Geld bei Bremer Bank angelegt

Schauenburg bangt um eine Million Euro - Geldanlage bei Greensill

Mitarbeiter des Schauenburger Rathauses haben vergangenen Sommer eine Million Euro bei der Bremer Greensill Bank angelegt. Die Bankenaufsicht Bafin hat jetzt wegen „drohender Überschuldung“ ein Moratorium gegen die Bank angeordnet.
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Mitarbeiter des Schauenburger Rathauses haben vergangenen Sommer eine Million Euro bei der Bremer Greensill Bank angelegt. Die Bankenaufsicht Bafin hat jetzt wegen „drohender Überschuldung“ ein Moratorium gegen die Bank angeordnet.

Auch die Gemeinde Schauenburg im Landkreis Kassel ist von den Ereignissen um die schlingernde Bremer Greensill Bank betroffen. Ihr könnten eine Million Euro verloren gehen.

Schauenburg – Die Kommune habe im vergangenen Sommer insgesamt eine Million Euro bei dem Geldinstitut angelegt, berichtet Bürgermeister Michael Plätzer gegenüber der HNA. Nach dem Einschreiten der Bankenaufsicht Bafin mit anschließender Schließung der Bank drohe, dass das Geld für Schauenburg verloren geht. Im vergangenen Sommer hatte die Gemeinde laut Bürgermeister Michael Plätzer zwei Mal 500.000 Euro bei Greensill angelegt. Dabei habe man sich an die Anlagenrichtlinie des Landes Hessen gehalten, so Plätzer.

Wie in der Richtlinie festgelegt, habe sich die Kommune zusätzlich von einem Finanzdienstleister beraten lassen. Am vergangenen Dienstag habe dieser Dienstleister die Gemeinde über Probleme bei Greensill informiert. Wir haben sofort versucht, das Geld zurückzuholen“, sagt Plätzer. Doch diese Bemühungen scheiterten. Weder das Beratungsunternehmen noch die Bank selbst habe auf Schreiben des Rathauses reagiert, berichtet Plätzer.

Inzwischen hat die Bankenaufsicht Bafin wegen „drohender Überschuldung“ ein Moratorium gegen die Greensill Bank angeordnet und das Unternehmen damit für Kundengeschäfte geschlossen.

Laut Plätzer sind insgesamt 58 Kommunen in Deutschland betroffen. Schauenburg sei die Kommune, die die geringste Summe angelegt habe. Einige Städte und Gemeinden sind offenbar mit zweistelligen Millionenbeträgen betroffen, dem Vernehmen nach etwa Monheim am Rhein mit einer Summe von 38 Millionen Euro.

Nach Einschätzung des Schauenburger Bürgermeisters haben Privatanleger gute Chancen, ihr Geld zurückzubekommen. Die Summen seien über eine Einlagensicherung sowie den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken gesichert. Für alle Kommunen zusammen gebe es eine Absicherung über lediglich 100.000 Euro.

Da werde für Schauenburg wohl nur ein geringer Prozentsatz übrig bleiben, so der Sozialdemokrat. Der Bürgermeister hat nach eigenen Angaben inzwischen den Gemeindevorstand und den Ältestenrat über den drohenden Verlust des Geldes informiert. Außerdem nimmt Plätzer auf der Internetseite der Gemeinde Stellung zu den Vorfällen.

Am 2. März habe der Finanzberater der Gemeinde angezeigt, dass das Ranking für die Bank, bei der das Geld angelegt wurde, sich verschlechtert habe, erläutert der Bürgermeister. „Die in der Anlagenrichtlinie getroffenen Festlegungen wurden unterschritten. Auf diese Meldung hat die Gemeinde sofort mit der schriftlichen Rückforderung der eingelegten Geldbeträge reagiert.“

Informiert habe das Rathaus zusätzlich die Kommunalaufsicht beim Landkreis, so Plätzer. Diese habe ihm bestätigt, mit der Auswahl der Bremer Bank keinen Fehler begangen zu haben. Das bestätigt auch Landkreissprecher Harald Kühlborn auf Anfrage. Es hätten jedenfalls seitens der Bafin zuvor keine Hinweise auf Probleme mit dem Bremer Institut gegeben. Plätzer sagt: „Die Bank war uns immer als seriös dargestellt worden.“

Das Rathaus hat inzwischen eine auf Bankenrecht spezialisierte Anwaltskanzlei aus Kassel mit der Wahrnehmung der Interessen beauftragt. Untersucht werde auch, so Plätzer, ob der von der Gemeinde beauftragte Finanzdienstleister nicht für den Schaden aufkommen müsse. (Sven Kühling)

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