„Spießrutenlauf für Fußgänger“

Anwohner fordert Mittelinsel für Bushaltestelle bei Sandershausen

Die noch nicht ausgebaute Bushaltestelle Ellenbachstraße (links) an der Hannoverschen Straße: Sie liegt an einem abschüssigen Streckenabschnitt gut 150 Meter hinter einer Kurve noch vor dem Ortseingang Sandershausen.
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Die noch nicht ausgebaute Bushaltestelle Ellenbachstraße (links) an der Hannoverschen Straße: Sie liegt an einem abschüssigen Streckenabschnitt gut 150 Meter hinter einer Kurve noch vor dem Ortseingang Sandershausen.

In Niestetal müssen Fußgänger einen gefährlichen Spießrutenlauf machen, um zur Bushaltestelle zu gelangen.

Niestetal – „Ich halte es für unverantwortlich, eine Haltestelle außerorts ohne Mittelinsel auf der Straße zu erneuern, wo Autos mit Tempo 70 entlangfahren dürfen. Das ist ein gefährlicher Spießrutenlauf für Fußgänger“.

Lars Krex aus Sandershausen ist sauer auf Hessen Mobil. Jetzt, wo aktuell die Hannoversche Straße ab dem Ortsausgang Niestetal bis rauf zur SMA-Ampelkreuzung wegen des dortigen Wasserschutzgebietes saniert wird, „könnte Hessen Mobil an der Bushaltestelle Ellenbachstraße doch gleich eine Mittelinsel als Querungshilfe einbauen, um die Sicherheit für Fußgänger zu erhöhen.“

Niestetal: Weg zur Bushaltestelle gleicht Spießrutenlauf

Seit Jahren schon bringe er dort morgens in der dunklen Jahreszeit seine Kinder aus Angst vor einem Unfall über die Straße. „Einige Autofahrer halten sich ortseinwärts eben nicht an die zulässige Geschwindigkeit“, sagt Krex. Die Straße sei abschüssig, die Haltestelle liege direkt hinter einer Kurve. „Es besteht eine erhebliche Gefährdung vor allem für die Schulkinder.“

Krex schrieb an Hessen Mobil. Doch fiel die Antwort negativ aus. Nach Abstimmung mit allen beteiligten Behörden, so habe Hessen Mobil geantwortet, sei die Idee einer Mittelinsel verworfen worden. Grund: Vor allem wegen des Trinkwasserschutzes seien die baulichen Eingriffe so gering wie möglich zu halten.

Bushaltestelle an gefährlicher Stelle in Niestetal

Es ist vor allem diese Antwort, die Krex auf die Palme bringt: „Für Hessen Mobil ist der Schutz eines Wassereinzugsgebietes wichtiger als der von Kindern“. Die nächste Bushaltestelle Eckenbachstraße innerorts habe eine Mittelinsel erhalten, obwohl dieser Bereich sehr übersichtlich sei und dort nur Tempo 50 gefahren werden darf.

Bürgermeister Marcel Brückmann (SPD) steht voll und ganz hinter Krex. Auch für ihn ist die Argumentation Hessen Mobils nicht nachvollziehbar. Schon im November 2018 habe es einen Ortstermin an der Bushaltestelle Ellenbachstraße gegeben, und auch damals sei es um den Bau einer Mittelinsel gegangen. „Die Mittelinsel ist abgewiegelt worden“, sagt Brückmann. Die Existenz einer solchen Querungshilfe sei als unvermitteltes Hindernis für Autofahrer identifiziert und damit als mögliche Unfallquelle abgelehnt worden. Um den Schutz von Fußgängern sei es nie gegangen.

Entlang der Hannoverschen Straße, kurz vor Hausnummer 150, befinden sich beide Haltestellen

Bis heute hält Hessen Mobil an dieser Argumentation fest. „Wegen der Rahmenbedingungen, insbesondere wegen des Trinkwasserschutzes, müssen die baulichen Eingriffe so gering wie möglich gehalten werden“, teilt Hessen-Mobilsprecher Hellwig Kamm auf HNA-Anfrage mit. „Eine Mittelinsel hätte nach Ansicht der Verkehrsexperten zudem die Verkehrssicherheit deutlich gemindert – mit dem Risiko von Havarien im Wasserschutzgebiet“.

Niestetal: Anwohner fordert Mittelinsel für Bushaltestelle bei Sandershausen

So sei letztlich in Abstimmung mit den beteiligten Behörden, insbesondere der Verkehrsbehörde und der Polizei, die Idee einer Verkehrsinsel verworfen worden. Stattdessen hält Hessen Mobil die jetzige Planung für ausreichend: Der vorgesehene barrierefreie Ausbau der Bushaltestelle erleichtere den Zustieg und damit die Sicherheit der Fußgänger erheblich, heißt es.

Könnten denn ein stationärer Blitzer und eine weitere Temporeduzierung von 70 auf 50 Kilometer pro Stunde helfen? Denn immerhin würde bei Tempo 50 eine Mittelinsel möglicherweise nicht mehr als unvermitteltes Hindernis wahrgenommen werden. Und sowieso: Warum wird eine Mittelinsel als mögliche Unfallquelle identifiziert, nicht aber ein Fußgänger. Das zumindest sind Fragen, die für Krex und Brückmann unbeantwortet bleiben. Für Hessen Mobil gibt es indessen nur eine einzige wirklich sichere Lösung für die Fußgänger – und das wäre die komplette Stilllegung der Bushaltestelle.

Von Boris Naumann

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