Klimawandel ist zu spüren 

Erdbeer-Saison: Ernte fällt dieses Jahr wegen Trockenheit schlechter aus

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Nur eine Handvoll: Claudia Bauer kann in diesem Sommer nur wenige Erdbeeren auf ihren Feldern ernten. Sie macht die Trockenheit des vergangenen Sommers für die schlechte Ernte verantwortlich.

Schauenburg Die Gärtnerei Bauer erntet in diesem Jahr wenige Erdbeeren. Schuld ist die Trockenheit im vergangenen Sommer. Den Klimawandel macht Claudia Bauer nicht nur am geringen Regen fest. 

Tropische Hitze, kaum Regen und Sonne ohne Ende: Der vergangene Sommer hat seine Spuren hinterlassen – auch auf den Erdbeerfeldern der Gärtnerei Bauer in Schauenburg. Denn die Ernte fällt in diesem Jahr schlecht aus. Schuld ist die Trockenheit im vergangenen Sommer, sagt Claudia Bauer von der Gärtnerei.

Zwischen Mitte Mai und Mitte August sei kein einziger Regentropfen auf die Erdbeerfelder gefallen. Die Regenwolken aus dem Westen zogen laut Bauer ab dem Mittelgebirgszug Langenberg entweder über den Habichtswald Richtung Kassel oder in den Süden nach Baunatal. Aus anderen Himmelsrichtungen tauchten keine Regenwolken auf, so Bauer.

Zwei der drei Erdbeerfelder bringen in diesem Jahr keinen Ertrag. Auf einer rund 10  000 Quadratmeter großen Fläche sind die süßen Früchte vertrocknet oder konnten im letzten Jahr nicht angepflanzt werden. Die Ernte reduziert sich in diesem Sommer auf eine 2500 Quadratmeter große Fläche.

Die Felder zu bewässern ist nicht ökologisch

Die Felder zu bewässern, sei sinnlos. Die Gärtnerei hat keinen Grundwasser-Anschluss. „Und mit Leitungswasser wässern wir unsere Felder nicht. Das wäre zu teuer und nicht ökologisch. Wir sind dem Wetter also hilflos ausgeliefert“, sagt die 57-Jährige.

Erdbeerpflanzen wachsen in der Regel über mehrere Jahre. Deswegen wirkt sich die Trockenheit des vergangenen Sommers auf die diesjährige Ernte aus. Bei vielen Getreidesorten ist das anders. Sie zählen zu den einjährigen Pflanzen. „Um die Getreide-Ernten im Landkreis sieht es ordentlich aus. Wichtig ist, dass es in den nächsten Woche immer mal wieder regnet“, sagt Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer beim Kreisbauernverband Kassel.

Eigentlich können Kunden in jedem Jahr die Erdbeeren auf den Feldern der Gärtnerei Bauer selbst pflücken. Das geht in diesem Sommer nicht. Die wenigen Früchte, die nicht vertrocknet sind, erntet die Familie Bauer für den Hofladen. Dort können Kunden die Erdbeeren kaufen.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

"So schlimm war es noch nie"

Seit Jahrzehnten sei noch nie ein so großer Teil der Ernte weggebrochen. „So schlimm war es noch nicht“, sagt Bauer. Auch die zwei Himbeer-Hecken mit einer Länge von rund 100 Meter tragen keine Früchte. Denn benachbarte Eschen am öffentlichen Straßenrand hätten mit ihren langen Wurzeln das wenige Wasser im Bereich der Himbeersträucher entzogen.

Auch die Obstplantage Klemme in Grebenstein-Schachten hatte im letzten Sommer mit der Trockenheit zu kämpfen. „Aber wir können in diesem Jahr trotzdem eine gute Ernte einfahren“, sagt Manuel Klemme von der Obstplantage. Die Felder befinden sich unter anderem bei Calden, Kaufungen und Baunatal.

Auch Stefan Friedrich wartete im vergangenen Jahr vergeblich auf Regen für seine Erdbeerfelder bei Lohfelden. Doch die Trockenheit hat sich nicht auf die diesjährige Ernte ausgewirkt. „Wir haben keine Probleme“, sagt Friedrich.

Die Gärtnerei Bauer spürt den Klimawandel ganz konkret

Die Gärtnerei Bauer spüre den Klimawandel ganz konkret. Das macht Bauer auch an den veränderten Erntezeiten fest. In den letzten 40 Jahren habe sich die Erdbeer-Ernte verschoben – von Ende Juni auf Ende Mai. 

Das veränderte Klima könne sie auch an der jährlichen Tomaten-Ernte ablesen. „Um 1990 mussten wir die Tomaten im Gewächshaus Mitte September extra beheizen, damit sie nicht erfrieren. Heute ernten wir noch im November – ohne Heizung.“ Auch die meisten Obstsorten würden früher im Jahr reifen. Bauer wünscht sich für diesen Sommer viel Regen. „Damit in der nächsten Saison wieder viele Erdbeeren auf unseren Feldern wachsen.“

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