Firnsbachtal bleibt außen vor

Schnelles Netz in Schauenburg - aber vorerst nicht für alle

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Warten auf den Glasfaser-Anschluss: Karsten (47, links), Christoph (20) und Claudia Spangenberg (48) können nicht gleichzeitig surfen.

Die gute Nachricht kam am 18. Dezember: Ganz Schauenburg erhält Ende nächsten Jahres schnelles Internet. Wirklich ganz Schauenburg? Nein, zumindest vorerst nicht.

Das Firnsbachtal ist neben anderen der Gemeinde zugehörigen Randgebieten „im ersten Schritt nicht im Anbauplan vorgesehen“, sagt Lennart Götte, Projektleiter der Deutschen Glasfaser in Schauenburg. Aber: „Es wird Gespräche zwischen der Gemeinde und der Deutschen Glasfaser geben, ob man eine Option schaffen kann, abgelegenere Gebiete wie das Firnsbachtal an das Netz anzuschließen.“

Sicher sei das aber noch nicht. Die Hürden für einen Anschluss entlegenerer Gebiete sind sowohl technischer als auch wirtschaftlicher Natur. „Ob das Firnsbachtal angeschlossen wird oder nicht, hängt unter anderem von den Leitungswegen und der Nachfrage ab“, sagt Götte. Anders als bei denjenigen, die sich in Elgershausen, Hoof, Breitenbach, Martinhagen und Elmshagen während oder nach der Akquisephase für einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser entschieden haben, wäre ein Anschluss in entlegeneren Gebieten definitiv mit einem Baukostenzuschuss der Kunden verbunden.

Eine der leidtragenden wäre in dem Fall Claudia Spangenberg. Die 48-jährige HNA-Zustellerin wohnt mit ihrer Familie im Firnsbachtal. Sie habe sich zunächst über das Angebot der Deutschen Glasfaser gefreut. „Klasse, dass auch wir am Wald angeschlossen werden“, habe sie damals gedacht. Der Vertrag liegt ausgefüllt bei ihr zu Hause. Doch nach einem Gespräch mit dem Anbieter wurde klar, dass das Angebot nicht für ihren Ortsteil gilt. Und so wurde der Vertrag nie abgeschickt.

Sechs bis acht Mbit pro Sekunde beträgt die Datenübertragungsrate im Haus der Familie Spangenberg, sagt Vater Karsten. Zu Stoßzeiten, wenn alle Anwohner ihrer Straße im Internet sind, nutzten sie lieber das Handy als den Computer. Deshalb hätten sie Handyverträge mit zehn Gigabyte Datenvolumen abgeschlossen. „Bis ich am Computer eine E-Mail schreiben kann, ist eine halbe Stunde vergangen“, sagt Claudia Spangenberg. Youtube-Videos seien nur mit Unterbrechungen zu sehen. Besonders eng wird es, wenn ihr 20-jähriger Sohn Christopher Online-Spiele spielt. Leider hängt er dabei oft hinter dem Spielgeschehen hinterher, weil seine Mitspieler schnelleres Internet haben, sagt er. Wenn es wieder hakt, gehe er ins Wohnzimmer und bitte seine Eltern aus dem Internet zu gehen. Kauft er sich ein neues Spiel, müsse er zwei bis vier Tage auf den Download warten. Viele ihrer Nachbarn im Firnsbachtal seien ebenfalls an einem Vertrag mit der Deutschen Glasfaser interessiert, sagt Claudia Spangenberg. „Besonders die Schüler werden das in Zukunft brauchen.“

Schauenburgs Bürgermeister Michael Plätzer will sich dafür stark machen, dass neben dem Unteren Firnsbachtal auch das Torhaus in Elmshagen und der Steinbruch in Breitenbach an das Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen werden. Versprechen kann er aber nichts. „Es geht um 40 Anschlusspunkte“, erklärt der Verwaltungschef. Die Planungen für den Glasfaserausbau sollen nach den Weihnachtferien beginnen. „Dann werden wir gucken, ob und wie wir die Randgebiete anschließen können.“

Scheitern könnte das Vorhaben in manchen Bereichen allerdings an den immensen Kosten. Denn ein Kilometer Glasfaser kostet laut Plätzer zwischen 80.000 und 100.000 Euro.

Und so bleibt es eine Hängepartie für Claudia Spangenberg und ihre Familie, ob die gute Nachricht auch für sie gilt.

Von Maik Dessauer, Kim Henneking und Alia Shuhaiber

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