„Nur einen Auftrag im Dezember“

17-Jähriger aus Schauenburg macht auf Lage der Veranstaltungstechnik-Azubis aufmerksam

Der Schauenburger Tom Müller hat mit einer Lichtinstallation an Silvester auf die Situation der Veranstaltungsbranche aufmerksam gemacht.
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Der Schauenburger Tom Müller hat mit einer Lichtinstallation an Silvester auf die Situation der Veranstaltungsbranche aufmerksam gemacht.

Dass es die Veranstaltungsbranche derzeit sehr schwer hat, ist weithin bekannt. Doch wie geht es eigentlich den Auszubildenden in dem Bereich?

Schauenburg – Tom Müller aus Schauenburg-Hoof kann davon berichten: Er ist derzeit im ersten Lehrjahr und absolviert seine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik bei der Auditiv GmbH, ein Veranstaltungstechnik-Dienstleister in Kassel.

Der 17-Jährige hat seine Ausbildung im August 2020 begonnen – also fünf Monate nach Beginn der Coronakrise. „Mein Chef hat gesagt, er nimmt mich trotzdem“, sagt Tom Müller, was ihn sehr erleichtert habe. Im August habe es auch noch ein paar Aufträge gegeben, beispielsweise bei Kongressen und einigen Sitzungen, aber inzwischen sei fast alles weggebrochen. „Wir hatten einen Auftrag im Dezember, das ist schon traurig“, berichtet der Schauenburger.

Die Veranstaltungstechnik ist Tom Müllers absolute Leidenschaft – bereits als Kind habe er sich irgendwann lieber mit Technik und Mischpulten beschäftigt, als mit Bausteinen, berichtet seine Mutter. Er ist in seiner Freizeit auch als DJ aktiv und hat dadurch einiges an Vorwissen mit in die Ausbildung gebracht. Das Tolle an dem Beruf sei das Ergebnis, also wenn Ton, Licht und der gesamte Bühnenaufbau am Ende eine Einheit bilden – Arbeit, die bei Veranstaltungen wie Festivals enorm wichtig ist, für das Publikum aber kaum sichtbar wird.

„Normalerweise gibt es im Sommer viele Aufträge, die Kisten gehen rein und raus“, sagt der 17-Jährige. Im Februar 2019 hat er bereits ein Praktikum bei der Kasseler Veranstaltungsfirma absolviert – selbst da sei mehr los gewesen als im Sommer 2020. Das Betriebsklima sei trotzdem normal, auch wenn alle darauf hoffen, dass sie bald wieder normal arbeiten können. „Ich habe momentan eine 10- bis 15-Stunden-Woche“, sagt Tom Müller, der sich darauf freut, wenn er wieder normal arbeiten kann.

Tom Müller macht seinen Beruf mit Leidenschaft.

Derzeit schaue er sich die Geräte wie Ton- und Lichtpulte genau an, um deren Eigenschaften und Funktionsweisen besser kennenzulernen, außerdem werde die Technik kontrolliert – „aber man muss das in der Praxis nutzen“, sagt der Auszubildende, nur so lerne man alles richtig.

Der Berufsschulunterricht an der Oskar-von-Miller-Schule habe zunächst normal stattgefunden, dann teils online und teils präsent. In dem Bussen hin und zurück ist es laut Tom Müller trotzdem immer sehr voll. „Ein Schüler musste schon gehen“, sagt er – der Ausbildungsbetrieb habe Insolvenz angemeldet. Zudem sei der Berufsschuljahrgang deutlich kleiner als sonst: Normalerweise gebe es etwa 30 Schüler, diesmal seien es 9.

Um auf die prekäre Lage der Branche aufmerksam zu machen, hatte sich Tom Müller für den Jahreswechsel etwas Besonderes überlegt: Er veranstaltete in Hoof eine Licht-Show mit Technik aus seinem Ausbildungsbetrieb, die ihm sein Chef Karsten Fahlbusch zur Verfügung stellte und die er in einer dreistündigen Aktion mit seinem Kollegen Simon Pietsch aufbaute. Viele Schauenburger hätten das Spektakel bewundert, „sogar aus Großenritte haben mir Leute geschrieben“, berichtet Tom Müller, der sich die Aktion auch von der Gemeinde Schauenburg genehmigen ließ.

In der Veranstaltungsbranche bestehe die Hoffnung, dass sich die Situation bis zum Sommer verbessert und dann viele Veranstaltungen nachgeholt werden – damit Tom Müller seiner Leidenschaft wieder nachgehen und seine Ausbildung mit genug Praxiserfahrung abschließen kann. (Lara Thiele)

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