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Raps: Wie die Aussaat, so die Ernte

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 Landwirtschaftsmeister Jan Steffen an seinem Traktor mit einem Sack Saatgut auf dem Arm
Es ist Zeit für die Aussaat: Landwirtschaftsmeister Jan Steffen hofft noch auf Regen. © Peer Bergholter

Immer wieder richtet Jan Steffen den Blick gen Himmel, während er die staubige Erde auf dem Acker durch die Finger rieseln lässt. Eigentlich sei in der Zeit von Mitte August bis Anfang September der optimale Aussaattermin, so der 41-jährige Landwirtschaftsmeister aus Niestetal-Heiligenrode, doch er warte lieber noch ein wenig in der Hoffnung auf Regen.

Denn: „Saatbett geht vor Saattermin“, sagt er. Steffen, der den Hof 2015 von seinem Vater übernommen hat, betreibt in dem landwirtschaftlichen Familienbetrieb klassischen, konventionellen Ackerbau.

In diesem Jahr soll auf einem Viertel der gesamten bewirtschaften Ackerfläche von Steffen Raps angebaut werden. Diesen sollte man höchstens alle vier Jahre auf demselben Feld anbauen, da sich sonst die Gefahr von spezifischen Pflanzenkrankheiten erhöht. Außerdem braucht Raps eine Vorfrucht, die früh geerntet wird, da die Rapspflanze bereits vor dem Winter einen guten Entwicklungsstand haben muss, um die kalte Jahreszeit überhaupt zu überstehen. Etwa acht Blätter sollte die Pflanze bis zur Vegetationsruhe entwickelt haben. Die Fruchtfolge auf den Feldern sollte immer aus einer Blattfrucht wie Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln oder eben Raps bestehen, „denn die Blattpflanze überträgt keine Krankheiten und kaum Schädlinge an Getreidepflanzen“, weiß Jan Steffen und bringe darüber hinaus weitere Vorteile mit sich.

Wie wichtig eine abgestimmte Fruchtfolge für die landwirtschaftlichen Erträge ist, verdeutlicht der Landwirt: „Der Grundstein jeder erfolgreichen Ernte wird bereits bei der Ernte der Vorfrucht gelegt.“ Und Raps sei eine ideale Vorfrucht, denn Raps hinterlasse ein bestens bestelltes Feld: Die Pflanze wächst nahezu ein Jahr auf den Flächen. Durch ihr üppiges Wachstum beschattet sie den Boden, schützt ihn so vor dem Austrocknen und unterdrückt Beikräuter. Da nur die Körner geerntet werden, verbleibt die gesamte Pflanze auf der Fläche und liefert wertvolle Nährstoffe für die folgende Kultur. Die lange Pfahlwurzel lockert den Boden tief auf und schafft so eine ausreichende Belüftung des Bodens. Die positiven Auswirkungen auf das Bodenleben sorgen für entsprechende Mehrerträge der Folgefrüchte.

Dafür verlangt die Pflanze einiges. Zunächst einmal viel Platz. Denn auch wenn das Saatkorn äußerst klein ist, wird daraus eine üppige Pflanze, die auf dem Feld ihren Raum beansprucht. Auch sonst ist der Rapsanbau recht anspruchsvoll. „Raps hat sehr spezifische Ansprüche an die Nährstoffversorgung, man muss frühzeitig bedarfsgerecht düngen. Denn wenn Raps einmal hungert, war’s das mit der Ernte“, so der Landwirt. Mit der Düngemittelbedarfsberechnung ermittelt er, wie viele Nährstoffe die Pflanze braucht. Auch seien gerade die Jungpflanzen aufgrund ihres langsamen Wachstums bei Schädlingen sehr beliebt, weshalb Steffen alle zwei bis drei Tage zur Kontrolle auf den Acker muss, um gegebenenfalls Pflanzenschutzmaßnahmen zu ergreifen.

Durch den weiten Abstand der Rapspflanzen auf dem Feld mit 45 Körner je Quadratmeter siedelt sich in der Jugendentwicklung in den Zwischenräumen oftmals Unkraut an. Was dagegen hilft? „Die beste Unkrautbekämpfung ist ein gleichmäßiger Rapsstand“, lacht Jan Steffen.

Generell hebt der Landwirtschaftsmeister hervor: „Raps verzeiht keine Fehler, weshalb man für den Anbau viel Fingerspitzengefühl und entsprechende Erfahrungswerte braucht.“

Warum mutet man sich dann den ganzen Aufwand zu? „Weil Raps neben der guten Bodenwirkung auch eine gute Wirtschaftlichkeit hat“, so Steffen. Zumindest für ihn und seinen Betrieb, verfügt er doch über die entsprechenden Maschinen für die Aussaat und Ernte sowie drei Silos abseits der Ortschaft für die Lagerung nach der Ernte.

Für die Aussaat bevorzugt Jan Steffen eine pfluglose Bestellung der Felder. Denn je geringer die Saattiefe –bei Raps sind es nur etwa zwei Zentimeter – und je kleiner das Korn, desto feinkörniger muss die Erde sein. „Doch ganz so feinkörnig sollte es auch nicht sein“, wie Jan Steffen beim Blick auf den Staub, der durch die Finger rieselt, bemerkt.

Von Peer Bergholter

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