Vorstandssprecher will geplanten Umbau zügig umsetzen

Urbon-Nachfolger Reinert: „SMA hat großes Potenzial“

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Wechselrichter-Produktion bei SMA: Die Fertigung wird gedrosselt, weil die Nachfrage sinkt.

"Die Solarenergie hat noch gewaltiges Ausbaupotenzial." Das sagt einer, der es wissen muss: Dr. Jürgen Reinert, der neue Vorstandssprecher und Nachfolger von Pierre-Pascale Urbon bei SMA.

„Sie ist mittel - und langfristig die preiswerteste aller Energieträger – auch im Vergleich mit konventionellen. Daran gibt es keinen Zweifel“, zeigt der promovierte Ingenieur die Perspektiven für die Fotovoltaik auf. Insofern habe gerade SMA als Technologieführer bei Wechselrichtern ungeachtet der aktuellen Durststrecke großes Potenzial, sagte der 50-Jährige im HNA-Gespräch.

Wie berichtet, hatte SMA infolge des massiven Preisdrucks chinesischer Billiganbieter vor vier Wochen die Umsatz- und Ergebnisprognosen gekappt und erwartet nunmehr fürs Gesamtjahr nur noch ein ausgeglichenes bis leicht negatives Ergebnis. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen eine umfassende Restrukturierung und einen Personalabbau in ungenannter Höhe an. Und vor einer Woche erst hat der langjährige Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon sein Mandat „auf eigenen Wunsch“ überraschend niedergelegt, um sich neuen Aufgagen zu widmen.

Dr. Jürgen Reinert

Zum Umfang des geplanten Stellenabbaus und zu den Modalitäten macht Reinert derzeit keine konkreten Angaben. Das Konzept befinde sich noch in der Abstimmung auch mit dem Betriebsrat und solle bis Ende des Jahres stehen. 2019 solle mit der Umsetzung begonnen werden. Auch die Länderaufteilung sei noch nicht abgeschlossen, so Reinert. SMA beschäftigt weltweit rund 4000 Mitarbeiter, davon 2800 in Niestetal und Kassel und davon wiederum 600 Leihkräfte. Der neue Vorstandssprecher betont aber, dass der Stellenabbau durchdacht sei und mit Augenmaß und nicht nach dem Rasenmäher-Prinzip bewältigt werden solle. Alle Abteilungen blieben danach handlungsfähig.

Reinert macht deutlich: „Nur mit der Herstellung von Wechselrichtern haben wir keine Chance gegen die Billiganbieter“. Der Preisdruck werde weitergehen. Die Zukunft von SMA liege in individuell auf Kunden zugeschnittenen Gesamtpaketen als Energiedienstleister und Datenhändler, bei denen der Wechselrichter auch künftig eine zentrale Rolle spiele. „Intelligentes Energie-Management in Verbindung mit der Sektorenkoppelung (Anmerkung der Redaktion: Die sinnvolle Verknüpfung unterschiedlicher Energiearten wie Wärme, Kälte und Strom) sind unsere Stärke. Das können wir besser als andere. Da können und werden wir punkten“, sagt der Fachmann für Wechselrichter- und Antriebstechnik.

Wie berichtet, hat China zu Jahresbeginn seine nationalen Solarausbauziele drastisch gekürzt. Die Folge: Die heimischen Wechselrichter-Hersteller fluten die Weltmärkte mit Technik zu staatlich subventionierten Dumping-Preisen, um ihre Riesenkapazitäten auszulasten. Erschwerend hinzu kommt, dass Investoren in der Hoffnung auf weiter fallende Preise abwarten und große Projekte verschieben. So ist SMA nicht nur unter Preisdruck geraten, sondern hat auch mit sinkenden Auftragseingängen zu kämpfen.

Von José Pinto

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