Mega-Technik für A 44-Tunnel

Riesige Entlüfter bei Hirschhagen – Nach Innenausbau Freigabe im Herbst 2022

Gigantische Entlüftungsturbinen über dem Mittelschacht des Tunnels Hirschhagen sollen im Brandfall schnell große Mengen Rauch abziehen. Beide Turbinen zusammen haben eine Leistung von 1000 PS. Zum Größenvergleich haben sich Bernhard Klöpfel von der Autobahngesellschaft des Bundes (links) sowie Projektingenieur Ingo Henkel neben eine der beiden Turbinen aufgestellt.
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Gigantische Entlüftungsturbinen über dem Mittelschacht des Tunnels Hirschhagen sollen im Brandfall schnell große Mengen Rauch abziehen. Beide Turbinen zusammen haben eine Leistung von 1000 PS. Zum Größenvergleich haben sich Bernhard Klöpfel von der Autobahngesellschaft des Bundes (links) sowie Projektingenieur Ingo Henkel neben eine der beiden Turbinen aufgestellt.

Gut acht Jahre nach dem Baustart steht der A 44-Tunnel Hirschhagen unmittelbar vor dem Abschluss. Im Herbst 2022 soll er voraussichtlich freigegeben werden.

Kreis Kassel – Was zuvor eine schummrige Röhre im Felsgestein war, hat sich inzwischen zu einem fast fertigen Autobahntunnel entwickelt. Gut acht Jahre nach dem Baustart sind im neuen A 44-Tunnel Hirschhagen nahezu alle technischen Anlagen eingebaut. „Wir stehen damit unmittelbar vor dem Abschluss“, sagt Bernhard Klöpfel von der Autobahngesellschaft des Bundes.

So waren in den vergangenen zwei Jahren allein Aktivitäten in 17 Gewerken in dem 4,2 Kilometer langen Tunnel zwischen Helsa und Hessisch Lichtenau zu verzeichnen. Dabei ging es um den Einbau sämtlicher Verkehrs-, Steuerungs-, Überwachungs-, Sicherheits-, Belüftungs-, Beleuchtungs- und Brandschutzanlagen. Um das alles zu bewältigen, war unter Federführung des Tunnel-Ausstatters Porr aus Österreich die Zusammenarbeit mit weit über 20 hochspezialisierten Subunternehmen notwendig gewesen.

„Inzwischen können wir schrittweise mit der Inbetriebnahme einzelner Anlagenteile beginnen“, sagt Karl Stadler von der Firma Porr. Zuerst ginge es darum, die ganze Technik mit den Steuereinheiten in den drei Tunnel-Betriebsgebäuden an den Portalen sowie am mittigen Entlüftungsschacht zu verbinden. Anschließend werde alles an die Tunnelleitstelle in Eschwege angeschlossen. „Mit Blick auf die Komplexität ist der Tunnel Hirschhagen ein einzigartiges Projekt“, sagt Klöpfel.

Sobald die ersten Anlagenteile angeschlossen seien, begännen auch schon die Testläufe. „Die einzelnen Einheiten müssen letztlich auch im Zusammenspiel funktionieren“, sagt Projektingenieur Ingo Henkel. So gut wie alles sei voll automatisiert, die Technik reagiere komplett selbstständig auf ganz bestimmte Verkehrslagen. „198 verschiedene Schaltzustände gilt es zu prüfen – und alles muss dabei einwandfrei ineinanderspielen“, sagt Henkel.

Tatsächlich werden diese Tests noch viel Zeit in Anspruch nehmen – etwa bis Sommer 2022. Hinzu kommt noch mindestens eine Großübung mit den Feuerwehren aus Helsa und Hessisch Lichtenau unter Beteiligung des Rettungsdienstes und der Polizei. „Geprobt wird dabei ein sehr ernstes Szenario – zum Beispiel eine große Karambolage mit einem verunglückten und in Brand geratenen Lkw“, sagt Klöpfel.

Nach dem Einbau und Anschluss aller technischen Anlagen im Tunnel kann nun die Testphase beginnen.

Der Brandschutz spiele im Tunnel Hirschhagen eine große Rolle. Alle 150 Meter sind Brandmelder und Notrufanlagen installiert. Eine Notbeleuchtung weist alle 25 Meter auf die nächste Fluchtmöglichkeit hin. Im Brandfall wird stets die parallele Tunnelröhre als Fluchtweg genutzt. 15 Querstollen hinüber zur anderen Tunnelseite – davon sind sieben auch für Rettungsfahrzeuge befahrbar – sollen ein zügiges Verlassen der Gefahrenzone ermöglichen. Gleichzeitig ziehen 54 Strahlventilatoren den Rauch ab, je nach Brandsituation über die Tunnelportale oder über den 80 Meter hohen Ent-rauchungsschacht in der Mitte des Tunnels.

Allein die Dimensionen des Entrauchungsschachts sprechen für sich. Die beiden gut zehn Meter hohen Turbinen ganz oben im Kamingebäude mitten im Wald bei Hirschhagen leisten jede für sich 500 PS. 227 Kubikmeter Luft pro Sekunde können diese Maschinen aus dem Tunnel nach draußen saugen.

Aktuell rechnet die Autobahngesellschaft des Bundes mit der Verkehrsfreigabe des Tunnels im Herbst 2022 – zuletzt war der Sommer 2022 anvisiert gewesen. „Die Coronakrise mit Materialengpässen und Lieferschwierigkeiten hat eben auch vor dem Tunnel nicht halt gemacht“, sagt Klöpfel.

Inwieweit sich die Coronalage noch auf die Baukosten auswirke, sei indessen noch nicht klar. Aktuell sind für den gesamten Bauabschnitt mit Tunnel, Innenausstattung und dem Straßenbau 346,3 Mio. Euro angegeben.(Boris Naumann)

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