1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel

Pizzeria-Inhaber aus dem Landkreis Kassel soll Steuern hinterzogen haben

Erstellt:

Von: Michaela Pflug

Kommentare

Prozessakten im Gericht (Symbolbild)
Gericht (Symbolbild) © Swen Pförtner / dpa (Symbolbild)

Fast 780 000 Euro an Steuern soll der Inhaber einer Pizzeria im Landkreis nicht gezahlt haben. Zumindest wirft das die Staatsanwaltschaft dem 51-Jährigen vor.

Kreis Kassel – Der machte am ersten Verhandlungstag am Landgericht aber noch gar keine Aussage. Stattdessen äußerten sich zwei Finanzbeamte ausführlich.

Vorgeworfen wird dem Beschuldigten, in den Geschäftsjahren 2013 bis 2017 Umsätze und Erträge erwirtschaftet zu haben, die weder in seinen Einkommens- noch in seinen Gewerbe- und Umsatzsteuererklärungen auftauchen. Dass es dabei nicht um kleine Beträge ging, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 2013. Dort soll der Beschuldigte einen Gewinn von 8700 Euro angegeben, in Wirklichkeit aber 272 000 Euro erwirtschaftet haben, erklärte die Staatsanwältin.

Mit der Höhe dieser Beträge waren die beiden Verteidiger nicht einverstanden. Daher gingen sie auch nicht auf den Hinweis der Richterin ein, in Anbetracht der Höhe und der Unbescholtenheit ihres Mandanten das Gespräch mit der Staatsanwältin zu suchen. Dem sei man nicht abgeneigt, habe aber Probleme mit den Berichten und der Schätzmethodik der Finanzbehörde, so die Verteidiger.

Aufgefallen war der Pizzeria-Inhaber durch die Prüfung eines Hauptlieferanten. Wareneinkäufe seien nicht vollständig verbucht wurden. Bei der anschließenden Betriebsprüfung fielen Unregelmäßigkeiten auf. Das rief die Steuerfahndung auf den Plan. Bei der Befragung der Fahnderin standen die Lieferanten im Fokus. Denn der Beschuldigte hatte angeben, dass diese Lieferungen auf ihn verbucht hatten, die er nie erhalten habe. Ein so ausgeklügeltes Betrugssystem mit mehreren Beteiligten hielt die Beamtin für unwahrscheinlich. Sie schilderte, dass alle bei einem Ortstermin gefundenen Rechnungen auch an den Pizzeria-Inhaber adressiert gewesen seien.

Die Verteidigung fragte nach, ob es denn Quittungen über die bar bezahlten Lieferungen gebe. Dem war nicht immer so, teils waren die Beweis-Belege unterschrieben von Fahrer und Empfänger, teils nicht, teils trugen sie kryptische Verweise. Viele Detailfragen konnte die Beamtin, die inzwischen im Ruhestand ist, nicht beantworten. Etwa die der Richterin, mit welchen Daten man die von den Lieferanten angegebenen Warenverkäufe verglichen habe, um fehlende Beträge beim Beschuldigten zu ermitteln.

Der mit der Betriebsprüfung betraute Beamte skizzierte, dass der Beschuldigte angab, keine elektronischen Kassendaten zu haben. Es habe aber Z-Bons, Kassenabschlussbelege, gegeben, die auf genau diese hinwiesen. Im März 2019 wurden Fragmente davon bei einer Hausdurchsuchung dann auch gefunden. Deren Auswertung zeigte, aus Sicht des Finanzamtes, dass es zahlreiche Löschungen gab – zusätzlich zu normalen Stornovorgängen.

Außerdem sei von Anfang an auffällig gewesen, dass der Restaurant-Betrieb des Beschuldigten drastisch weniger einträglich war als sein Lieferdienst, erklärte der Zeuge. Trotz reichlich Sitzfläche, Biergarten und der Aussage eines vor Ort wohnenden Kollegen, dass dort das Geschäft brumme, habe der 51-Jährige nur 9 Prozent seines Gewinnes im Restaurantbetrieb erwirtschaftet.  

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion