Eine Familie mit vielen Zwillingen

Im Stammbaum eines Breitenbachers gibt es neun Zwillingspaare

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Bei der Hochzeit seiner Tante in den 1930er-Jahren: Unter dem Brautpaar (Bildmitte) sitzt Hans Friedrich mit einer seiner Cousinen. Rechts neben ihm sitzt sein Großvater und dessen Bruder. Im Hintergrund ist Friedrichs Familie zu sehen, unter anderem seine Eltern und einige ihrer Geschwister.

In Hans Friedrichs Familie gab es seit Mitte des 19. Jahrhunderts neun Zwillingspaare.

Die Urgroßmutter des Breitenbachers, Marie Christine Bonn (geborene Eichel), war drei Mal verheiratet und hatte mit jedem Mann Kinder – die ersten waren jeweils immer ein Zwillingspaar, berichtet Friedrich. Für die damalige Zeit waren so viele Ehen eher ungewöhnlich, „und meine Urgroßmutter galt als schlimme Frau“, sagt der Breitenbacher und lacht. Er selbst hatte auch eine Zwillingsschwester, sie starb allerdings bei der Geburt am 3. März 1930.

Familienfoto: Hans Friedrichs Mutter (von links), seine Urgroßmutter Marie Christine, der Zwillingsbruder seiner Mutter, Friedrichs Großeltern und zwei seiner Tanten.

Friedrich hat die Geschichten der Familie von seinem Großvater erzählt bekommen: „Geh mal zum Opa, hat meine Mutter immer gesagt.“ Die Geschichten hat sich Friedrich teilweise aufgeschrieben, das meiste ist ihm aber im Gedächtnis geblieben. Seine Mutter Louise Friedrich, geborene Wilhelm, hatte selbst auch einen Zwillingsbruder: Martin Wilhelm, beide geboren am 15. Januar 1897. Er starb im Ersten Weltkrieg.

Doch nicht nur seine Mutter war ein Zwilling, auch seine Onkel Johann Ernst Wilhelm und Johannes Wilhelm. Deren Mutter Maria Wilhelm (geborene Hofmann) – also Hans Friedrichs Großmutter – hatte ebenfalls einen Zwilling. Sie waren eines der Zwillingspaare von Friedrichs Urgroßmutter Bonn, die von 1834 bis 1906 lebte.

Hans Friedrich aus Breitenbach. 

Und schon der Bruder von Hans Friedrichs Urgroßvater – Herbold Friedrich – war Zwilling, „allerdings hatten sie an zwei verschiedenen Tagen Geburtstag“. Herbold Friedrich ist am 13. Februar 1857 gegen 22 Uhr geboren, die Zwillingsschwester Elisabeth am 14. Februar 1857 gegen 2 Uhr. Einige der Zwillingskinder starben schon im Kindesalter, teilweise wenige Wochen oder Monate nach der Geburt, berichtet Hans Friedrich. 

Auch die Schwester des heute 89-Jährigen wurde keinen Tag alt, die Mutter litt unter starken Blutungen. Die Geburtsurkunde mit dem Protokoll der Geburt hat Hans Friedrich noch, genau wie viele andere alte Dokumente: Schulhefte, teilweise fast 100 Jahre alt, Urkunden von Vereinen und einen alten Kalender.

Auch Dokumente der Schreinerfirma, die laut dem 89-Jährigen seit mehr als 400 Jahren im Besitz der Familie Friedrich ist, hat der Breitenbacher aufgehoben. Er hat den Schreinereibetrieb bis zuletzt selbst geleitet. „Solange ich weiß, lebe ich in Breitenbach“, sagt er. In den vergangenen 200 Jahren habe es im Ort etwa 130 Kinder gegeben, die den Namen Friedrich trugen.

Geschwister: Hans Friedrichs Mutter (oben links) mit ihren Brüdern Johann Ernst und Johannes (vorn), die Zwillinge sind, und Schwester Anna Kathrina.

Hans Friedrich hat selbst drei Kinder, allerdings keine Zwillinge. Die Schwester seiner Ehefrau allerdings hat 1960 ebenfalls Zwillinge zur Welt gebracht. „Das ist schon etwas Besonderes, so viele Zwillinge in einer Familie“, findet Friedrich.

Genetik kann ein Grund für Mehrlingsgeburt sein

„Es gibt unterschiedliche Gründe für eine Häufung von Zwillingsgeburten“, erklärt Dr. Feriel Amari, Frauenärztin in Fuldatal. Heutzutage sei ein Grund die steigende Anzahl an Paaren, die die Reproduktionsmedizin nutzen. Außerdem steige das Durchschnittsalter der Frauen, die ein Kind gebären. 

In Studien geht es laut Amari aber auch immer wieder um die Frage nach einem Zwillingsgen. Wissenschaftler haben in den Niederlanden, Australien und den USA dazu geforscht: Sie betrachteten das Erbgut von rund 2000 Zwillingsmüttern und verglichen sie mit Müttern, die keine Zwillinge oder eineiige Zwillinge zur Welt brachten. 

Dabei stießen sie auf zwei Genvarianten, die einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, Zwillinge zu bekommen, zu haben scheinen. Eines der Gene spielt bei der Produktion des sogenannten follikelstimulierenden Hormons (FSH) eine Rolle. „Wenn der Hormonspiegel dieses FSH länger erhöht bleibt als üblich, können mehrere Eisprünge gleichzeitig stattfinden“, so Amari. Werden beide befruchtet, kommt es zur Geburt von zweieiigen Zwillingen. 

In ihrer Praxis komme es auch immer wieder vor, dass eine Patientin Zwillinge erwartet und von weiteren Zwillingspaaren in der Familie berichtet – das sei gar nicht so selten. Eine Zwillingsgeburt könne aber nicht nur genetisch erklärt werden, sondern kann weitere Ursachen haben – „oder es ist purer Zufall, das gibt es auch“, so Amari.

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