14 Millionen Einheiten wurden im Werk Kassel produziert

Öfter gebaut als das Käfer-Getriebe: VW-Schaltgetriebe MQ 250 wird letztmals in Baunatal produziert

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Gemeinsam im Team: Isabell Fetters (24, von links), Frank Reinbold (52), Michael Leib (50) und Thomas Baumann (54) haben gerne hier in der Halle 1 gearbeitet.

Baunatal. Das erfolgreichste Handschaltgetriebe, das Volkswagen je gebaut hat – das MQ 250 –, lief im VW-Werk Kassel in Baunatal vom Band. 14 Millionen dieser Einheiten wurden laut VW auf der heute 600 Meter langen Produktionslinie in der Halle 1 gefertigt. Nach 31 Jahren ist nun Schluss.

Wie erfolgreich dieses Produkt aus Nordhessen ist, zeigt der Vergleich mit dem VW-Käfer. Das damalige Handschaltgetriebe 113 für den Käfer wurde in Kassel von 1960 bis 1983 insgesamt 13,5 Millionen Mal gebaut.

Die Maschinen für das MQ 250, die 1987 zu den modernsten im gesamten Werk gehörten, werden laut Projektleiter Werner Seitz jetzt nach und nach abgebaut. Am 3. August setzt das aus 370 Mitarbeitern bestehende Team das letzte MQ 250 zusammen. Lediglich eine kleine Einheit bleibt für den Bau des Getriebes für den Einsatz im VW-Bulli T 6 in Baunatal. Die restliche Produktion sei bereits nach Argentinien abgegeben worden, so Unterabteilungsleiter Michael Leib. An genau dieser Stelle der Halle 1 in Baunatal soll nämlich ab Ende 2019 die neue Generation der Volkswagen Elektromotoren gefertigt werden. Der Getriebedauerbrenner weicht quasi der elektrogetriebenen Zukunft im VW-Konzern.

Das Getriebezahnrad fest im Blick: Isabell Fetters wollte unbedingt nach ihrer Ausbildung in die Produktion für das Handschaltgetriebe MQ 250. Doch jetzt sind die Tage gezählt. Im August läuft das letzte Pkw-Getriebe dieser Art in Baunatal vom Band.  

„Wir sind alle mit den Anlagen gewachsen“, sagt Teamsprecher Thomas Baumann, der von der ersten Stunde an dabei ist, durchaus mit Wehmut. Und Kollege Frank Reinbold ergänzt: „Ich habe das Getriebe von Grund auf kennengelernt.“ Für die Mitarbeiter, die alle in früheren Jahren noch Getriebe mit der Hand zusammengesetzt hatten, sei die automatische Montage ab 1987 etwas ganz Besonderes gewesen, erläutert Werner Seitz, der jetzt den gesamten Umbau der Halle 1 organisiert. Bis auf die Ergänzung durch einige Roboter sei die MQ-250-Montage in den 31 Jahren nahezu unverändert geblieben. Michael Leib bringt es auf den Punkt: „Das ist der letzte große Montage-Dinosaurier.“

Nach der Ausbildung

Die 24-jährige Isabell Fetters ist erst seit vier Jahren dabei. Sie habe aber unbedingt nach der Ausbildung in das MQ-250-Team kommen wollen, sagt die junge Frau aus Hofgeismar. „Hier gab es immer etwas anderes. Es war sehr vielfältig“, berichtet sie von ihren Erfahrungen schon während der Ausbildung. Und „Das Arbeitsumfeld war sehr angenehm und familiär“, erzählt sie.

Für die Mitarbeiter der Montage heißt es also, sich auf völlig Neues einzustellen. Die meisten werden laut Seitz und Leib künftig in der Produktion der Elektromotoren eingesetzt, 78 gehen in den nächsten zwei Jahren in den Ruhestand. Thomas Baumann wirbt dafür, trotz eines tränenden Auges offen für die Veränderung zu sein. „Ist doch schön für uns Alte, bei dieser Technologie mitgenommen zu werden.“

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