1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel

Personal bleibt stark beansprucht: Förster kämpfen mit Sturmschäden

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Moritz Gorny

Kommentare

Sie sind bei Wind und Wetter draußen: Während dem Redakteur der Regen auf die Linse tropft, haben Forstreferendar Raphael Wulf und sein Steirischer Rauhhaarbrackerüde Ares sichtlich Spaß. Hier zeigt Wulf im Kaufunger Wald, wie er eine Eiche markieren würde.
Sie sind bei Wind und Wetter draußen: Während dem Redakteur der Regen auf die Linse tropft, haben Forstreferendar Raphael Wulf und sein Steirischer Rauhhaarbrackerüde Ares sichtlich Spaß. Hier zeigt Wulf im Kaufunger Wald, wie er eine Eiche markieren würde. © Moritz Gorny

Wer in Wäldern unterwegs ist, dem fallen womöglich vermehrt umgestürzte Bäume auf. Manche machen den Spaziergang zu einer Kletterpartie. Schaffen Forstleute ihre Arbeit noch?

Kreis Kassel – Gerade angesichts der Pandemie, Dürre, Borkenkäferbefall und Sturmschäden? Vonseiten der Gewerkschaft IG Bau wird die Forderung laut, beim Personal aufzustocken. Wir haben bei Forstämtern nachgefragt, ob es genug Waldarbeiter gibt.

Hessisch Lichtenau

Noch herrscht laut Mathias Dumm kein Personalmangel im Forstamt Hessisch Lichtenau, das unter anderem für den Kaufunger Wald zuständig ist. „Die Ausbildungsplätze konnten bisher immer besetzt werden“, sagt der Leiter. Allerdings seien 12 der 17 Forstarbeiter über 50 Jahre alt.

Hinzu kommt, dass gerade die vergangenen vier Jahre laut Dumm extrem gewesen sind: „Es gab eigentlich nur Katastrophen im Wald.“ Dadurch habe sich der Arbeitsaufwand um das Dreifache erhöht, beispielsweise beim Aufräumen von Windwurf oder aber beim Nachpflanzen. „Es ist klar, dass solch eine Situation gerade für Ältere nicht leicht ist, aber sie haben das gut geschafft“, lobt der Leiter.

Wenn derzeit Holz noch nicht weggeräumt ist, liege an der schieren Menge. „Nach dem Sturm hatten wir 50 000 Festmeter, die um lagen“, sagt Dumm. Das müsse jetzt schnell aus dem Wald, sonst sei es buchstäblich gefundenes Fressen für den Borkenkäfer.

Melsungen

Von herausfordernden Zeiten spricht auch Petra Westphal. „Die Mitarbeiter sind ziemlich beansprucht“, gibt die Chefin des Forstamts Melsungen unumwunden zu. Das liege nicht nur an den vielen Schwierigkeiten, die direkt mit dem Klima zusammenhängen. Eine indirekte Folge sei, dass einige Bäume in der Söhre krank sind – „und von außen kann man das auch als Baumexperte nicht immer sehen“, sagt Westphal. So komme es vor, dass die Gewächse kerngesund aussehen, aber dennoch ganze Kronenteile unvermittelt herausbrechen. „Das ist für Spaziergänger nicht ungefährlich“, sagt Westphal.

Als umso wichtiger erachtet sie, dass die Wälder in den kommenden Jahren fit gemacht werden. Das sei mit viel sehr Arbeit verbunden, denn auch natürliches Wachstum passiere nicht einfach so. „Wir müssen vor Schädlingen schützen, Bäume herausnehmen, aber auch nicht zu viel eingreifen.“

Wolfhagen

Die Stürme im Februar haben viele Bäume umgeworfen und beschädigt, sagt Uwe Zindel. Das werde auch in „seinem“ Revier, dem Forstamt Wolfhagen, deutlich. Das kümmert sich unter anderem um den Habichtswald. Man sorge dafür, dass die Bäume beispielsweise an öffentlichen Straßen oder an Erholungsorten wie Bänken weggeräumt werden.

Zindel betont allerdings: „Der Wald ist keine Parklandschaft und jeder betritt ihn auf eigene Gefahr“. Dass es hier und da unaufgeräumt aussehe, habe einen „ökologischen Nutzen“. Schließlich sei der Wald ein Lebensraum – das gelte auch für abgestorbene und umliegende Bäume.

Das erneute Aufforsten nach Borkenkäferbefall, Dürre und Stürmen belaste das Personal enorm. „Die Arbeit ist herausfordernder geworden.“ Auch pandemiebedingt seien Mitarbeiter ausgefallen. Ein Mangel an Personal oder Engpässe durch Krankheit gebe es jedoch nicht.

Zur Forderung der IG Bau, mehr Forstleute einzustellen, sagt Zindel, dass das nicht sinnvoll sei: Weil der Wald in Zukunft teils weniger intensiv und anders bewirtschaftet werden soll, falle künftig weniger Arbeit an.

Von Moritz Gorny

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion