Gespräch zum Weltfrauentag

Politikerin zum Weltfrauentag: "Metoo-Debatte ist manchmal zu hysterisch"

+
Ulrike Gottschalck hofft darauf, dass junge Frauen weiter für Gleichberechtigung kämpfen und nicht aufhören, sich einzumischen.

Zum Weltfrauentag erklärt die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrike Gottschalck, wie es um die Gleichberechtigung bestellt ist. Und die Niestetalerin überrascht mit einem Bekenntnis.

Die Politikerin über Geschlechtergerechtigkeit 

... in der Politik damals

1974 ist Gottschalk in die SPD eingetreten. „Und es hat in meinem Ortsverein doch zehn Jahre gedauert, bis die Altherrenriege mich richtig ernst genommen hat.“ Immer wieder hätten sie und andere Frauen gegen Klischees kämpfen müssen, seien in der männerdominierten Politikbranche an unsichtbare Grenzen gestoßen. „Ein Schlüsselmoment für mich war, als ich mit anderen Frauen für die Nachmittagsbetreuung gekämpft habe. Das war damals noch gar kein Thema, und es hieß immer, dafür gebe es kein Geld. Da wurde mir klar, ich muss mich da einbringen, wo das Geld verteilt wird.“ Eine andere wichtige Erkenntnis aus der Zeit: „Um etwas zu bewegen, sind Netzwerke für Frauen unabdingbar.“

Dieser Beitrag stammt von der Video-Plattform Glomex und wurde nicht von HNA.de erstellt.

... in der Politik heute

Auch in der Bundespolitik – von 2009 bis 2017 war Gottschalck dort aktiv – gelte: „Wenn sich Frauen zusammenschließen, können sie viel erreichen.“ Mit der Zeit sei vieles einfacher für Frauen in der Politik geworden. Ein großer Erfolg: Die Parität beim Aufstellen der Wahlliste der SPD. Trotzdem: „Auch in der Bundespolitik heute muss sich eine Frau immer besonders beweisen und besonders durchsetzen können. Mich haben Sie da manchmal Kampfkatze genannt, aber das hat mich nicht gestört.“ Und ja, Gottschalck ist ein Fan der Frauenquote. „Man muss bei solchen Projekten immer Druck machen. Von alleine räumt doch niemand in der Chefetage seinen Posten und sagt, ich mache Platz für eine Frau.“ Manchmal macht sie sich Sorgen um die Errungenschaft in der Gleichberechtigung: „Der Aufstieg nationalistischer Kräfte stellt auch sicher geglaubte Frauenrechte wieder infrage.“ Deshalb ihr klarer Appell an alle, aber besonders junge Frauen: „Mischt euch ein und geht wählen!“

Lesen Sie auch: 7 Ideen, wie du den Weltfrauentag in Kassel verbringen kannst

... im Privaten

„In meinem engeren Umfeld gibt es da gar keine Probleme“, sagt Gottschalck. Dabei hat die 63-Jährige einst in zwei Branchen gearbeitet, die sehr männerdominiert sind, und hat Handwerksbetrieben bei der Einführung von EDV-Projekten geholfen. „Aber da war ich die ungekrönte Königin. Die waren dankbar, dass ihnen jemand half. Da war es dann egal, dass ich eine Frau war.“

Natürlich hätten ihr früher mal Männer nachgepfiffen oder einen unangebrachten Spruch gedrückt, aber das habe sie damals nicht als Nötigung empfunden. Was hält sie also von der MeToo-Debatte? „Ich finde es total richtig, dass jeder Drecksack, der seine Finger nicht bei sich behalten kann, an den Pranger gestellt wird.“ Aber: „Manchmal wird die Debatte sehr hysterisch geführt. Wenn ich höre, dass manche Chefs nicht mehr mit ihren Mitarbeiterinnen im Fahrstuhl alleine fahren wollen, finde ich das schon übertrieben“, sagt die Politikerin.

... in der Sprache

„Da war ich nie so die Verfechterin. Ich finde es ja gut, wenn man als Frau auch angesprochen wird, aber manchmal treibt es dann schon Stilblüten.“ Natürlich spiele Sprache eine große Rolle, besonders in der Erziehung, aber deshalb müsse ja nicht alles durchgegendert werden. Und was sagt sie zu dem großen Schlagwort Feminismus? „So eine theoretische Feministin mit lila Latzhose war ich nie. Aber als pragmatische Feministin könnte man mich schon bezeichnen.“

... in den Medien

„Die Medien sind ja immer ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt Gottschalck. „Als ich am Anfang meine Themen in den Medien haben wollte, war das schon wie mit Ziegen ackern.“

Lesen Sie auch: Von Frauenquoten und Sexualkunde: Vize-Kreisschulsprecherin über Gleichberechtigung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.