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Dachdecker installieren Holzschnitte an Turm der Märchenwache

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Von: Peter Dilling

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Langer „Arm“ nötig: Rudolph manövrierte sich mit der Fernbedienung zentimetergenau an die Halteschienen des Turms heran. Im Korb des Hubsteigers war es zu eng, um zu zweit arbeiten zu können.
Langer „Arm“ nötig: Dachdeckermeister Konrad Rudolph manövrierte sich mit der Fernbedienung zentimetergenau an die Halteschienen des Turms heran. Im Korb des Hubsteigers war es zu eng, um zu zweit arbeiten zu können. © Dilling, Peter

Seit 25 Jahren sind die beiden wuchtigen Holzschnitte am Turm der Schauenburger Märchenwache das optische Symbol für dieses kulturelle Zentrum, das längst weit über die Grenzen Breitenbachs hinaus bekannt und beliebt ist. In einem Vierteljahrhundert haben aber auch Wind und Wetter an den Bildern gezaust. Zeit für eine Erneuerung.

Schauenburg – Rechtzeitig vor der Feier zum 25-jährigen Bestehen der Märchenwache hat sie nun der Förderverein von einem örtlichen Malerbetrieb runderneuern lassen. Für den Breitenbacher Dachdeckermeister Konrad Rudolph war die Wiederanbringung der Tafeln am Wochenende ein Déjà-vu-Erlebnis: Er hatte sie bereits damals an dem Schlauchturm der ehemaligen Feuerwache befestigt.

Der Künstler Ali Schindehütte, Nestor der Märchenwache, hatte die Holzschnitte in Anlehnung an eine der Geschichten des Breitenbacher Wachtmeisters und früheren Zuträgers Grimmscher Märchen, Friedrich Krause, geschaffen: Es gehe dabei um einen alten Soldaten, der mit seiner Pferdekutsche unterwegs ist, hungrigen Raben begegnet und diesen eines seiner Pferde zum Verspeisen schenkt, erzählt Christian Abendroth, Vorsitzender des Fördervereins.

Vier Hände sind für den Transport nötig: Azubi Elion Schust (links) half seinem Chef Konrad Rudolph, den schweren Holzschnitt am Korb des Hubsteigers zu befestigen.
Vier Hände sind für den Transport nötig: Azubi Elion Schust (links) half seinem Chef Konrad Rudolph, den schweren Holzschnitt am Korb des Hubsteigers zu befestigen. © Peter Dilling

Während die Figuren auf dem Holzschnitt ursprünglich weiß und der Hintergrund schwarz war, wurde die Farbgebung bei der Renovierung umgedreht. Die Raben sind nun schwarz, der Hintergrund glänzt silbrig. Und ein Pferd sticht im Rotton heraus.

Für Dachdecker Rudolph und seinen Azubi Elion Schust gilt es nun, die runderneuerten, 1,7 mal 2,32 Meter großen Tafeln unbeschadet zum Turm hochzuhieven und in die Halteschienen zu schieben. Als „Lift“ dient ein Hubsteiger, an dessen Korb die Holzschnitte an Haken befestigt und mit Gurten gesichert werden. Ein wahrer Kraftakt, denn jeder Holzschnitt wiegt um die 70 Kilo und ist sperrig. Ein Probelauf zeigt: So einfach wird das nicht. Die erste Tafel will nicht in die am Turm befestigten Schienen gleiten. „Wir brauchen Fett, damit es gut schmiert“, sagt Rudolph.

Bald darauf fährt er, bewaffnet mit einer Fettdose und Pinsel, wieder hinauf und zirkelt den Korb des Hubsteigers zentimeterweise an die Aufhängung des etwa zehn Meter hohen Turms heran. Rudolph ruckelt die Tafel in die Metallschiene. Er drückt und schiebt, bis der Holzschnitt locker in die Schienen gleitet. Geschafft. Der Seufzer der Erleichterung ist bis auf die Straße zu hören. Bei der „Premiere“, als noch die Aufnahme am Turm vorher montiert werden musste, habe es noch einen ganzen Tag gedauert, erzählt er. Abendroth zählt den Dachdeckermeister zu den treuen Förderern der Märchenwache. Er arbeite zum Freundschaftspreis.

Das Jubiläumsfest ist für den Förderverein Gelegenheit, glanzvolle Bilanz zu ziehen. Mehrere 100 Veranstaltungen habe die Märchenwache seit ihrer Gründung in Breitenbach und vielen anderen Orten Deutschlands organisiert, berichtet Abendroth. Seine Geschichte wird man bald in einem „Wachbuch“ nachvollziehen können, dass der Künstler Schindehütte, inzwischen 83 Jahre alt, maßgeblich gestaltet hat. Auch finanziell stehe die Märchenwache auf festen Füßen.

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