

Niestetal – Dabei handelt es sich in erster Linie um ein umfangreiches und mehrteiliges Renaturierungsprojekt entlang der Nieste ab der Autobahnbrücke bis hinauf zur Gemeindegrenze nach Uschlag. Auch soll ein Teil des Gemeindewaldes am Viehberg – aktuell eine Ackerfläche – aufgeforstet werden. „Nicht zuletzt prüfen wir noch weitere Ausgleichsvorhaben, die wir derzeit mit dem Nabu näher ins Auge fassen“, sagt Bürgermeister Marcel Brückmann (SPD).

Ziel sei es, damit die Eingriffe am Sandershäuser Berg bestmöglich zu kompensieren. Während am Bebauungsplan aktuell noch gearbeitet wird (er soll im Frühjahr 2022 fertig sein), wurden parallel schon von einem Planungsbüro Ausgleichsvorhaben entwickelt und mit den zuständigen Behörden vorabgestimmt. All diese Pläne sollen im Detail im Bauausschuss am Montag, 29. November, vorgestellt werden. Letztlich fließen diese Pläne dann als Ausgleichsmaßnahmen in den Bebauungsplan mit ein.

Erste Eckpunkte können schon genannt werden.

Renaturierung Nieste

Weit vorangeschritten ist bereits die Planung für die Nieste-Renaturierung ab der Autobahnbrücke bis nach Heiligenrode. Die Nieste dort soll wieder einen naturnahen Verlauf mit Mäandern und Gumpen, einer Hochflutmulde und einem Stillwasserbiotop bekommen. Planungen hierfür gibt es schon seit mindestens 2017. Nach letztem Stand soll das Projekt nun 2022 umgesetzt werden. Es gilt als wichtige Ergänzung zur 2014 renaturierten Niesteaue gegenüber dem Rathaus und würde auch eine wichtige Funktion in Sachen Hochwasserschutz erfüllen.

„Ähnliche Vorhaben sind nun ebenfalls für weitere Areale entlang der Nieste bis rauf nach Uschlag vorgesehen“, sagt Brückmann. Die Anlage von Bachschlingen, Flutmulden, Gumpen und Hochflutrinnen, die nur bei Hochwasser vollliefen, seien wichtige Merkmale der geplanten Renaturierung.

Wie eine Perlenschnur reihen sich die Maßnahmen aneinander. Inseln, immerfeuchte Auwiesen und Auwälder sowie Querwälle, die bei Hochwasser den Wasserrückhalt deutlich verbessern, zählen ebenso dazu. Weil nicht alles auf gemeindeeigenen Flächen umgesetzt werden kann, wird im Vorgriff der Bebauungsplan benötigt, um durch eine Bodenneuordnung (Umlegungsverfahren) an die geeigneten Flächen zu gelangen.

Durchlässigkeit Nieste

Aktuell wird die „Alte Nieste“ in ihrem Verlauf entlang der Theodor-Heuß-Straße in Sandershausen noch von drei Querbauwerken (Wehren) unterbrochen. Für viele im Wasser lebenden Tiere sind diese Wehre nicht passierbar, die Bauwerke sind aber dennoch für die Regulierung des (Grund-)Wasserstandes unerlässlich. Diese Querbauwerke könnten nun durch ergänzende Bauten wie seitlich verlaufende Rinnen oder Wassertreppen vor allem für Fische wieder durchlässig gemacht werden.

Grundsätzlich seien diese Planungen nur ein Baustein, um ein weitgehend ökologisches und klimaneutrales Gewerbegebiet hinzubekommen, sagt Brückmann. Ergänzt werden diese Projekte durch Vorgaben wie PV-Anlagen auf den Dächern der Neubauten, Fassaden- und Dachbegrünungen sowie nachhaltige Energiekonzepte.

Für Brückmann hat all das einen zentralen Stellenwert bei der Realisierung der neuen Gewerbeflächen. „Daran will ich mich messen lassen“, sagt Brückmann. „Am Sandershäuser Berg soll ein Gewerbegebiet entstehen, das in Sachen Nachhaltigkeit, Ökologie und Energie in weitem Umkreis für viele Jahre neue Maßstäbe setzt.“

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