Gemeinde hat Kooperationsvertrag mit Deutsche Glasfaser unterzeichnet

Schnelles Internet für Schauenburg? Es kommt auf die Bürger an

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Die Deutsche Glasfaser legt Glasfaserkabel für schnelles Internet bis in jede Wohnung: Unser Bild zeigt farbig markierte Leerrohre, durch die dann die Glasfasern geblasen werden. Die farbige Ummantelung erleichtert die Orientierung bei der Verlegung.

Schauenburg könnte schon bald schnelles Internet bekommen. Durch einen Kooperationsvertrag mit Deutsche Glasfaser hat die Gemeinde dafür den Grundstein gelegt. Ob es tatsächlich zum Ausbau kommt, hängt nun an den Bürgern.

Die Akquise hat begonnen. Am Dienstag findet in Schauenburg die erste von fünf Infoveranstaltungen zum Thema Glasfaser statt. Die Gemeinde hat einen Kooperationsvertrag mit dem Unternehmen Deutsche Glasfaser unterzeichnet, um den privatwirtschaftlichen Ausbau von Highspeed-Internetanschlüssen für alle Ortsteile zu realisieren.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich bis zum 17. Dezember mindestens 40 Prozent aller Haushalte in Schauenburg für einen Glasfaseranschluss entscheiden und einen Vertrag mit Deutsche Glasfaser abschließen.

Warum müssen sich die Haushalte in Schauenburg bis Mitte Dezember für einen Internet-Anschluss bei der Deutschen Glasfaser entschieden haben?

Das zählt zum Marketingkonzept des Unternehmens. Die Deutsche Glasfaser muss sich einer Mindest-Kundenzahl sicher sein, damit sich ihre Millionen-Investition in ein Glasfasernetz überhaupt lohnt. So müssen mindestens 40 Prozent aller Haushalte einen Internet-Vertrag mit der Deutschen Glasfaser noch vor dem ersten Spatenstich abgeschlossen haben – sonst baut die Deutsche Glasfaser nicht.

Welche Vorteile haben diejenigen, die sich bis zum 17. Dezember für einen Anschluss entscheiden?

Die Schauenburger haben bis zum 17. Dezember Zeit, die 40-Prozent-Marke zu erreichen. Grundsätzlich gilt: Jeder Neukunde bekommt innerhalb dieser Akquisephase als Gegenleistung seinen Glasfaseranschluss für einen Baukostenzuschuss von 70 Euro. Kunden, die sich erst danach für die Deutsche Glasfaser entscheiden, werden für ihren Anschluss 750 bis 2000 Euro zahlen müssen.

Was ist an einem Glasfaseranschluss eigentlich so toll?

Die Deutsche Glasfaser baut Glasfasernetze, die bis jeweils in die einzelnen Häuser hineinreichen. Diese Technik ermöglicht Datenraten von bis zu 1000 MBit pro Sekunde beim Herunterlanden (Download) und 500 MBit pro Sekunde beim Abschicken von Daten (Upload). Diese Technik nennt sich FTTH (engl. Fibre To The Home, dt. Faser bis ins Haus), sie entspricht inzwischen dem internationalen Standard.

Auch die Breitband Nordhessen verbaut aktuell in weiten Teilen des Landkreises Glasfasertechnik. Doch führen diese Kabel immer nur bis zu den Verteilerkästen am Straßenrand (FTTC, engl. Fibre To The Curb, dt. Faser bis zum Bordstein). Damit können ohne Hilfstechnik (VDSL-Vectoring) lediglich Datenraten von 30 MBit pro Sekunde garantiert werden, weil die letzte Meile vom Kabelverzweiger zum Haus immer noch ein Kupferkabel bleibt.

Noch schlechter funktionieren Funklösungen, wie sie etwa von ACO in den Schauenburger Ortsteilen Breitenbach, Elmshagen und Martinhagen angeboten werden.

Müssen Vorgärten aufgerissen werden, um das Glasfaserkabel bis ins Haus zu legen?

Nein. Beim Verlegen der Glasfaserkabel werden moderne Verfahren angewendet, die ein Aufreißen des Bodens überflüssig machen. Das Kabel wird vom Bürgersteig aus unterirdisch Richtung Haus „geschossen“. Dabei handelt es sich um einen mit Luftdruck angetriebenen Verdrängungshammer. Gegebenenfalls muss nur eine kleine Zielgrube direkt an der Hauswand ausgehoben werden. Die notwendige Bohrung durch die Hauswand erfolgt vom Keller oder Erdgeschoss aus. Die Hauseinführung wird wasserdicht versiegelt.

Und was passiert auf den Straßen und den Gehwegen?

Auch hier werden moderne Verfahren angewendet, um große, lange offenstehende Baulöcher auf Gehwegen und Straßen zu vermeiden. Zur Anwendung kommen in der Regel das Spülbohr- und Fräsverfahren. Beim Spülbohrverfahren wird der Kanal für das Glasfaserkabel unterirdisch über weite Strecken mit einer speziellen Maschine gebohrt, beim Fräsverfahren wird ein nur schmaler und wenig tiefer Graben in den Gehweg gefräst, in den dann das Kabel eingelegt wird.

In der Regel kann solch eine Baustelle noch am gleichen Tag wieder geschlossen werden.

Und was muss technisch im Haus gemacht werden?

Im Haus selbst wird das durch die Wand geführte Glasfaserkabel zunächst an einen kleinen weißen Kasten, den sogenannten Hausübergabepunkt, angeschlossen. Von dort aus geht es via Glasfaserkabel weiter zum sogenannten Netzabschluss. Dieses kleine Gerät, für das ein 230-Volt-Stromanschluss notwendig ist, wird maximal 20 Meter vom Hausübergabepunkt entfernt an einer idealen Stelle im Haus – wie im Wohnzimmer hinterm Sofa – installiert. All diese Arbeiten erledigt ein von der Deutschen Glasfaser beauftragter Techniker.

Zuletzt fehlt noch der sogenannte Router, der mit einem Lan-Kabel mit dem Netzabschluss verbunden wird. Hier können eigene Router oder die Geräte von der Deutschen Glasfaser verwendet werden. Der Router versorgt alle internetfähigen Endgeräte im Haus (Computer, Handy, etc.) mit den schnellen Internetdaten.

Was müssen Interessierte tun, um einen Glasfaseranschluss zu bekommen?

Einfach einen Vertrag mit der Deutsche Glasfaser abschließen. Alles andere erledigt das Unternehmen – die Kündigung des Telefonvertrages, die Übernahme der Telefonnummer sowie die Anschlussfertigstellung und -aktivierung. Wenn es noch einen zweiten Internetvertrag gibt, muss dieser vom Kunden selbst gekündigt werden – natürlich erst zum richtigen Zeitpunkt.

Ab wann kann das schnelle Netz genutzt werden?

Kommt die Deutsche Glasfaser in Schauenburg bis zum 17. Dezember auf ihre geforderte Anschlussquote von 40 Prozent, wird sie voraussichtlich im Sommer 2020 mit dem Ausbau fertig sein.

Übersicht über die Tarife der Deutschen Glasfaser.

Die Infoveranstaltungen

Die Kundenakquise von Deutsche Glasfaser startet am Dienstag (Anmeldungen sind nicht erforderlich): 

• Hoof: Dienstag, 30. Oktober, 19 Uhr in der Schuenburghalle 

• Elgershausen: Mittwoch, 31. Oktober, 19 Uhr im Elgerhaus 

• Martinhagen: Dienstag, 6. November, 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Martinhagen 

• Breitenbach: Mittwoch, 7. November, 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Breitenbach 

• Elmshagen: Donnerstag, 8. November, 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Elmshagen 

Außerdem wird es in den kommenden Wochen Informationsstände geben: ab Samstag, 3. November, jeweils donnerstags und freitags von 14 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr am Edeka Elgershausen, Großenritter Straße 8, und am Rewe Hoof, Pfingstweide 4.

Hintergrund: Deutsche Glasfaser ist junges Unternehmen

Die 2011 gegründete Deutsche Glasfaser mit Sitz in Borken ist eine Unternehmensgruppe, die ihren Ursprung in der niederländischen Investmentgesellschaft Reggeborgh hat. Zu ihr zählte auch die Firma Reggefiber, mit 2,5 Millionen realisierten Glasfaseranschlüssen bis heute ein großer Netzwerkakteur in den Niederlanden. Seit Mitte 2015 arbeitet die Deutsche Glasfaser mit dem internationalen Investor KKR (Kohlberg Kravis Roberts) zusammen. Die Erfahrungen aus den Niederlanden nutzt die Deutsche Glasfaser nun für ihren Breitbandausbau in Deutschland. 

Bisher hat die Unternehmensgruppe 185 000 Glasfaseranschlüsse mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen realisiert. 2018 sollen es nach Unternehmensangaben 400 000 sein. Tatsächlich hat die Deutsche Glasfaser neben Schauenburg auch schon mit Espenau, Immenhausen und Reinhardshagen im Landkreis Kassel entsprechende Verträge abgeschlossen.

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