Jahrelange Debatte zwischen Geschichtsverein und Rathaus

Heimatmuseum in Schauenburg endgültig vor dem Aus?

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Frustriertes Duo: Klaus-Bernd Nickel (links) und Christian Abendroth warten auf eine Antwort des Gemeindevorstands zur Zukunft des seit Jahren geschlossenen Heimatmuseums in Hoof (rechts). Beide wurden jüngst als Vorsitzende des Geschichtsvereins bestätigt.

Schauenburg – Dem seit Jahren geschlossenen Heimatmuseum in Hoof droht das endgültige Aus.

Nachdem der Vorschlag des Geschichtsvereins, mit hohen Fördermitteln und einem Betreiberkonzept das Museum wiederzubeleben, im Gemeindeparlament keine Mehrheit gefunden hatte, scheint nun auch der Plan einer „abgespeckten“ Sanierung in nur einem der drei maroden Pavillons an der Grundschule zu scheitern, die Beteiligten sind zerstritten. Der Verein will nun Altbürgermeister Willi Klein als Vermittler einschalten.

Die Fronten zwischen dem Verein und Bürgermeister Michael Plätzer (SPD) sind verhärtet. Während der Verwaltungschef sagt, der Heimatverein habe bei der Betreiber-Konzeption und der Kalkulation der Kosten seine Hausaufgaben nicht gemacht, spricht Christian Abendroth, stellvertretender Vorsitzender des Geschichtsvereins gegenüber der HNA vom Bild einer „aktiven Verhinderungstaktik des Bürgermeisters.“ Für dieses Jahr habe die Förderregion „Casseler Bergland“ noch über 200 000 Euro für Zuschüsse zur Verfügung, sagt Abendroth. Das Geld sei „reserviert“, erklärt der Vorsitzende Klaus-Bernd Nickel. Wenn die Gemeinde keinen Förderantrag stelle, bleibe nur die Auflösung des Vereins. Exponate und Archiv werde man an die Gemeinde zurückgeben. Auf der letzten Mitgliederversammlung habe man beschlossen, die Auflösung des Vereins im Frühherbst auf die Tagesordnung zu setzen.

Die Gemeindeverwaltung hatte ursprünglich den Finanzbedarf für eine „große Lösung“ mit 460 000 Euro deutlich höher als der Verein angesetzt, der mit 270 000 Euro auskommen wollte. Nachdem dieses Projekt gescheitert war, hatte Plätzer – wie er bestätigt – den Verein aufgefordert, ein neues Konzept mit einem Volumen von maximal 80 000 Euro vorzulegen. Dieses habe man in der ersten Aprilwoche auch eingereicht, sagt Abendroth. Bis heute habe der Gemeindevorstand nicht reagiert. Bei einer Pressekonferenz, zu der der Verein den Gemeindevorstand eingeladen hatte, um die neuen Pläne zu präsentieren, saßen Nickel und Abendroth allein da.

Plätzer wies die Kritik gegenüber der HNA zurück. Das Konzept des Vereins sei wie das vorhergehende unzureichend. Es enthalte weder eine klare Kostenberechnung noch eine nachhaltige Personalplanung für den Betrieb des Museums. Es sei auch nicht – wie erforderlich – mit dem Hessischen Museumsverein abgestimmt. Das Projekt müsse über zwölf Jahre erfolgreich laufen. Ansonsten drohten der Gemeinde Rückzahlungsforderungen des Zuschussgebers.

Der Verein widerspricht. Es gebe immer wieder Anfragen von Leuten, die mitarbeiten wollten, sagt Nickel. Aber es fehle die Perspektive „Wir haben alles probiert. Unsere Kraft ist am Ende“, sagt Abendroth.

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