Im Oberen Niestetal entstehen neue Lebensräume für Schwarzstorch, Wildkatze und Quelljungfer-Libelle

Sägen bringen Licht ins Dickicht

Heimstatt für bedrohte Arten: Nachdem die Bachläufe zwischen Helsa und Nieste vom wuchernden Fichtenbewuchs befreit wurden, sollen sich hier jetzt wieder Schwarzstorch, Wildkatze und Quelljungfer-Libelle ansiedeln. Unser Archivbild entstand im Sommer im Gläsnertal, hinten Jochachim Schäfer, Förster im Revier Bunte Bock. Fotomontage: Petra Rusche/ hna

Nieste / Helsa. Manchmal muss man der Natur auch in ihrem Schutzgebiet auf die Sprünge helfen, um sie zu voller Schönheit zu entfalten. Genau das haben der Naturpark Meißner - Kaufunger Wald, Regierungspräsidium (RP) und Forstamt Hessisch Lichtenau im Oberen Niestetal zwischen Helsa-Wickenrode und Nieste getan, um dort Schwarzstorch, Wildkatze und Quelljungfer-Libelle neue Lebensräume zu erschließen.

Einzigartige Natur

Entlang des Schwarzbachs und der drei Quellebäche der Nieste hatte sich über Jahr die Fichte derart ausgebreitet, dass sie alles andere Leben zu ersticken drohte, berichtete Revierförster Christian Zeh.

Innerhalb der beiden vergangenen Jahre wurde dieses Fichtendickicht jetzt beseitigt. Bildlich gesprochen wurde das Licht angeknipst, um dem einzigartigen Naturareal aus einsamen Waldwiesen, Quellmooren, Bachläufen und Torfmoospolstern neue Entwicklungsmöglichkeiten zu erschließen.

Naturpark-Geschäftsführer Marco Lenarduzzi: „Auf dem äußerst unwegsamen und zudem nassen Gelände war das nur mit viel Handarbeit möglich.“ Diese Arbeiten seien jetzt abgeschlossen worden.

Auf den geöffneten Flächen ist ein ineinander verflochtenes Netz von Naturräumen entstanden. Cord Brand, beim Regierungspräsidium Kassel für das Schutzgebiet zuständig: „Das Besondere an dem Naturschutzgebiete Oberes Niestetal ist, dass sich der Bach in diesem Bereich vom Menschen nahezu unbeeinflusst entwickeln kann.“

Es gebe keine Einleitungen und keine Uferbefestigung. Besonders wichtig, so Brand, sei die ungehinderte Verbindung zwischen den naturnahen Quellbereichen und dem Unterlauf der Nieste deshalb, damit die Arten wandern können und die Populationen sich austauschen können.

Die jungen Fichten an den Gewässern hätten auf die Insekten wie ein dunkler Block gewirkt, den viele Arten weder im Wasser noch auf dem Luftweg überwinden konnten. Außerdem hätten die jungen Nadelbäume eine Entwicklung der natürlichen, die Bäche begleitenden Vegetation auf diesen nassen Standorten verhindert.

Wüster Anblick

Derzeit, so Brand weiter, vermittelten die gelichteten Bereiche mitunter noch einen wüsten Anblick. Der aber werde in wenigen Jahren von einer standortgerechten Folgevegetation abgelöst. Revierförster Zeh rechnet damit, dass sich in kurzer Zeit auf natürlichem Wege Roteichen, Schwarzerlen, Ulmen und Moorbirken auf den freigeräumten Flächen ansiedeln werden. All diese Maßnahmen würden neuen Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten entstehen lassen. Die naturnahen Strukturen bieten eine Heimstatt für Schwarzstorch und Wildkatze. Auch die seltene Großlibelle, die „zweigestreifte Quelljungfer“ habe die vom Fichtenbewuchs befreiten Bachabschnitte bereits entdeckt und neu besiedelt.

Schon heute können Waldbesucher das einzigartige Naturschutzgebiet (Grafik) erleben. Wanderwege führen vom Jägerborn bei Wickenrode in Richtung Nieste durch das Gebiet, das auch vom Wanderparkplatz Bunte Bock am Ortsausgang von Nieste in Richtung Witzenhausen durch das Gläsnertal erwandert werden kann.

Von Thomas Stier

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