Gegen Betrieb im Gewerbegebiet

Protest gegen Betonmischwerk - Elgershäuser haben Petition gestartet

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Rund 40 Elgershäuser brachten vor dem Gelände des geplanten Betonmischwerks (Fläche rechts) ihren Unmut zum Ausdruck.

„Es wird einen Nachteil für unsere Lebensqualität haben“, ist sich Dr. Andreas Witsch sicher. Er meint das geplante Betonmischwerk im Gewerbegebiet Elgershausen.

Um seinen Protest zu zeigen, hat er eine Petition gestartet: „Stoppt das Betonmischwerk in Elgershausen“ heißt sie und richtet sich an Schauenburgs Bürgermeister Michael Plätzer. Bisher gibt es 236 Unterstützende, davon 158 in Schauenburg – für die Quote von 310 zählen jedoch nur die Stimmen der Elgershäuser, sagt Witsch.

„Es ist noch nicht zu spät“, sagt er. Deutlich mehr Lärm und mehr Verkehr sind seine Befürchtungen. Außerdem könne giftiger Betonstaub entstehen, der in das angrenzende Wohngebiet zieht – mit unbekannten Auswirkungen. „Es gibt viele nette mündliche Zusagen, die klingen alle gut“, sagt Witsch – ob sie jedoch auch eingehalten werden, könne sich erst im Laufe der Zeit herausstellen. 

In der Fläche werde mit einer Lärmbelästigung von 65 Dezibel gerechnet, in der Spitze mit 90 Dezibel. Was das genau bedeute, sei noch nicht absehbar – 90 Dezibel entsprechen lautem Schnarchen oder einem Lkw-Fahrgeräusch, 65 Dezibel entsprechen etwa einem lauten Gespräch, einer Schreibmaschine oder einem vorbeifahrenden Auto. Laut Witsch ist erst einmal ein Ein-Schicht-Betrieb geplant – ob das jedoch so bleibt bei einer Nutzungsdauer von 40 Jahren, sei ungewiss.

Witsch und einige weitere Elgershäuser hatten ein Gespräch mit Bürgermeister Michael Plätzer zu dem Thema. Sein Hauptargument seien die zusätzlichen Steuereinnahmen für die Gemeinde gewesen, so Witsch. Man habe die Argumente ausgetauscht und verdeutlicht, dass mit Widerstand zu rechnen ist. „Wir wollen die Aufmerksamkeit steigern und zeigen, dass wir damit nicht einverstanden sind“, so Witsch. 

Hat die Petition ins Leben gerufen: Dr. Andreas Witsch.

Seit eineinhalb Jahren wohnt er mit seiner Familie in Elgershausen – das Gewerbegebiet gab es schon vorher. Doch die Familie hatte nicht damit gerechnet, dass sich dort ein Industrieunternehmen ansiedelt – auch weil es sich explizit nicht um ein Industriegebiet handele. Wie sich der Bau des Betonmischwerks auf die Grundstücks- und Gebäudewerte in Elgershausen auswirke, sei ebenfalls noch nicht absehbar.

Witsch vermutet, dass sich das zusätzliche Verkehrsaufkommen auch auf Baunatal, zum Beispiel auf den Stadtteil Großenritte, auswirken wird. Er hofft, wie einige andere Elgershäuser, dass sich der Bau des Werkes noch verhindern lässt. „Unserem Empfinden nach entsteht dadurch kein Mehrwert“, sagt Witsch in Bezug auf das geplante Werk.

Seine Petition läuft noch sechs Wochen lang, vermutlich wird der Zeitraum laut Witsch noch einmal verlängert. Eine Petition ins Leben zu rufen, war seiner Meinung nach das Beste, was im Augenblick getan werden kann. Er habe bereits viel Dank und Zuspruch erhalten und hofft, dass noch viele weitere sein Anliegen unterstützen.

Info: Die Petition ist im Internet unter zu.hna.de/petitionelgersh zu finden. Außerdem sollen schriftliche Petitionslisten demnächst beim Edeka in Elgershausen und beim Bäcker ausliegen.  

Das sagt der Bürgermeister: „Jedes Gewerbe bringt Belastung mit sich“

„Ich kann die Befürchtungen und Bedenken verstehen“, sagt Schauenburgs Bürgermeister Michael Plätzer, erklärt aber auch, dass sie teilweise unbegründet seien. In der Petition sei von der Gefahr des gesundheitsgefährdenden Betonstaubs die Rede – den werde es auf keinen Fall geben. 

Plätzer erklärt, dass laut Betreiber nicht am Abend oder am Wochenende gearbeitet wird, also in einer Schicht – zumal es sich um ein Gewerbe- und nicht um ein Industriegebiet handele. Das Betonmischwerk passe in die Förderung und den Bebauungsplan, das sei explizit geprüft worden.

„Jedes Gewerbe bringt auch eine Belastung mit sich“, sagt Plätzer – es sei mit etwa 60 Lkw-Bewegungen pro Tag zu rechnen. Diese würden allerdings die Umgehungsstraße nutzen und nicht durch Elgershausen hindurchfahren. Plätzer sieht es als Vorteil, dass sich ein großer, leistungsstarker Gewerbetreibender ansiedeln möchte. 

Wie hoch die Einnahmen durch die Gewerbesteuer sein werden, könne man jetzt noch nicht sagen, aber nach der Erhöhung der Hebesätze 2017 habe es die Forderung gegeben, für eine Ansiedlung von Gewerben zu sorgen. Das werde nun umgesetzt. „Der Betreiber ist sehr bemüht, die Anlage so zu bauen, dass sie möglichst wenig Lärm macht“, so der Bürgermeister.

Eine Petition werde er zur Kenntnis nehmen und prüfen. Der Bauantrag des Unternehmens befinde sich derzeit noch in Bearbeitung.

Gewerbeverein Schauenburg begrüßt Betonmischwerk

Wir unterstützen die Pläne zum Betonwerk zu hundert Prozent“, sagt Jens-Peter Ginsberg, Vorsitzender des Schauenburger Gewerbevereins. Er habe mit dem Geschäftsführer der Firma gesprochen und die Pläne gesehen. Demnach werde viel für den Schutz der Anwohner getan, man könne „alle Befürchtungen ad acta legen“, so Ginsberg. Es sei beispielsweise ein begrünter Wall vorgesehen, als zusätzlicher Schutz. 

Für andere Schauenburger Betriebe ergäben sich durch die Ansiedlung auch Synergieeffekte, von denen sie profitieren könnten. Auch wenn das Wort Betonwerk für viele erst einmal nach Lärm und Schmutz klinge, entsteht laut Ginsberg den Plänen zufolge ein hochmodernes Werk.

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