Schauenburgerin macht grüne Politik

Stephanie Flaherty-Klapp kandidiert als erste Deutsche im irischen Galway

Kandidiert für die Grünen in Irland: Die gebürtige Schauenburgerin Stephanie Flaherty-Klapp will Mitglied im Gemeinderat in Galway werden.
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Kandidiert für die Grünen in Irland: Die gebürtige Schauenburgerin Stephanie Flaherty-Klapp will Mitglied im Gemeinderat in Galway werden.

Stephanie Flaherty-Klapp kommt aus Schauenburg und will jetzt die Politik der Grünen in Irland mitbestimmen. Doch nicht immer stand sie auf deren Seite.

Galway/Schauenburg – Eigentlich ist die „Grüne Insel“ nicht besonders grün – zumindest politisch betrachtet. In Irland ist die Green Party (Grüne Partei) zwar seit 2020 an der Regierung beteiligt. Sie hat aber in den vergangenen drei Jahrzehnten bei Parlamentswahlen nur einstellige Ergebnisse eingefahren. Damit grüne Politik in dem eher konservativen EU-Staat populärer wird, will Stephanie Flaherty-Klapp sich politisch engagieren.

Die gebürtige Schauenburgerin ist fest entschlossen, grüne Politik in ihrer Wahlheimat voranzutreiben. Sollte ihr Vorhaben gelingen, wäre sie die erste Deutsche in einem irischen Gemeinderat (council city).

Die 43-Jährige will bei den nächsten city elections in zwei Jahren für die Green Party in der Küstenstadt Galway im Westen von Irland antreten. „Wir haben hier Tausende Migranten, aber keine Vertreter in der Politik“, sagt Flaherty-Klapp. Das möchte sie ändern. Und: Sie will sich für den Erhalt der Artenvielfalt und der Wasserqualität einsetzten. Die sieht die Pädagogin durch die vielen Lachsfarmen an der Küste vor Galway bedroht. Beim Parteitag der Grünen habe sie ihr Anliegen bereits vorgetragen und große Zustimmung erhalten. „Die Lizenzen für die Käfige werden jetzt geprüft und vielleicht sogar entzogen.“ Wichtig sei, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, den es bislang außerhalb von Dublin faktisch nicht gebe.

Lange vor der Wahl geht es los: Flaherty-Klapp wirbt um Stimmen in Irland

Damit es mit einem Sitz im Parlament auch tatsächlich klappt, hat der Wahlkampf für Flaherty-Klapp bereits begonnen. In Irland sei es üblich, sich schon lange vor den Wahlen zu profilieren. Dass sie für den Gemeinderat kandidieren darf, habe sie überrascht. „Ich bin von den Grünen gefragt worden, mein Migrationshintergrund war dabei überhaupt kein Thema“, sagt Flaherty-Klapp, die sich schon lange in Irland politisch engagiert. Fünf Jahre lang war sie bei der umstrittenen republikanischen Partei Sinn Féin aktiv.

Da sei sie nach der Scheidung von ihrem Mann so reingerutscht. Sie habe „ein Vakuum zu füllen“ gehabt und sei sehr schnell von der Partei eingenommen worden. Sinn Féin gilt bis heute als verlängerter Arm der IRA, die von Großbritannien als Terrororganisation eingestuft wird. So richtig akzeptiert worden sei sie als Deutsche bei Sinn Féin allerdings nie, sagt Flaherty-Klapp rückblickend. Für ein politisches Amt habe sie nicht kandidieren dürfen.

Von umstrittenem Politiker fasziniert: Flaherty-Klapp glaubt verführt worden zu sein

Doch wie konnte sie sich so lange dieser Partei zugehörig fühlen? Insbesondere der umstrittene Politiker Gerry Adams, den sie selbst mehrfach traf, habe sie fasziniert. „Ich habe mich von der Rhetorik verführen lassen“, gesteht sie. Später habe sie sich genauer mit den Gräueltaten der IRA auseinandergesetzt und festgestellt, dass Sinn Féin populistisch ist. „Die kritisieren die Regierung, machen aber keine Lösungsvorschläge.“ Das – und der Umgang mit ihr als Migrantin – habe sie schließlich zur Abkehr bewegt. In der Folge seien viele vermeintliche Freundschaften im Umfeld der Partei zerbrochen. Rückblickend sagt Flaherty-Klapp: „Das waren keine Freunde, Freundschaften müssen Meinungsvielfalt aushalten.“

Stephanie Flaherty-Klapp wohnt jetzt im irischen Galway.

Bei den Grünen sei das schon „ein ganz anderer Diskurs“ und den will sie nun mit ihren potenziellen Wählern führen. Kürzlich sei sie deshalb dem örtlichen Hurling-Verein beigetreten. Hurling ist ein Mannschaftssport keltischen Ursprungs, der mit Schlägern und einem Ball gespielt wird. „Ich bin aber nur passives Mitglied“, sagt Flaherty-Klapp, die früher schon bei der grünen Jugend in Hessen aktiv war.

Um noch mehr Menschen in ihrer irischen Wahlheimat für Umwelt- und Klimaschutz zu begeistern, will die 43-Jährige künftig mit ihrem neuen Fahrrad über die Insel fahren – das gehöre für eine grüne Politikerin einfach dazu. Auf ihren VW Käfer, Baujahr 1973, könne sie aus nostalgischen Gründen zwar nicht ganz verzichten, aber das gute Stück würde sie ohnehin nur zu besonderen Gelegenheiten ausfahren. (Alia Shuhaiber)

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