Netzbetreiber sucht Logistikflächen an A 7 für Kabeltrassenbau im Werratal

Suedlink-Kartierungen in Niestetal

Das Bild zeigt einen Bagger beim Zuschütten eines Kabelgrabens. Im Graben liegen zwei Kabelstränge. Im Bildvordergrund ist ein Kipper zu sehen.
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Im Werratal zwischen Witzenhausen und Bad Sooden-Allendorf bald Realität: So sieht eine typische Baustelle zur Verlegung eines Gleichstrom-Erdkabels für Windstrom aus. Im Graben sind gut die beiden Kabelstränge für Plus und Minus zu sehen. Das Bild zeigt ein mit Suedlink vergleichbares Projekt der TenneT TSO.

Groß war die Aufregung, als im Jahr 2016 bekannt wurde, dass womöglich eine große Erdkabeltrasse durch den Landkreis Kassel gebaut werden soll.

Kreis Kassel - Das Erdkabel mit dem Namen Suedlink, das künftig Windstrom von Nord- nach Süddeutschland transportieren soll, wäre mitten durch das Wolfhager Land gebaut worden – vorbei an Breuna, Wolfhagen, Naumburg und Bad Emstal. Doch ist das längst Geschichte. Inzwischen wurden andere Trassenvarianten geprüft und seit November 2020 ist klar: Das Erdkabel Suedlink wird weiter im Osten an Witzenhausen vorbei durch das Werratal bis nach Bad Sooden-Allendorf, und von dort aus weiter nach Eschwege verlegt. Aktuell läuft für diese Planung das Planfeststellungsverfahren.

Da wundert es schon, dass Suedlink zumindest in Niestetal und Kaufungen plötzlich wieder Thema ist. Denn aktuell kündigt der verantwortliche Netzbetreiber TransnetBW mit amtlichen Bekanntmachungen biologische Kartierungsarbeiten in beiden Gemeinden an – immerhin rund 40 Kilometer von der eigentlichen Kabelbaustelle im Werra-Meißner-Kreis entfernt. Warum?

„Es geht nicht darum, das Erdkabel womöglich wieder vor die Tore Kassels zu verlegen“, beruhigt TransnetBW-Sprecherin Hanna Jansky. Suedlink selbst werde selbstverständlich im festgelegten Korridor bleiben – in Hessen also komplett im Werra-Meißner-Kreis.

Vielmehr ginge es bei den Kartierungen darum, geeignete Flächen für die Baulogistik und die Zwischenlagerung von Maschinen und Material für das Projekt auch außerhalb des festgelegten Trassenkorridors zu finden. „Der Verkehrsknotenpunkt A 7/B 7 ist in dieser Hinsicht sehr interessant. Die B 7 wird voraussichtlich die Hauptanfahrtsroute für die Suedlink-Baustelle in Hessen sein.“

Bei den Flächen handelt es sich um Areale hauptsächlich im Bereich der A 7-Abfahrt Kassel-Ost, also dort, wo die A 7 an die B 7 angeschlossen ist und wo in einigen Jahren das neue A 7/A 44-Autobahndreieck Kassel-Ost entstehen soll. Der aktuelle Flächennutzungsplan legt dort neben Acker- und Verkehrsflächen auch Überschwemmungsgebiete, FFH-Schutzzonen sowie Biotopschutzgebiete fest.

„Ziel ist es, dort den Bestand an Fauna und Flora zu erkunden und zu dokumentieren“, sagt Jansky. Vor allem ginge es um Brutvögel und Falter. Es sollen Begehungen stattfinden, zudem würden die Kartierer Lockstöcke und Nistkästen anbringen und Tiere mit der Hand und mit dem Kescher fangen. Die Prüfungen würden voraussichtlich ab Februar beginnen und bis zum Ende des Jahres andauern.

„Mit dieser Arbeit soll vermieden werden, Natur und Umwelt unzumutbar zu beeinträchtigen“, sagt Jansky. So werde es zum Beispiel in FFH- oder Biotopschutzgebieten niemals Logistikflächen geben.

Nicht ohne Grund: Tatsächlich hat an der Losse zum Beispiel der seltene Wiesenknopf-Ameisenbläuling sein Vorkommen. Der kleine Schmetterling hatte schon im Jahr 2006 dafür gesorgt, dass das von Niestetal und Kaufungen geplante Gewerbegebiet Heiligenrode-Süd nicht in die Regionalplanung aufgenommen wurde.

„Sollte sich zeigen, dass der Bereich zu sensibel ist, kommt er für uns auch nicht infrage“, sagt Jansky. Nicht zuletzt hätten die Bekanntmachungen der TransnetBW auch immer sehr lange Vorlaufzeit. „Es kann gut sein, dass bis zum Beginn der Kartierungen manche Flächen wieder aus der Planung herausgenommen worden sind und doch nicht mehr untersucht werden.“

Von Boris Naumann

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