Neues Prüfsystem

Es wird mehr gefragt: So sehen Heime im Kreis Kassel den neuen Pflege-Tüv

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Freut sich drauf, künftig weniger und unkomplizierter dokumentieren zu können: Tina Ernst, Wohnbereichsleiterin im Haus Mühlenhof in Vellmar.

Wie gut sind Pflegeheime wirklich? Diese Frage soll künftig besser beantwortet werden - mit dem neuen Pflege-Tüv. Doch was bedeutet das für die Heime vor Ort? 

Hat ein Pflegeheim genügend Personal? Wird den Heimbewohnern geholfen, wenn ihnen das Essen und Trinken schwer fällt? Und wie sieht es mit der Körperpflege aus? All das soll ab dem kommenden Jahr genauer unter die Lupe genommen und die Ergebnisse veröffentlicht werden.

Bisher wurde vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) vorrangig die Dokumentation der Heime bewertet, was zu Bestnoten geführt hat: 1,2 war der Bundesschnitt im September. Der neue Pflege-Tüv soll das ändern: Jetzt werden mehr Daten über die Patienten erhoben. Außerdem werden sowohl die Gepflegten, als auch die Pfleger befragt. Dadurch sollen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen künftig schneller erkennen können, ob ein Heim ihren Ansprüchen entspricht, oder eben nicht.

Pflege-Tüv: Das bedeutet er für den Landkreis Kassel

Doch was bedeutet das für die Pflegeheime im Landkreis Kassel? Zu drei Bereichen liefern die Heime jeweils große Mengen an Daten, die später geprüft werden. „Um diese Daten schnell zu sammeln, stellen wir seit anderthalb Jahren unsere Dokumentation auf EDV um“, sagt Sabine Holzenleuchter, Heimleiterin des Hauses Mühlenhof Vellmar. Das sei erst einmal mehr Arbeit, weil die Mitarbeiter – von der Pflege bis hin zur Qualitätsprüfung – geschult werden müssten, wie sie die Computerprogramme richtig bedienen.

Altenpfleger Marvin Fiegehenn muss künftig mehr erklären. Hier cremt er Lieselotte Oschatz die Hände ein.

„Nachher wird es aber leichter“, ergänzt Tina Ernst, Wohnbereichsleiterin im Haus. Denn das Pflegepersonal müsse nicht bei 146 Bewohnern jeden Handgriff wie Körperpflege oder Essen reichen dokumentieren. Dafür gebe es einen Tagesplan für jeden Patienten. Nun müssten nur spezielle Schritte dokumentiert werden, wie das Geben von Spritzen.

Pflege-Tüv wird vor Ort geprüft

Neu sei auch, was beim Pflege-Tüv vom MDK vor Ort geprüft wird: „Bisher wurden nur unsere Patienten und die Dokumentation unter die Lupe genommen, jetzt werden auch unsere Mitarbeiter befragt“, sagt die Heimleiterin. „Wurde ein Patient nicht nach Lehrbuch gepflegt, müssen wir erklären können, warum.“

Wenn der neue Pflege-Tüv auch Herausforderungen mit sich bringe, ist Holzenleuchter doch froh darüber: „Auf die alten Bewertungen konnte man als Patient oder Angehöriger kaum etwas geben, das ändert sich jetzt“, sagt die Heimleiterin.

Verbraucher haben kontinuierlichen Überblick

Ähnlich steht man dem neuen Pflege-Tüv bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gegenüber: „Die bisher durchgeführten und unangemeldeten Qualitätsprüfungen in den Pflegeeinrichtungen (...) gaben keine qualifizierte Aussage über die Pflegequalität. Das ändert sich jetzt“, sagt Sigrid Wieder, Sprecherin der Awo Nordhessen.

Künftig habe der Verbraucher einen kontinuierlichen Überblick, was in einem Pflegeheim gut und weniger gut läuft. Auf der anderen Seite bedeute er für die Awo-Mitarbeiter aber Mehrarbeit: „Durch den Pflege-Tüv kommt auf die Einrichtungen eine ambitionierte Aufgabe mit enormem Aufwand für Prozessanpassungen und Personalschulungen zu“, sagt Wieder. Dennoch sei man hier optimistisch.

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