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Nach 35 Jahren ist Schluss: Ärztin Gisela Weber betreute Herzsportgruppen beim KSV Baunatal

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Von: Ingrid Jünemann

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Mit Stethoskop und Pulsmessgerät: Dr. Gisela Weber, Ärztin aus Schauenburg, beaufsichtigte 35 Jahre Herzsporttraining beim KSV Baunatal. Im Hintergrund eine Gruppe beim Ballspiel, betreut von Übungsleiterin Ute Döring-Köhler (links).
Mit Stethoskop und Pulsmessgerät: Dr. Gisela Weber, Ärztin aus Schauenburg, beaufsichtigte 35 Jahre Herzsporttraining beim KSV Baunatal. Im Hintergrund eine Gruppe beim Ballspiel, betreut von Übungsleiterin Ute Döring-Köhler (links). © Ingrid Jünemann

Dr. Gisela Weber aus Schauenburg beaufsichtigte 35 Jahre Herzsporttraining beim KSV Baunatal. Nun übergibt sie das Amt an ihre Kollegen.

Baunatal/Schauenburg – Herzinfarkt, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen – drei Beispiele, mit welchen Diagnosen Menschen auf ärztliche Verordnung zum Herzsport des KSV Baunatal kommen. Viele haben schwere Operationen hinter sich, Bewegung soll zur Wiederherstellung ihrer Kräfte beitragen. Während der Übungsstunde muss ein Mediziner vor Ort sein, um bei Notfällen einzugreifen. 35 Jahre gehörte Dr. Gisela Weber aus Schauenburg zu dem Team von Ärzten, das diesen Dienst versieht.

Nun sagte die engagierte Internistin ade – sehr zum Bedauern von Teilnehmern, Kollegen und Verein. Doch im Alter von 73 Jahren, so hat es Weber für sich entschieden, ist Schluss.

Gisela Weber zählte zu den Pionieren des KSV-Herzsports. Ein halbes Jahr nach Gründung der Abteilung kam die Ärztin dazu. Manche Teilnehmer erlebte sie ein Vierteljahrhundert und länger. Anfangs versah Weber einmal pro Monat den dreistündigen Dienst am Samstag, später waren es maximal acht Einsätze im Jahr. Doch den Defibrillator zur Wiederbelebung bei Herzstillstand „habe ich zum Glück nie gebraucht“,berichtet die Schauenburgerin: „Ich hatte nie kardiale Notfälle.“ Und darüber ist sie sehr froh.

Training fürs Herz: Gisela Weber kümmerte sich um das Wohlbefinden der Teilnehmer

Vor jeder Trainingsstunde fragte Weber alle Teilnehmer nach ihrem Befinden. Fühlte sich jemand schlecht, „dann habe ich denjenigen auch mal nach Hause geschickt“, erzählt sie. Risiken für die Gesundheit sollten minimiert werden.

Die Hausärztin, die lange in Elgershausen praktizierte, führte Aufnahmegespräche und mahnte dabei Neulinge, den Sport langsam anzugehen. „Jeder soll schließlich Spaß am Bewegen haben und die Halle mit Profit verlassen.“

Von einem solchen Erstkontakt wird ein Protokoll angefertigt, das Details der Erkrankung, verwendete Medikamente und die Ergebnisse von Belastungs-EKGs festhält. Die Daten sind wichtig, um Interessenten einer der fünf Herzsportgruppen zuordnen zu können. Denn diese trainieren mit unterschiedlicher Intensität, um den Krankheitsbildern gerecht zu werden.

Nie ein Notfall: Den Defibrillator musste Weber nie nutzen

Außerdem müssen die ärztlichen Kollegen während ihrer Dienste – ein Team von Medizinern teilt sich die Aufgabe – um das Befinden der Patienten wissen. Deshalb hat der KSV Baunatal für jeden Teilnehmer eine Krankenkarte reserviert. Einen großen Teil davon legte Gisela Weber an. Mut zusprechen, nach einem gesundheitlichen Niederschlag das Selbstbewusstsein wieder aufbauen, zur sportlichen Betätigung ermuntern – auch das sah Weber als ihre Aufgabe an. „Machen Sie das, was Sie können“, so lautete stets ihr Rat an neue Schützlinge.

Während der Übungsstunden haben die Ärzte die Teilnehmer stets im Auge, um im Notfall sofort eingreifen zu können. Neben Defibrillatoren sind Stethoskop, Pulsmesser und weitere medizinische Geräte in der Waldsporthalle Rengershausen, wo der KSV-Herzsport seit vielen Jahren stattfindet, zur Hand.

Einmal allerdings wurde es nichts mit dem Trainieren unter dem schützenden Hallendach. Denn der Schlüssel fehlte. „Da haben wir einen schönen Waldlauf gemacht“, erinnert sich Gisela Weber. Improvisieren gehörte auch zu ihren Aufgaben beim KSV Baunatal. (Ingrid Jünemann)

Zur Person

Dr. Gisela Weber (73), in Hannover geboren, in Dillenburg aufgewachsen, studierte in Marburg Medizin. Sie ist verheiratet und lebt in Martinhagen. Die Internistin arbeitete ab 1975 in der Kreisklinik Frankenberg, 1979 wechselte sie ins Klinikum Kassel. 1984 ließ sich Weber als Hausärztin in Elgershausen nieder, dort praktizierte sie bis 2016. Seit fünf Jahren engagiert sich die Medizinerin im ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst in Kassel.

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