Hassbotschaft am Wegesrand

Schmierereien in Niestetal sind mit NSU 2.0 unterzeichnet

Bereits von der Antifa übersprüht: Auf diesem Schild nahe Sandershausen entdeckte ein HNA-Leser die Schmierereien. Unbekannte hatten auf das Schild geschrieben: „Walter Lübcke ist tot. Gott sei Dank. Andere kommen auch noch dran. NSU 2.0“.
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Bereits von der Antifa übersprüht: Auf diesem Schild nahe Sandershausen entdeckte ein HNA-Leser die Schmierereien. Unbekannte hatten auf das Schild geschrieben: „Walter Lübcke ist tot. Gott sei Dank. Andere kommen auch noch dran. NSU 2.0“.

„Walter Lübcke ist tot. Gott sei Dank. Andere kommen auch noch dran. NSU 2.0.“ Diese Worte hat ein HNA-Leser am vergangenen Wochenende entdeckt, als er zwischen Niestetal-Sandershausen und dem Kasseler Hafen spazieren war. Die Hassbotschaft fand er auf einem Schild an einer Parkbank vor, das mit den Schmierereien übermalt worden war.

Niestetal – Es sind fast anderthalb Jahre vergangen, seitdem der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke auf seiner Terrasse in Wolfhagen-Istha ermordet wurde. Bis heute erschüttert der Mord die Menschen in der Region. Der mutmaßliche Täter ist der Nazi Stephan Ernst, der nur ein paar Kilometer entfernt von dem jetzt beschmierten Schild im Forstfeld gelebt hat.

„Solche Schmierereien in Kassel zu entdecken macht fassungslos, gerade bei der Vorstellung, dass Familienangehörige diese zu Gesicht bekommen könnten“, schreibt der Leser in einer Mail an die HNA. Er habe seinen Augen nicht getraut, als er die Schmiererei entdeckte.

Der Rad- und Fußweg, an dem das Schild steht, wird von vielen Menschen täglich genutzt. Offenbar auch von Menschen aus der linken Szene. Der HNA-Leser hatte die Botschaft am vergangenen Samstag entdeckt. Am Montag war die Botschaft auf dem Schild bereits mit roter Farbe und dem Wort „Antifa“ übersprüht.

Wer die Botschaft hinterlassen hat, ist völlig unklar. Weder bei der Polizei noch bei der Gemeinde waren die Schmierereien bekannt. Bei der Polizei liegt nach Angaben von Matthias Mänz bisher keine Anzeige bezüglich des Schildes vor. Grundsätzlich leite die Polizei bei Sachbeschädigungen mit erkennbar politischer Motivation von Amts wegen ein Strafverfahren ein. „Die Staatsanwaltschaft prüft dann im weiteren Verlauf, ob ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung vorliegt“, erklärt Mänz. Für die Polizei sei es immer wichtig, Hinweise auf politisch motivierte Taten zu bekommen, „um ein möglichst umfangreiches Lagebild erstellen und die polizeilichen Maßnahmen entsprechend daran ausrichten zu können“, sagt Mänz.

Das Schild liegt auf Niestetaler Gebiet. Harald Stückrad, Leiter des Ordnungsbehördenbezirks, wird heute Anzeige erstatten. Solche Botschaften hätte er in dieser Form noch nie erlebt, „das ist schon erschütternd“. Wenn die Polizei die Beweise gesichert hat, soll das Schild sofort abgenommen und gesäubert werden.

Da der Weg von vielen Radfahrern und Spaziergängern benutzt wird, hofft Stückrad auf Zeugen, die etwas beobachtet haben. Er ist überrascht, dass sich bisher noch niemand gemeldet hat. (Von Amira Sayed El Ahl)

Hinweise unter Tel.: 05 61/91 00

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