Detektivarbeit im Dritten Reich

Neuer Roman in der Schauenburger Märchenwache vorgestellt

Die Autoren Kat Menschik und Volker Kutscher präsentierten am Samstag ihren Roman „Mitte“ in der Schauenburger Märchenwache.
+
Die Autoren Kat Menschik und Volker Kutscher präsentierten am Samstag ihren Roman „Mitte“ in der Schauenburger Märchenwache.

Der Beginn des einhundert Seiten langen Romans „Mitte“ von Volker Kutscher ist ein Brief des Geheimen Staatspolizeiamts in Berlin vom 14. August 1936: Gesucht wird per Fahndungsbefehl Friedrich Thormann, der Protagonist der „Erzählung in Briefen“.

Schauenburg – Der Fritz genannte Minderjährige ist von seinen Pflegeeltern abgehauen, da ihn die Gestapo wegen „Verunglimpfung der nationalsozialistischen Bewegung“ zu einer Vernehmung geladen hatte. Als Friedrich Hutzke ist der Flüchtige mit neuem Pass untergetaucht und arbeitet in einer Kohlenhandlung.

Am Samstag präsentierten Volker Kutscher und die Illustratorin Kat Menschik in der Märchenwache in Schauenburg die Geschichte des 15-Jährigen, der im Berlin des beginnenden Nationalsozialismus in einen Kriminalfall verwickelt wird. Aus den hervorragenden Zeichnungen hatte Sascha Moser eine Animation gebaut und bebilderte so die Lesung.

Unglaublich geschickt reiht der Bestsellerautor, dessen Romane Grundlage für die Serie „Babylon Berlin“ waren, die Briefe von Fritz aneinander. Auf diese Art und Weise erzählt Volker Kutscher zum einen von der ersten „politisch unzuverlässigen“ Pflegemutter „Charly“ sowie der Freundin Hannah, die als Jüdin Berlin verlassen musste und schließlich in Breslau im Kaufhaus Wertheim arbeitet.

Weiterhin blättert der Autor dicht und spannend die verketteten Geschehnisse rund um einen Mord auf, dem weitere Morde folgen. Während der Olympiade hatte sich Fritz im „Jugendehrendienst“ um Sportler gekümmert. Im Speisesaal bekam er mit, dass ein amerikanischer Funktionär tot umfiel. Der Mann von Charly hatte als Kommissar in diesem Fall ermittelt. Und starb kurz später in einem Schusswechsel.

Den Arzt, der den Tod des Funktionärs feststellte, fand Fritz im Wald des Olympiageländes. Offenbar hatte er sich erhängt. Zur Stelle war der Wehrmachtssoldat Herbert Rösler, der ihn losschickte, ein Messer zu holen. Eben diesen Rösler trifft Fritz Monate später zufällig wieder und sucht ihn dann Zuhause auf.

Mehr und mehr gerät Fritz als Zeuge in die Zwinge der Morde und versucht mit den beiden Empfängerinnen seiner Briefe die Fakten detektivisch in Zusammenhang zu bringen. Zudem wird Kalle, der ebenfalls in Kohlenhandlung arbeitet, plötzlich von zwei Tonnen Kohle begraben. Es scheint, jemand hat den Schalter der Kipphydraulik ausgelöst.

Während auf der Leinwand der Hund von Hannah in Breslau, ein Stadtplan, Häuserfronten, Porträts, Stempel, Dokumente aus Zeit zu sehen waren, boten Volker Kutscher und Kat Menschik dem Publikum in der Schauenburger Märchenwache mit ihrer Lesung einen tollen, kurzweiligen Abend. (Gesa Esterer)

Volker Kutscher, Kat Menschik: Mitte, Galiani, 128 S., 20 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.