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61-Jährige Opfer von Love-Scamming

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Von: Amira Sayed El Ahl

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Blaulicht eines Polizeiwagens
Die Polizei konnte das Mitglied einer Betrügerbande festnehmen. (Symbolbild) © Archiv

Kreis Kassel – Nachdem eine Frau aus dem Landkreis Kassel in die Fänge einer Betrügerbande geriet, ist der Polizei jetzt in Baunatal die Festnahme eines Tatverdächtigen gelungen.

Es ist eine perfide Masche, mit der Betrügerbanden ihre Opfer in eine emotionale Abhängigkeit treiben, bis sie das bekommen, was sie wollen: ihr Vermögen. Am Donnerstagmittag konnte die Polizei in Baunatal nun einen Mann festnehmen, der im Verdacht steht, Mitglied einer solchen Betrügerbande zu sein.

Aufgeflogen war er, nachdem eine 61 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Kassel Anzeige bei der Polizei erstattet hatte, wie Matthias Mänz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen und Andreas Thöne, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Kassel am Dienstag mitteilten. Die Frau war über Wochen Opfer der sogenannten Love-Scamming-Masche geworden und so um mehrere Zehntausend Euro ihres Vermögens gebracht worden. Der Festgenommene soll mehrfach größere Geldsummen bei dem Opfer abgeholt haben.

Anfang des Jahres hatte die 61-Jährige über eine Dating-Plattform einen vermeintlichen britischen Arzt kennengelernt, der sich im Laufe der Zeit durch geschickte Gesprächsführung und angebliche romantische Gefühle ihr Vertrauen erschlich. Der Kontakt habe über Telefon und Messenger-Dienste stattgefunden, sagt Mänz. So werde bei dieser Betrugsmasche geschickt Druck und emotionale Abhängigkeit aufgebaut. Der Mann, der vorgab derzeit in Syrien karitativ tätig zu sein, täuschte dann verschiedene Notlagen vor, die letztlich immer dazu führten, dass er kurzfristig finanzielle Unterstützung brauchte. Das Opfer hatte dem vermeintlichen Arzt daraufhin mehrfach auf verschiedenen Wegen Geld zukommen lassen.

Nachdem das Opfer sich nach einigen Wochen ihren Angehörigen anvertraut hatte und dadurch letztlich aufflog, dass sie von Betrügern hereingelegt wurde, erstattete sie in der vergangenen Woche Anzeige bei der Polizei. Oft käme es in solchen Fällen gar nicht zu Anzeigen, erklärt der Polizeisprecher, da sich die Opfer dafür schämten, auf Betrüger reingefallen zu sein. „Die Opfer sind oft psychisch sehr belastet“, sagt Mänz. Die Dunkelziffer bei solchen Delikten deshalb relativ hoch.

Da die Täter auch noch Kontakt zu dem Opfer suchten, nachdem sie Anzeige erstattet hatte und dabei versuchten, weitere Beute zu machen, gelang den Ermittler schließlich die Festnahme. Als der Mann ein weiteres Mal Wertsachen bei der Frau abholen wollte, ging er den Fahndern der Kasseler Kripo ins Netz. Er konnte am Donnerstagmittag als Fahrgast eines Minicars in Baunatal festgenommen werden und sitzt nun in Untersuchungshaft.

Die Identität des etwa 40 Jahre alten Mannes konnte laut Mänz derzeit noch nicht zweifelsfrei geklärt werden. Er habe zwar angegeben, 41 Jahre alt zu sein und aus einem afrikanischen Staat zu kommen, „aber daran haben wir Zweifel, weil wir das noch nicht bestätigen konnten“. Deshalb bestehe Fluchtgefahr. Ihm wird bandenmäßiger Betrug vorgeworfen.

Ob es sich bei dem Festgenommenen auch um den Mann handelt, der dem Opfer eine Beziehung vorgegaukelt hat, ist noch nicht klar. „Das sind oft aus dem Ausland agierende Tätergruppen und es sind mehrere, die agieren“, erklärt Mänz. Deshalb seien die Ermittlungen oft schwierig. Die jetzige Festnahme ist deshalb für die Ermittler eine Art Türöffner, wie Mänz sagt: „Die Festnahme gibt uns eine ganze Reihe guter Ermittlungsansätze.“ (Amira El Ahl)

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