Hessen Forst gestaltet Fläche am Unteren Firnsbachtal nach historischem Vorbild

Hutewald soll Highlight werden

Knorrige Eichen: Die Bäume sind bis zu 280 Jahre alt.
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Knorrige Eichen: Die Bäume sind bis zu 280 Jahre alt. Das Gehölz dazwischen soll ab dieser Woche entfernt werden. Sonst schadet es dem alten Baumbestand.

Rinder weiden auf einer sonnendurchfluteten Hute zwischen 280 Jahre alten, knorrigen, frei stehenden Eichen. Dieses urig-romantische Bild könnte sich Wanderern und Spaziergängern schon bald auf einer 2,6 Hektar großen Waldfläche in Höhe des Gasthauses Unteres Firnsbachtal bieten.

Kassel/Schauenburg – Hessen Forst will mit der Realisierung dieses Vorhabens am Fuße des Habichtswaldes zwischen Schauenburg und Kassel an eine mindestens 100 Jahre alte Tradition anknüpfen. Die Experten der Landesbehörde gehen davon aus, dass der Hutewald auch ein Stück Kulturgeschichte ist, und „dass vermutlich bis zum Zweiten Weltkrieg in diesem Bereich Tiere weideten“, sagen die Förster Rainer Weishaar und Matthias Schnücker. „Schon vor 100 bis 150 Jahren stand hier Vieh auf der Wiese“, vermutet Schnücker. Ganz genau wisse man nicht, wie lange es die Beweidung gab. Deshalb suche man nach geschichtlich Interessierten, die alte Fotos oder Berichte dazu liefern können.

Ab dieser Woche sollen die Vorarbeiten zur Wiederherstellung des Hutewaldes beginnen. Dazu, so die Experten, müsse erst einmal der Harvester anrücken. Das Gehölz rund um die circa 70 alten Eichen müsse entfernt werden. Zwischen den Eichen werde es einen gewissen Kahlschlag geben, kündigt Matthias Schnücker an und wirbt gleichzeitig um Verständnis bei den Bürgern für dieses Vorgehen. Denn das Entfernen kleinerer Bäume und Büsche müsse sein, weil diese den alten Eichen sonst gefährlich werden. Sie nehmen ihnen das Licht. „Die Eiche ist eine Lichtbaumart“, erläutert Schnücker. Wenn diese von anderen Bäumen zu sehr bedrängt werden, „dann sterben sie langsam ab.“ Im Anschluss an den Harvester-Einsatz wird schließlich noch der Boden gemulcht.

Das Hute-Projekt werde insgesamt eine „Bereicherung des Naturparks Habichtswald“, so die Fachleute einhellig. „Das wird ein Highlight werden“, sagt Schnücker, „ein landschaftsästhetisches Highlight.“ Wegen der damit verbundenen Steigerung der Bio-Diversität kämen Naturschutzaspekte ebenfalls nicht zu kurz. Und deshalb werde das Projekt wohl auch aus einem Topf für Biodiversität vom Regierungspräsidium Kassel gefördert. Die genaue Fördersumme stehe aber noch nicht fest.

Wenn die Eichen freistehen, dann werde der Bereich besser von der Sonne erwärmt. „Das ist gut für Insekten“, erklärt der Förster. Auch seltene Pflanzen fühlten sich unter einem Hutewald richtig wohl. Schnücker und Weishaar nennen das Borstgras als Beispiel.

Laut Hessen Forst wird der Abschnitt des Habichtswaldes neben Hirzstein und Firnsbachtal ganz besonders gerne von Erholungssuchenden genutzt. „Es ist der Bereich, der von den meisten Menschen besucht wird“, sagt Schnücker. Das habe eine Handy-Auswertung ergeben.

Das Forstamt Wolfhagen sucht nun Landwirte, die ihre Rinder auf die neue Weide am Firnsbachtal bringen. Laut Matthias Schnücker gibt es bereits mehrere Interessenten. Mit der Viehwirtschaft solle dann im nächsten Frühjahr begonnen werden. Bevor allerdings das erste Rind den frisch gestalteten Hutewald betritt, muss das ganze Vorhaben noch forstrechtlich genehmigt werden. Zuständig sei die Obere Forstbehörde beim Regierungspräsidium.

Interessierte, die Fotos oder Berichte aus der Zeit des früheren Hutewaldes am Unteren Firnsbachtal haben, können sich auch bei der HNA unter der E-Mail kreiskassel@hna.de melden. (Sven Kühling)

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