Derzeit laufen Voruntersuchungen im Firnsbachtal – altes Bauwerk ist marode

A 44-Brücke wird neu gebaut

Stück für Stück in die Erde: Torsten Hartung (von links), Martin Adelsberger und Ayman Dalloul von der Firma Terrasond sind mit Bohrgerät derzeit auf der Autobahn 44 bei Elgershausen unterwegs. Sie bereiten den Brückenneubau vor.
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Stück für Stück in die Erde: Torsten Hartung (von links), Martin Adelsberger und Ayman Dalloul von der Firma Terrasond sind mit Bohrgerät derzeit auf der Autobahn 44 bei Elgershausen unterwegs. Sie bereiten den Brückenneubau vor.

Die Brücke der Autobahn 44 über das Firnsbachtal aus dem Jahr 1968 ist marode und muss neu gebaut werden. Rund 73.000 Autos und Lkw rollen laut der Verkehrsbehörde Hessen Mobil täglich darüber.

Schauenburg - Laut Behördensprecher Marco Lingemann ist die Spannbetonkonstruktion angegriffen. Die Brücke müsse in absehbarer Zeit neu gebaut werden. Zur Vorbereitung laufen aktuell die ersten Bodenuntersuchungen.

In den 1960er-Jahren sei in den Brücken niederwertiger Stahl verwendet worden, sagt Lingemann. Deshalb müsten viele Bauwerke der A44 zwischen Kassel und Dortmund neu errichtet werden. Um die Standfestigkeit einer neuen Konstruktion zu garantierten, werde der Untergrund untersucht, so Lingemann.

„Wir müssen dem Statiker die Berechnungwerte angeben.“ Und das Bauwerk muss einiges tragen. Unter den 73.000 Fahrzeugen täglich seien 15 000 Lastwagen dabei, erläutert Lingemann die Zahlen von vor fünf Jahren. In einer Beispielrechnung komme er auf rund 750.000 Tonnen Gewicht, die im Schnitt täglich auf die Brücke einwirken.

Man sichte jetzt zunächst die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen aus den 1960er-Jahren, erläutert Geologe Mathias Fiedel vom Kompetenzcenter Geotechnik bei Hessen Mobil. Doch damals sei zur Erkundung der Bodenverhältnisse nur einige Meter tief gebohrt worden. Heute, so Fiedel, gehe man mit dem Bohrgerät 40 Meter tief. Unter der Brücke im Firnsbachtal sei man – wie erwartet – jetzt auf Tertiärsedimente aus Sanden und Tonen gestoßen. Felsgestein liege wohl wesentlich tiefer an dieser Stelle, so der Experte.

Untersuchen den Boden unter der Brücke: Matthias Meyer (links) und und Mathias Fiedel vom Kompetenzcenter Geotechnik von Hessen Mobil.

Derzeit sind Mitarbeiter der Firma Terrasond aus dem bayerischen Günzburg dabei, die acht Bohrungen im Umfeld der Autobahnbrücke vorzunhemen. Sie reichen die Bohrkerne in beschrifteten Kisten anschließend zur Auswertung weiter an die Geologen von Hessen Mobil. Ab einer Tiefe von 25 Metern gebe es nur noch Ton, sagt ein Mitarbeiter der Firma.

Während der Arbeiten wird der Verkehr auf der Autobahn wechselseitig mit einem Tempolimit von 80 km/h versehen. In der kommenden Woche werde die Fahrbahn zusätzlich in Höhe der Brücke Richtung Kassel leicht verschwenkt, so Lingemann.

Sand und Ton stellen für das Vorhaben keine besonderen Probleme dar. Darauf, sagt der Sprecher, könne problemlos ein neues Bauwerk errichtet werden, wenn auch bei der Gründung die Weichheit von Ton mit einberechnet werden müsse. „Ton kann deutlich weniger Lasten abtragen“, ergänzt Fiedel.

Wann der Bau startet, kann Hessen Mobil noch nicht sagen. Das sei abhängig von Entscheidungen im Berliner Verkehrsministerium, sagt Lingemann. Deshalb könne die Behörde auch noch nichts zur Höhe der Baukosten sagen. „Es ist ein langer Prozess bis dahin.“

Eins steht allerdings schon fest: Der Brückenbau soll bereits an der Zukunft der A 44 ausgerichtet werden. Das Bauwerk, sagt Lingemann, werde für einen sechsstreifigen Ausbau der Autobahn vorbereitet. Dieser sei auch schon im Bundesverkehrswegeplan enthalten.

Firnsbachtal im „Kasseler Graben“

Das Firnsbachtal liegt laut Geologe Mathias Fiedel im „Kasseler Graben“ im Habichtswald. Das sei eine Schwachzone in der Erdkruste. Dort habe es vor 12 bis 14 Millionen Jahren Vulkanismus gegeben und es sei Magma aufgestiegen. Die Geologen gehen davon aus, dass sie als Folge der Entstehung der Alpen entstanden ist.  (Sven Kühling)

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