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Provinzposse um Aufenanger: Parlament verweigert Ehrung

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Michael Aufenanger an einem seiner Lieblingsorte in Kassel: Für ein Porträt ließ sich der ehemalige Ahnataler Bürgermeister am Herkules
Michael Aufenanger an einem seiner Lieblingsorte in Kassel: Für ein Porträt ließ sich der ehemalige Ahnataler Bürgermeister am Herkules © grafieren. ArchivFoto: Pia Malmus

Der Blumenstrauß lag hinter der Bühne bereit, der Sekt war kaltgestellt, aber am Ende gab es nichts zu feiern. Michael Aufenanger trank trotzdem ein Glas Sekt und nahm es sportlich, dass ihm eine Ehrung verwehrt geblieben war.

Ahnatal – Für diese war er seit seinem Abgang als Bürgermeister zum ersten Mal wieder zu einer Sitzung der Gemeindevertreter gekommen war.

Als Hobby-Läufer ist Aufenanger gewohnt, dass Rennen auch mal knapp verloren gehen. Niederlagen nimmt er daher sportlich. So war es schon, als er Ende 2020 wegen Stimmengleichheit sein Amt als Bürgermeister im Losverfahren an seinen Herausforderer Stephan Hänes (SPD) abgeben musste. Eine Entscheidung, die bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Aber den Weg in den Bürgersaal in Weimar am Donnerstagabend hätte er sich erspart, hätte er gewusst, wie knapp die Entscheidung sein würde, sagte der 45-Jährige. 10 von 19 Gemeindevertretern hatten den Antrag der CDU-Fraktion abgelehnt, ihn zum Ehrenbürgermeister zu ernennen.

Dabei, so sagen es die Fraktionsvorsitzenden von SPD, FWG und auch den Grünen übereinstimmend, sei schon seit Monaten der CDU signalisiert worden, dass es vermutlich keine Mehrheit für ihren Antrag geben würde. „Auf mehreren Ältestenrats- und Fraktionssitzungen wurde der CDU nahegelegt, den Antrag zurückzuziehen“, sagt Thomas Dittrich-Mohrmann (SPD) am Tag danach. „Wir wollten verhindern, dass in aller Öffentlichkeit das passiert, was jetzt passiert ist.“ Es sei lange klar gewesen, dass die SPD geschlossen gegen den Antrag stimmen würde. „Es tut mir für Aufenanger persönlich sehr leid, dass seine Fraktion ihn nicht gewarnt hat.“

Dittrich-Mohrmann widerspricht der Aussage von Rüdiger Reedwisch, Fraktionsvorsitzendem der CDU, dass es sich bei der Ablehnung um einen „privaten Rachefeldzug“ einiger in der SPD und „eine ganz miese Provinzposse“ handele. „Es besteht gar kein Anlass, einen Rachefeldzug gegen Michael Aufenanger zu führen.“ Man halte den Zeitpunkt einfach nicht für richtig. „Wir sind gerne bereit, ihn am Ende seiner Karriere zu ehren.“

Ähnlich sieht es Sven Makoschey (FWG), der ebenso wie die SPD-Fraktion gegen den Antrag gestimmt hat. „Wir sind der Meinung, eine Ehrung sollte am Ende einer politischen Laufbahn stehen, und nicht am Anfang.“ Niemand habe Aufenanger mit der Abstimmung schädigen wollen. „Wir würdigen seine Arbeit, aber das ist nicht der Punkt für das Lebenswerk.“ Ihm tue Aufenanger leid, den er seit 30 Jahren gut kennt. „Dieser Auftritt war unwürdig für ihn, das hat er nicht verdient.“ Und es sei vermeidbar gewesen, hätte die CDU Aufenanger frühzeitig informiert.

Reedwisch hingegen sagt, er habe bis zuletzt an eine Mehrheit geglaubt. „Es war ein ganz klarer negativer Kampf gegen Aufenanger.“

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