Schauenburgerin schenkt mit Mantra-Mützen Kraft: „Krankheit ist auch eine Chance“

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Näht Mantra-Mützen für ihre Freunde: Carmen Werner aus Elgershausen. Die bunte Mütze im Vordergrund mit einem roten Rand war ihre erste Mütze, die sie für sich selbst genäht hat.

Schauenburg. In unserer Rubrik stellen wir„Heimliche Helden“ aus der Region vor. Heute ist es Carmen Werner aus Schauenburg.

Vor einem Jahr änderte sich das Leben von Carmen Werner aus Schauenburg-Elgershausen schlagartig: Die 50-Jährige erkrankte an Brustkrebs. Die Krankheit fiel bei einer Routineuntersuchung auf – „Ich musste von heute auf morgen alles absagen“, berichtet die selbstständige Beraterin und Trainerin, die bis dato in ganz Deutschland beruflich unterwegs war.

Während ihrer Chemotherapie-Behandlung verwendete Werner eine sogenannte Kühlkappe: Sie soll verhindern, dass einem die Haare ausfallen erklärt Werner. Durch die Therapie und die teilweise trotzdem entstandenen Kahlstellen auf ihrem Kopf fror sie ständig und nähte sich deshalb aus einem alten Rock und einem Kaschmir-Pullover eine Mütze – nach und nach entstanden weitere. Da Werners Freunden die Mützen so gut gefielen, nähte sie immer mehr, stickte gute Wünsche ein – sogenannte Mantren – und verschenkte sie. So entstanden ihre Mantra-Mützen.

Mut, Kraft, Lebensfreude: Diese Mantras stickt Carmen Werner in die Innenseiten der Mützen. Auf dem Foto hat sie unter anderem das Wort „Liebe“ gestickt.

In ihren eigenen Mützen sind keine Mantras eingestickt – Werner meditierte während ihrer Behandlung jeden Morgen und tut es immer noch, das gab und gibt ihr Kraft. Angefangen hat die Idee mit den Mantra-Mützen, als ein Freund mit Leukämie nach einer Knochenmarkstransplantation in Quarantäne lag. Inzwischen verschenkt Werner die personalisierten Mützen in ihrem gesamten Freundeskreis – an alle, die Kraft brauchen und eine schwere Zeit durchmachen. 

Jede Mütze ist individuell und enthält andere Mantras, die sie in die Innenseite stickt: „Es sind Dinge, die ich den Menschen mitgeben möchte, wie Mut, Vertrauen, Liebe, Dankbarkeit“, sagt die Elgershäuserin. Für sich selbst näht Werner die Mützen, weil sie sie braucht – noch immer schmerzt ihr Kopf aufgrund der Kühlkappe. „Viele gekaufte fand ich einfach hässlich und teuer.“ Eine Perücke wollte sie nicht, auch wenn Werners Tochter ihr sogar anbot, ihre eigenen Haare abschneiden zu lassen und sie für eine Echthaarperücke zu spenden. „Das hat mich sehr gerührt.“

Doch nicht nur bei Freunden, auch im Elisabeth-Krankenhaus in Kassel, wo Werner behandelt wurde, kamen die Mützen gut an: „Wenn meine Mütze jemandem gefiel, habe ich sie teilweise vom Kopf weg verschenkt.“ Ein wichtiger Gedanke dabei ist für sie das Upcycling, also alte Kleidungsstücke wiederzuverwenden, auch wenn sie teilweise Stoff dazukauft. Genäht hat Werner bereits als Jugendliche – sie wollte eine Schneiderlehre machen, hat sich dann aber doch für eine Ausbildung bei der Bank entschieden: „Beim Nähen kommt mein kreativer, handwerklicher Teil zum Ausdruck.“

Werner hat die Chemotherapie hinter sich und bekommt derzeit noch eine Behandlung mit Antikörpern. Danach folgt eine fünfjährige Behandlung mit Tabletten. Während ihrer Chemotherapie-Behandlung trug sie fast dauerhaft die Mützen und kaufte sich eine große Brille – da einige Haare dank der Kältekappe erhalten geblieben waren und die große Brille versteckte, dass sie keine Augenbrauen mehr hatte, „das sah mir man nicht an“.

Auch wenn Werner noch nicht ganz geheilt ist und oft sowohl psychisch als auch physisch am Ende ihrer Kräfte war, resümiert sie: „Ich bin gut durch die Zeit gekommen.“ Geholfen haben ihr die morgendlichen Mediationen und andere Dinge zusätzlich zur klassischen Schulmedizin, zum Beispiel ein Barfußpfad im Garten und morgendliches Ölziehen, wobei man Öl nach dem Aufstehen im Mund bewegt und es so Giftstoffe aufnimmt.

Seit rund einem Monat arbeitet Werner wieder, leitete bereits einen Workshop in Stuttgart, hat sich aber insgesamt zurückgenommen. „Ich habe nach elf Monaten Pause bei weitem noch nicht die Energie wie zuvor.“ Trotz all der schlimmen Dinge, die der Brustkrebs mit sich gebracht hat, kann Carmen Werner eines sagen: „Ich habe gelernt, dass die Krankheit auch eine Chance ist.“

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