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Reparieren statt entsorgen

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Von: Valerie Schaub

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Sie tüfteln, schrauben und reparieren, was zu reparieren ist: Im Repair-Café in Lohfelden versucht Michael Joksch, einen alten Kinderwecker wiederzubeleben.
Sie tüfteln, schrauben und reparieren, was zu reparieren ist: Im Repair-Café in Lohfelden versucht Michael Joksch, einen alten Kinderwecker wiederzubeleben. © Valerie Schaub

Ein fehlendes Schräubchen, zu wenig Öl, ein poröser Dichtungsring – oft liegt es nur an Kleinigkeiten, die entscheiden, ob ein Gerät funktioniert. Trotzdem sind Reparaturen oft zu umständlich und teuer.

Kreis Kassel – Ein Neukauf ist meist die effizienteste, schnellste und sogar die günstigste Lösung. Aber nicht für die Umwelt. Deshalb soll sich nun etwas ändern. Unter dem Motto „Reparieren statt entsorgen“ beschäftigt sich die Europäische Kommission damit, wie sie Mindeststandards zur Haltbarkeit, zum Energieverbrauch und zu Reparaturanforderungen für Waren festlegen kann. Auch mit Blick auf das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu sein.

Was nun von oben gesteuert werden soll, praktizieren seit Jahren Ehrenamtliche: In Repair-Cafés setzen Fachleute und Hobbytüftler Alltagsgegenstände wieder instand. Im Mehrgenerationenhaus des ASB in Lohfelden stehen an diesem Tag eine Nähmaschine, ein Radio, ein Kinderwecker und – der Klassiker: eine Kaffeemaschine auf der Anmeldeliste.

Etwa die Hälfte der Geräte können die Ehrenamtlichen in Lohfelden reparieren, erklärt Michael Joksch. Er ist Elektromeister im Ruhestand und schon lange im zwölfköpfigen Team der Tüftler. Die Idee der Repair-Cafés sei es, der Industrie zu zeigen, „wir können vieles reparieren“. Aber die Industrie macht es ihnen oft schwer – und das sei „gewollt.“

Heinz Knippschild hat die Nähmaschine seiner Frau mitgebracht, eine mindestens 40 Jahre alte Privileg. Sie näht nicht mehr richtig, die meiste Zeit stehe sie sowieso nur herum. Herbert Flucht fragt nach der Bedienungsanleitung und öffnet sie. Er pustet Fusseln aus dem Gehäuse und ölt die Maschine. Knippschild will es hier versuchen, bevor er eine Neue kauft. „Ich bin gegen die Wegwerfgesellschaft“, sagt er. Die Politik sei gefragt.

Was bei der alten Nähmaschine noch leicht geht, ist bei vielen neuen Geräten das erste Hindernis: Das Öffnen, erklärt Joksch und berichtet von Bügeleisen, an denen dabei Plastikteile kaputt gehen, die man nicht mehr bekommt. Von Toastern, deren Innenleben danach im Raum verteilt liegt. Für ihn alles Hinweise, wie die Hersteller die private Reparatur gezielt verhindern. „Firmen müssten verpflichtet werden, dass man an das Innere kommt.“

An der Kaffeemaschine von Stefan Landsrat geht das noch ganz gut. Der Kaffee lief zur Seite raus, deshalb ist er hier. Seine Frau hat die Brüheinheit in die Spülmaschine gesteckt, anschließend aber nicht die Führungsschienen gefettet, erklärt Walter Roth den Fehler. Das holt der Ehrenamtliche nach. Wenn man die Maschine einschicken würde, koste das bestimmt 150 Euro, schätzt er. Die Gummiringe lassen sich leicht austauschen, es gibt sie für Centbeträge auf Ebay.

Stichwort Ersatzteile: Um das richtige zu finden, suchen Joksch und seine Kollegen Bedienungsanleitungen und Schaltpläne im Internet, suchen Videos von Leuten, die das Teil schon einmal repariert haben. „Wir wissen auch oft nicht, ob ein bestelltes Ersatzteil überhaupt passt“, sagt Flucht. Ist es nicht exakt das Gleiche, beispielsweise ein Überhitzungsschutz mit angegebener Gradzahl, könne das Gerät die Zulassung verlieren.

Den alten Wecker, den die dreijährige Tochter von Astrid Peterß gefunden hat, bekommen die Tüftler wohl nicht mehr zum Laufen. Zum Spielen reicht er trotzdem. „Ich finde es wichtig, Kindern beizubringen, nicht alles gleich wegzuwerfen“, sagt die Mutter.

Info: Das Repariercafé im ASB-Mehrgenerationenhaus, Friedrich-Ebert-Ring 25c, in Lohfelden hat jeden ersten Freitag im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Anmeldung unter Telefon 0561/ 9 51 87 50. (Valerie Schaub)

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