Solarbranche im Aufwind - Installateure ausgelastet

PV-Anlagen sind im Kreis Kassel beliebt

Auch ein generelles Umdenken in Sachen Energieversorgung treibt die Nachfrage nach PV-Anlagen auf dem eigenen Hausdach aktuell nach oben. Unser Symbolbild zeigt Installateure bei der nachträglichen Montage einer PV-Anlage.
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Auch ein generelles Umdenken in Sachen Energieversorgung treibt die Nachfrage nach PV-Anlagen auf dem eigenen Hausdach aktuell nach oben. Unser Symbolbild zeigt Installateure bei der nachträglichen Montage einer PV-Anlage.

Wieder ist Niestetal dem Ziel, Standort für zukunftsweisende Technologien zu werden, ein Stück näher gekommen. Dabei profitiert die 10 000-Einwohner-Gemeinde vor allem vom aktuellen Aufwärtstrend in der gesamten Solarbranche.

So hat jetzt die Firma Groß, ein Fachbetrieb für Fotovoltaik- und Batteriespeicheranlagen mit aktuell 57 Mitarbeitern, ihren Sitz von Kaufungen nach Niestetal an den Sandershäuser Berg verlegt. „Unsere Firmenzentrale in Kaufungen ist zu klein geworden“, sagt Geschäftsführer und Inhaber Björn Groß. Jetzt sind am Sandershäuser Berg an der Hermann-Scheer-Straße ein 950 Quadratmeter großes Lager sowie gegenüber noch ein großes Bürogebäude entstanden.

Das Geschäft läuft gut: „Im März haben wir seit Unternehmensstart 2016 rund 100 installierte Megawatt durch Fotovoltaik vollgemacht“, sagt Groß. 100 Megawatt sind 100 000 Kilowatt. Zum Vergleich: Ein normales Einfamilienhaus kommt mit einer 6- bis 10-Kilowatt-PV-Anlage schon sehr gut zurecht. „Und natürlich haben wir uns auch selbst PV-Anlagen auf die Dächer gebaut“, sagt Groß. „Die auf dem Büro hat 47,57 Kilowattpeak, die auf der Lagerhalle 235,84 Kilowattpeak“.

Die heimische Solarbranche ist im Aufwind. Sprecherin Esther Beller von der IHK Kassel-Marburg bestätigt das ebenso wie einzelne Betriebe in und um Kassel. So spricht die BLG Project GmbH mit Sitz in Wolfhagen-Istha von einer sehr guten Auftragslage.

„Sie hat sich seit 2018 deutlich gebessert. In den letzten Monaten ist der Wert an installierter PV-Leistung um über 100 Prozent gestiegen, tatsächlich sind wir aktuell stark ausgelastet“, sagt Firmen-Sprecherin Silke Pflug. Der größte Zuwachs sei bei Eigenheimbesitzern zu verzeichnen. Aber auch viele Firmen klopften an. Pflug: „E-Mobilität treibt die Nachfrage an, überhaupt generelles Umdenken in Sachen Energieversorgung und natürlich attraktivere Preise für PV-Anlagen.“ Die BLG Project GmbH besteht seit 2009, bisher hat die nach eigenen Angaben 400 Megawatt PV-Stromanlagen auf Haus- und Firmendächer gebaut.

Auch die Kasseler Firma KAS-Elektrotechnik an der Leipziger Straße spricht mit Blick auf ihre PV-Sparte von einer sich laufend verbessernden Auftragslage. „Wir sind gut ausgelastet“, sagt Elektromeister Jörg Albert. Kunden – darunter viele Eigenheimbesitzer, aber auch „querbeet“ – müssten sich inzwischen auf Wartezeiten bei Beratung, Angebotserstellung und Ausführung einstellen. Über 400 PV-Anlagen hat die Firma in den vergangenen 20 Jahren schon verbaut. „Aktuell kommen aus ganz Deutschland Anfragen zur Montage“, sagt Albert.

Gleichzeitig wächst die Sorge, „dass sich bei der großen Nachfrage möglicherweise bald Materialengpässe einstellen“. Ohnehin gebe es schon jetzt nicht genug Installateure.

Prof. Rainer Meyfahrt, Vorstandsmitglied bei der Bürger-Energiegenossenschaft Kassel-Söhre, begrüßt den Aufwärtstrend. Vor allem zeige jetzt die Befreiung von größeren Anlagen bis 30 Kilowattpeak von der EEG-Umlage ihre Wirkung. „Das macht PV-Anlagen für Eigenheimbesitzer nun deutlich attraktiver“, sagt Meyfahrt.

Dennoch: Noch immer blieben zu viele geeignete Dachflächen für Sonnenstrom ungenutzt. „Überall in Neubaugebieten entstehen neue Dächer, aber es ist noch viel zu häufig nichts drauf. Dabei lässt jeder Bauherr, der sich keine PV-Anlage auf’s Dach setzt, wirklich Geld auf der Straße liegen“.

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