1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel
  4. Niestetal

„Zwischen Leitplanken eingesperrt“: Kritik an sanierter Landstraße bei Niestetal

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Boris Naumann

Kommentare

Das Bild zeigt einen Mann, der eine Landstraße überqueren will. Von links nähert sich ein Auto. Rechts und links ist die Straße mit Leitplanken umbaut.
Alois Lorscheider-Brinkmann von den Niestetaler Grünen beklagt fehlende Querungsmöglichkeiten für Fußgänger sowie eine fehlende Ausweichroute für Radfahrer entlang der frisch sanierten Landstraße zwischen Sandershausen und der Landesgrenze. © Boris Naumann

Die Niestetaler Grünen sehen Fußgänger an der sanierten Landstraße nach Niedersachsen benachteiligt.

Niestetal – Die Kritik an der Ende August 2022 für den Trinkwasserschutz fertig sanierten Landstraße zwischen Sandershausen und der Landesgrenze (L 562) reißt nicht ab. Bemängelte im Oktober zunächst ein Anwohner „die hohe und für Radfahrer zu gefährliche Bordsteinkante“ an der Einmündung zur Bergstraße, sind es nun die Niestetaler Grünen, die fehlende Querungsmöglichkeiten für Fußgänger sowie eine fehlende Ausweichroute für Radfahrer beklagen.

„Wegen des Trinkwasserschutzes sind nun rechts und links der Straße fast durchgehend Leitplanken installiert worden“, sagt Alois Lorscheider-Brinkmann, der für die Grünen im Niestetaler Gemeindeparlament sitzt. Fußgänger, die die L 562 entlangliefen, seien nun „zwischen Leitplanken eingesperrt“ und nun dem Autoverkehr direkt ausgesetzt. „Das Hochbord zwischen Straße und Leitplanke misst nur 50 Zentimeter.“ Zudem fehle es an Querungsmöglichkeiten, Fußgänger müssten jetzt immer erst über die Leitplanke steigen. „Hier ist komplett an den Bedürfnissen von Fußgängern und Radfahrern vorbeigeplant worden“, sagt Lorscheider-Brinkmann.

Ärgerlich sei vor allem, dass der Übergang über die L 562 vom Fuß- und Radweg entlang der Autobahn aus hin zur Bergstraße nun durch die Leitplanke versperrt sei. „Radfahrer und Fußgänger, die aus der Ellenbachstraße kommen, kommen jetzt nicht mehr rüber in die Bergstraße und zum Schmugglerpfad am Fuldahang. Sie müssen nun über Feldwege rauf bis zum Hundeübungsplatz, um dort die L 562 ohne Leitplanke betreten und dann in Höhe des Ysenburg-Denkmals queren zu können“, sagt Lorscheider-Brinkmann.

Wegen der durchgängigen Leitplanke am Geh- und Radweg jetzt seine Funktion verloren. Das Schild, das früher auf den Radweg hinwies, sei inzwischen abgebaut worden, „dabei ist der Weg im Bebauungsplan weiter als Radweg ausgewiesen.“

Hessen Mobil-Sprecher Marco Lingemann weist darauf hin, dass bei den Planungen die Sicherung des Trinkwasserschutzes im Vordergrund gestanden habe. Der hohe Bordstein sorge dafür, dass kein Straßenwasser auf die benachbarten Felder gelangen könne, die Leitplanken, dass bei einem Unfall kein Auto von der Straße abkommt und auf den Feldern womöglich Öl verliert.

Lingemann erklärt, dass im Zuge der Planung Kompromisse mit Blick auf Fußgänger und Radfahrer gemacht werden mussten, „weil der Trinkwasserschutz absoluten Vorrang hatte.“ So sei es nicht möglich gewesen, noch zusätzlich einen Geh- und Radweg parallel zur Strecke zu errichten. „Das hätte Flächenzukäufe erfordert und auch die Planungen noch einmal aufwendiger gemacht.“

Grundsätzlich gehe aber jeder Planung eine Abwägung voraus. „Nach unserer Einschätzung hält sich der Fuß- und Radverkehr im genannten Bereich der L 562 in Grenzen“, sagt Lingemann. Gleichzeitig gebe es in ganz Hessen einen großen Bedarf an neuen Radwegen entlang von Überlandstraßen. Hier sei eine Priorisierung notwendig, „die L 562 hat dabei nicht den Vorrang erhalten.“

Mit Blick auf die beidseitig installierten Leitplanken habe sich Hessen Mobil sämtliche Stellen, an denen Wege von der Landesstraße abzweigen, angeschaut. „An mehreren Stellen gibt es weiterhin die Möglichkeit für den Fußverkehr die Landesstraße zu queren“, sagt Lingemann. Dort, wo es Einfahrten zu Feld- oder Forstwegen gebe, sei die Leitplanke offen. „Auch die Wanderpfade im Bereich des Ysenburg-Denkmals und des Schmuggler-Pfades sind zugänglich.“

Die von Lorscheider-Brinkmann genannte Querungsmöglichkeit an der L 562 in Höhe des Fuß- und Radwegs an der Autobahn sei nun tatsächlich durch die Leitplanke verschlossen worden. „Diese Zufahrt befand sich in einer unübersichtlichen Kurve und wurde immer wieder zur Ablagerung von Müll genutzt“, sagt Lingemann. Doch sei der Fuß- und Radweg nach wie vor über die Straße Zum Solarpark an der A 7-Brücke rüber zu SMA sowie weiter nördlich in Höhe des Hundeübungsplatzes zu erreichen. Der Wegfall der Querungsmöglichkeit an besagter Stelle sei nicht ideal, aber im Sinne des Trinkwasserschutzes eben doch vertretbar.

Hintergrund: Fußgänger entlang von Landstraßen

Auch wenn wie im Fall der L 562 kein Gehweg vorhanden ist, dürfen Fußgänger an Landstraßen entlang gehen – und zwar außerhalb von Ortschaften immer auf der linken Seite. Das gilt auch dann, wenn Leitplanken installiert sind. Fußgänger müssen dann den Fahrbahnrand nutzen, „wenn es zumutbar ist“, heißt es in der Straßenverkehrsordnung. Was zumutbar ist, obliegt der Entscheidung des Einzelnen, aber auch örtlichen Gegebenheiten. „Wird der Fahrbahnrand zum Beispiel wegen einer Baustelle oder eines Gebäudes zu schmal, kann der Fußgänger die Straßenseite wechseln“, sagt Polizeisprecherin Ulrike Schaake.

Leitplanken sind dagegen so eingebaut, dass immer noch ein begehbarer Fahrbahnrand zwischen Leitplanke und Fahrbahn existiert. Im Fall der L 562 ist das Hochbord 50 Zentimeter breit. Mit einem Gehweg hat das nichts zu tun, ist aber dennoch nicht völlig unpassierbar. Grundsätzlich ist gegenseitige Rücksichtnahme das oberste Gebot im Straßenverkehr. „Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird“, heißt es in der Straßenverkehrsordnung.

Auch interessant

Kommentare