Die Erinnerung bleibt

In Gedenken an seine Sophie: Ehepaar Lehmann wäre heute 70 Jahre verheiratet

Waren fast 70 Jahre miteinander verheiratet: Sophie und Hans-Joachim Lehmann im Jahr 2019.
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Waren fast 70 Jahre miteinander verheiratet: Sophie und Hans-Joachim Lehmann im Jahr 2019.

„Sophie hatte sich so sehr auf diesen Tag gefreut, heute wären wir 70 Jahre verheiratet gewesen“, sagt Hans-Joachim Lehmann aus Elgershausen.

Schauenburg – „Es wäre die Gnadenhochzeit gewesen, die wir gemeinsam erleben wollten“, fügt er hinzu. „Aber es sollte nicht sein.“ Wenige Tage vor dem Ehejubiläum ist seine Frau Sophie-Susanne gestorben. Was für ein Schlag, was für ein Schmerz. „Es stand zuletzt nicht mehr gut um sie“, berichtet der 92-Jährige, „und so war es auch Erlösung“.

Vom Krankenhaus in die Kurzzeitpflege – „dort sagte sie, ,ich will nur noch nach Hause und sterben’“, fügt er hinzu. Das Schicksal erfüllte seiner Frau ihren letzten Wunsch, „Sophie ist ruhig eingeschlafen“, sagt Hans-Joachim Lehmann.

All das darf auch so in der Zeitung stehen, als kleines Vermächtnis, als Dank des Ehemannes an ein langes gemeinsames Leben mit Sophie, zur Erinnerung an sie, an die mit ihr fast sieben Jahrzehnte währende Ehe, die jetzt so hart und kurz vor dem Jubiläumstag endete. „Ich hatte so sehr gehofft, wollte sie in der nächsten Woche nach Hause holen, wollte ihr über diesen Berg helfen, dass sie es schafft – aber es ging nicht mehr“, sagt der Witwer mit leiser Stimme.

Mehrere Stürze im vergangenen Jahr, Schmerzen, immer mehr gesundheitliche Einbrüche gab es, die seiner 96-jährigen Ehefrau stark zusetzten, all das deutete ja mehr und mehr auf ein doch absehbares Ende ihres Lebens hin, sagt der tapfere alte Herr nachdenklich. „Und wie glücklich sie noch war, im Mai, als unsere Urenkelin Sophie-Claire geboren wurde, ihren Namen bekam, und meine Frau die Kleine in den Armen halten konnte“, fährt er fort, holt die Fotos hervor, die Tränen steigen ihm in die Augen.

Das junge Ehepaar nach der Trauung im Jahr 1951.

Und dann möchte der Witwer doch noch einmal aus den frühen Jahren erzählen. Als er, gebürtiger Paderborner und gelernter Schreiner, und Sophie, aus Birkenbringhausen in Waldeck-Frankenberg stammend, sich an ihrem Geburtstag begegneten. „Unsere Familien kannten sich, unsere Väter waren beide Bahnangestellte“, berichtet Hans-Joachim Lehmann. „Sophie arbeitete als Schneiderin für meine Mutter, die sagte immer zu ihr, Fräulein Riemann, arbeiten Sie ordentlich, sonst können Sie nicht meine Schwiegertochter werden“, erinnert er sich lächelnd. Sophie war fleißig und ordentlich, wurde die Schwiegertochter. Nach der Heirat blieb das junge Paar in Birkenbringhausen, bekam zwei Töchter: Jutta – sie starb 2015 – und Herta.

Der Familienvater wollte beruflich weiterkommen und wechselte 1961 in die Kasseler Justizvollzugsanstalt (JVA). Ein paar Jahre pendelte er, 1967 bezog die Familie eine Dienstwohnung in Kassel, Hans-Joachim Lehmann wurde Ausbildungsleiter und Bereichsleiter. 1979 bezog man das selbst gebaute Haus in Elgershausen.

„Als ich dann in Rente war, gingen wir auf Reisen, das wurde unser liebstes Hobby“, berichtet Hans-Joachim Lehmann. „Kairo, Murmansk, die Azoren, Moskau, Kreuzfahrten auf allen Meeren – ach, wir haben so viel Schönes gesehen“, resümiert er. Als Hobbyfotograf hat er alles auf 40 000 Fotos dokumentiert, die ihn vor allem jetzt an die gemeinsame Zeit erinnern.

„Nun muss ich das Schicksal annehmen, das ist die härteste Anforderung an mich in 70 Ehejahren“, sagt der Witwer. Dabei wird ihn seine Familie unterstützen, zu der auch die Enkel Simone, Karl-Philipp und Katharina zählen. (Sabine Oschmann)

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