Bislang kaum Buchungen

Reisebüros im Kreis Kassel haben es in Coronazeiten schwer

Melanie Sliwczuk-Fischer vom Reisebüro „Melus Reisen“ in Niestetal sitzt auf einem Stuhl am Schreibtisch und hält einen Urlaubskatalog in der Hand. Im Hintergrund steht ein PC.
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Sie berät ihre Kunden nun von zu Hause: Melanie Sliwczuk-Fischer hat ihr Reisebüro „Melus Reisen“ in Niestetal wegen Corona schließen müssen.

Normalerweise ist jetzt die Zeit, den Urlaub für den Sommer zu buchen. Doch stattdessen halten sich die Kunden mit ihren Buchungen zurück.

Kreis Kassel – Das trifft die Branche auch im Kreis Kassel heftig. Reisebüros in Niestetal, Fuldatal und Baunatal klagen über Einbußen.

Melanie Sliwczuk-Fischer musste ihr Reisebüro „Melus Reisen“ in Niestetal sogar schließen. Sie betreut ihre Kunden nun von zu Hause. Schweren Herzens habe sie sich zu diesem Schritt entschieden, da sie nicht wisse, was noch komme. Doch einfach sei das nicht gewesen. „Das Büro war mein zweites Zuhause“, sagt sie.

Doch die monatlichen Ausgaben, wie Miete und Nebenkosten für ihr Büro, seien enorm gewesen, für einen Zeitraum, in dem sie kaum etwas verdiene. „Es bucht keiner“, beschreibt Sliwczuk-Fischer die Situation. Für ihre Kunden ist sie aber weiterhin da, nur eben telefonisch oder per Mail. Allerdings würde sie auch rausfahren, um die Kunden zu beraten, wenn das nötig ist.

Buchungen für dieses Jahr gebe es zwar. Allerdings sei das im Vergleich zu vergangenen Jahren kaum erwähnenswert. „Die Buchungen kann ich an zwei Händen abzählen“, sagt die 49-Jährige. Bis jetzt wurden zumeist Ziele in Griechenland gefragt. Die Kunden seien noch vorsichtig. „Das kann ich auch verstehen“, fügt sie hinzu. Denn im Urlaub müsse man sich wohlfühlen und momentan sei es eine Katastrophe, etwas zu buchen.

„Es läuft so gut wie gar nichts“, sagt auch Mario Kersting vom Reiseservice Kersting in Fuldatal. Vor September rechne er mit keinen Flugreisen. Für den Herbst habe er bereits ein paar Buchungen für verschiedene Ziele wie Mallorca oder Griechenland. Für die Sommerferien wurde eine Deutschland-Reise gebucht.

Im vergangenen Jahr habe Kersting rund 500 Stunden damit verbracht, alles zu stornieren. Arbeit, für die es keinen Cent gab. Bis zum Sommer werde er das noch durchziehen. Dann müsse geschaut werden, wie die Perspektiven sind. „Wir sind Kämpfer“, sagt er, denn er wolle das, was er sich jahrelang aufgebaut hat, nicht einfach aufgeben.

Die Mitarbeiter im Reiseland Ratio in Baunatal sind seit einem Jahr in Kurzarbeit. Der Februar würde jedoch etwas besser laufen als der Januar, wie Melanie Kleinschrodt, Leiterin des Reisebüros, mitteilt. Die Kunden hätten es satt, zuhause zu bleiben, und wollen gerne Urlaub buchen. So bekomme das Reisebüro vermehrt Ferienhaus-Anfragen oder die Kunden buchten Ziele, die mit dem Auto erreichbar sind.

Im Reisebüro Sonnenklar.TV Haub in Baunatal laufe es langsam wieder an, wie Joachim Haub erklärt. Er rechne mit etwa 20 Prozent der Buchungen, die er normalerweise zu dieser Zeit hat.

Momentan erlebe er eine große Nachfrage. „Unglaublich viele Leute wollen weg“, sagt Joachim Haub. Da es kein Reiseverbot gebe, würden auch einige nach Kuba oder Dubai fliegen. Da die Buchungen derzeit noch bis zu 14 Tage vor Reiseantritt kostenlos storniert werden können, gehen die Kunden kein Risiko ein, erklärt Haub.

Im vergangenen Jahr hatte das Reisebüro kaum Einkünfte. Trotzdem könne man diese Phase finanziell packen. „Man muss Geduld haben“, sagt er. Doch neue Reisebüros würden das wahrscheinlich nicht schaffen. Daher geht Haub davon aus, dass noch einige schließen müssen. (Samira Müller)

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