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Peter Zick aus St. Ottilien trainiert mit seinen Tieren auch für Wettkämpfe

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Von: Valerie Schaub

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Mit seinen Hunden beim Training: Peter Zick auf seinem Wagen bei St. Ottilien. Mit dabei ist Sven Kroll auf seinem Rad mit Hündin Flocke.
Mit seinen Hunden beim Training: Peter Zick auf seinem Wagen bei St. Ottilien. Mit dabei ist Sven Kroll auf seinem Rad mit Hündin Flocke. © Valerie Schaub

Nicht in jedem Februar bietet sich in Nordhessen eine Schneelandschaft, in der man mit Schlittenhunden trainieren kann. Peter Zick aus St. Ottilien ist mit seinen Hunden trotzdem unterwegs.

Helsa – Wären es ein paar Dutzend Grad kälter, könnte man die Szene glatt in Lappland vermuten. Dann wäre Peter Zick mit seinen Hunden auf einem Schlitten unterwegs – im Schnee.

Hier aber gibt es nur Matsch, 11 Grad und Räder statt Kufen. St. Ottilien statt Lappland. Im Süden von Helsa betreibt Peter Zick ein ungewöhnliches Hobby. Er trainiert Hunde zum Schlittenziehen. Nur, dass er sie in Nordhessen meist nicht vor einen Schlitten, sondern einen Wagen spannt.

Zick, 61 Jahre alt, grüßt mit Mütze und rotem Regenoverall an seinem Gartentor. Es ist Trainingstag für seine Hunde. Noch turnen sie in den Außengehegen herum. Zick hat die Gitter terrassenartig in den Garten gebaut. Sein Haus liegt am Ortsrand. Direkt dahinter beginnen Feldwege – sein Trainingsgelände.

Hätte seine Leithündin Ruby nicht gerade elf Welpen zur Welt gebracht, wäre Zick jetzt vermutlich tatsächlich in Lappland. Dort ist der Informatiker 2017 das erste Mal mit Schlittenhunden gefahren. Eine ausgewanderte Bekannte brachte ihm den Sport bei. „Im Schnee macht es mehr Spaß, wenn man bis zum Horizont gucken kann“, schwärmt Zick.

Was in den nördlicheren Breitengraden eine lange Tradition hat, wird auch hierzulande immer beliebter. Mithilfe extra dafür gebauter Wagen hat der Zughundesport an Fahrt aufgenommen. Inzwischen gibt es viele Wettbewerbe über unterschiedliche Distanzen und in mehreren Disziplinen. Hunde ziehen etwa einen Läufer, einen Radfahrer oder einen Wagen. Alle haben laut Peter Zick eins gemein: eine gut vernetzte Szene.

Er ist in all dem „Spätzünder“, wie er sagt. Angefangen hat er mit Canicross. Dabei zieht ein Hund einen Läufer an einer flexiblen Leine. Das war vor acht Jahren. Dann hat er immer etwas Neues dazugenommen: einen Hund oder ein anderes Gefährt oder beides. Mittlerweile hat er ein Rad, einen Scooter, einen Wagen, einen Schlitten und sieben Zughunde.

Und die sind gerade ziemlich aufgeregt. Sie wissen, dass es gleich losgeht. Drei mal versucht Zick in der Woche zu trainieren. Zum Training ist auch Sven Kroll mit seiner Hündin Flocke aus Kassel da. Flocke wird Kroll am Rad ziehen.

Kroll öffnet das Tor der Zwinger. Blitzschnell schießen die Hunde in den Garten und wetzen umher. An einer im Boden gespannten Leine macht Zick sie fest und holt die Geschirre. Die Hunde jaulen. Die paar Meter bis zum Wagen wird Zick sie bremsen müssen, so aufgedreht sind sie. Und weil an diesem Tag jemand von der Zeitung da ist, sind sie es noch ein bisschen mehr. Zick merkt das.

Sein Wagen ist mit einer Art Anker im Boden befestigt. Die Bremsen allein würden die Hunde nicht daran hindern, loszurennen, sagt Zick.

Er stellt sich auf den Wagen. Den Helm mit der Kamera obendrauf hat er sich schon vorher aufgesetzt. Jetzt ist alles startklar. „Go“ ruft er und löst den Panikhaken des Startseils. Die Hunde schießen den Berg hoch.

Dann wird es plötzlich still. Und alles, was man hört, sind die Tritte von 24 Hundepfoten auf Matschboden. Hecheln. Windpfeifen. Schlamm spritzt auf die Gummistiefel. Ins Gesicht. Auf die Jacke. Ins Hundefell. Es riecht nach Erde und frischer Luft. Ab und zu sprintet Flocke am Gespann vorbei. „Das würde es mit meiner Leithündin nicht geben“, ruft Zick, „die lässt niemanden überholen.“

Links taucht der Kirchturm von Eschenstruth auf. Am Wegrand ein überraschter Hundebesitzer. Es geht durch den Wald, ins Feld, vorbei an frisch geschlagenem Holz. Das alles interessiert die sechs Hunde nicht. Sie haben nur eins im Kopf: Rennen.

Darauf sind sie gezüchtet, „es ist ihr Arbeitsmodus, es macht ihnen Spaß“, erklärt Peter Zick. Vorn hat er seine Alaskan Huskies eingespannt. Das sind seine Sprinter, sie geben den Takt vor. Von den vorderen Hunden hänge alles ab, sie sind es, die die Kommandos umsetzen. Denn nur mit der Stimme kann der „Musher“, wie der Hundeführer im Fachjargon heißt, sein Gespann lenken.

Hinter den Alaskan Huskies laufen German Trailhounds, eine in dem Sport beliebte Züchtung. Zicks Quartett verträgt sich gut: „Sie fressen aus einem Napf.“ Für Rennen sei es wichtig, dass sie ein gutes Team sind.

Der Wagen rauscht nur so über die Feldwege, rumpelt durch Pfützen, saust um Kurven. Zick hält die Geschwindigkeit fest: bis zu 33 km/h. Für junge Hunde ganz ordentlich, sagt er. Wer einmal mitfährt, versteht, was Zicks Kumpel Sven Kroll meint, wenn er sagt, es ist wie eine Sucht. Wer sich dazu Schnee und die Polarlichter vorstellt, weiß, woher sein Funkeln in den Augen kommt.

Mit Schlammspritzern im Gesicht erzählt Zick später bei einem Kaffee, warum er nach St. Ottilien gezogen ist. Den Nachbarn in seinem alten Wohnort Landwehrhagen waren die Hunde zu laut. Es sei eine verzwickte Situation gewesen. Anstatt miteinander zu reden, sei das Ordnungsamt gekommen. Also blieben ihm zwei Möglichkeiten: Wegziehen oder Hunde abgeben.

Er entschied sich für Ersteres, fand ein Haus mit Grundstück, auf dem mit 5000 Quadratmetern Platz für alle Hunde ist, und Nachbarn, die das Geheul nicht stört. Draußen lässt er die Hunde nachts trotzdem nicht, denn das wäre auch den neuen Nachbarn zu laut. Mit Lappland wird es in diesem Jahr nichts mehr, sagt Zick. Dafür hat er jetzt Zeit für seine Hundewelpen. (Valerie Schaub)

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