Konflikte in der Politik schrecken ab

Viele Parteien im Landkreis Kassel haben Probleme, Kandidaten für Kommunalwahl zu finden

Kommunalwahl 2021 in Hessen: Nicht jeder ist überall wahlberechtigt. (Symbolbild)
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Kommunalwahl 2021 in Hessen.

Wer ein politisches Amt übernimmt, muss viel Zeit investieren und steht in der Öffentlichkeit. Das schreckt offenbar manche ab.

Kreis Kassel – Dass man sich der Öffentlichkeit stellen muss, ist für Bernd Brede von den Fuldabrücker Grünen der Hauptgrund dafür, dass Parteien oft Probleme haben, genug Mitglieder zu finden – was jetzt vor der Kommunalwahl im März deutlich wird. „Wenn man im Gemeindeparlament mitmischt, muss man damit rechnen, auch verbal angegriffen zu werden“, sagt Brede. „Zum einen von den anderen Politikern, zum anderen aber auch von der Bevölkerung. Denn der jeweilige Name steht dann in der Öffentlichkeit.“

Man könne es nie jedem Recht machen, sodass schwierige Situationen immer mal vorkämen. „Viele wollen das einfach nicht.“Die Grünen in Fuldabrück haben für die Kommunalwahlliste zwar dieses Mal genug Namen zusammen, doch das war nicht immer so. Bei der Gemeindewahl 2011 konnten sie mangels Interessenten gar nicht erst antreten. „Wir hatten einfach nicht genug Leute“, so Brede.

Dass es immer schwieriger wird, Menschen zu finden, die sich politisch engagieren wollen, weiß auch Frank Williges (CDU) aus Helsa. „Früher gab es sogar Kampfkandidaturen um Plätze“, sagt er. „Später wurde das immer weniger.“ Gründe dafür seien, dass viele ihre Zeit nicht mehr in ein Ehrenamt investieren und keine längerfristige Verantwortung übernehmen wollen.

„Ich habe den Eindruck, dass Menschen sich oft eher projektbezogen engagieren, aber eben kein Amt gleich für die nächsten fünf Jahre übernehmen möchten.“ Außerdem scheuten manche eine Kandidatur, weil sie nicht in Konflikte geraten wollten. Williges spricht über das Engagement auf kommunaler Ebene. Denn für den Kreistag gebe es keine Probleme, die Listen mit genügend Namen zu füllen. „Da gibt es immer mehr Bewerber als Plätze“, sagt er.

Probleme, genug Kandidaten auf Gemeindeebene zu finden, kennt auch Hans-Georg Trust (SPD), Erster Stadtrat in Vellmar. Doch vor dieser Kommunalwahl lief es „überraschend gut. Unser Anspruch war, knapp 40 Leute auf der Liste zu habe – das haben wir geschafft. Ich bin froh, dass uns das so gut gelungen ist.“ Es sei dieses Mal leichter gefallen als in der Vergangenheit.

Die UBF in Fuldabrück hatte da mehr Probleme, ihre Liste zu füllen. Vor Kurzem startete sie deshalb einen Aufruf. „Wir hatten nur fünf oder sechs Leute“, erklärt Fraktionsvorsitzender Rudolf Zeidler. „Nach dem Aufruf haben sich aber überraschend noch einige gemeldet, sodass wir jetzt 14 auf der Liste sind.“ Für kleinere Parteien sei es immer schwierig, neue Mitglieder zu werben, wenn man in einem Ort wohne, wo traditionell von vielen SPD gewählt werde.

Die Grünen in Fuldatal können sich mit 22 Listenamen nicht beschweren, sagt Fraktionsvorsitzender Thomas Ackermann. „Ich habe das Gefühl, dass jetzt gerade eine Zeit ist, in der viele Menschen das politische Geschehen mitgestalten und einfach dabei sein wollen.“ Seine Partei habe mehrere neue Leute gewonnen, die zur Wahl im März antreten wollen.

Doch so viele, dass sie auf familiäre Unterstützung verzichten könne, sind es auch wieder nicht: Drei Mal taucht der Name Ackermann auf der Liste der Grünen auf, Thomas Ackermann selbst, außerdem sein Sohn und seine Frau. „Meine Frau will nicht ins Parlament, aber uns trotzdem unterstützen. Deshalb steht sie auf dem letzten Platz.“ Je mehr auf der Liste ständen, umso besser. Auch auf der Liste der Espenauer CDU fällt ein Nachname besonders auf: „Wiemers“ ist gleich vier Mal vertreten. Bei der FWG Ahnatal stehen neun Kandidaten auf der Liste – wobei zwei Nachnamen jeweils zwei Mal auftauchen.

In Schauenburg treten vier Familienmitglieder der Linken-Spitzenkandidatin Roswitha Weispfennig an, wie sie berichtet. Es sei schwierig gewesen, genug Personen für die Liste zusammen zu bekommen – umso glücklicher ist Weispfennig, dass es geklappt hat, auch dank der Menschen, die nicht der Partei Die Linke angehören. Ihr sei es wichtig, dass im Gemeindeparlament verschiedene Meinungen vertreten sind. (Theresa Novak und Lara Thiele)

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