Schauenburger will Pflegekräfte entlasten

Sein Roboter bringt die Medikamente

Selbstfahrender Helfer auf drei Rädern: Finn Holzhauer mit seinem ersten selbstgebauten Service-Roboter. „TransPod“. Eine kleinere Version (rechts) hat er schon in Vorbereitung.
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Selbstfahrender Helfer auf drei Rädern: Finn Holzhauer mit seinem ersten selbstgebauten Service-Roboter. „TransPod“. Eine kleinere Version (rechts) hat er schon in Vorbereitung.

Menschen in der Pflege und im Service in Restaurants Wege ersparen, das ist die Vision des Elgershäuser Studenten Finn Noah Holzhauer.

Schauenburg/Kassel – In Zimmer elf des Pflegeheims sind die Hygiene-Artikel ausgegangen. Ein paar Räume weiter möchte eine Seniorin ein zusätzliches Kissen. Nebenan müssen eine verschmutzte Decke ausgetauscht und einer bettlägerigen Frau das Essen gebracht werden. Und dann sollen auch noch Medikamente ergänzt werden. Viele Schritte für das Pflegepersonal, die man ihm mit einem selbstfahrenden Roboter-Kollegen ersparen könnte.

Die erste Etappe hat er mit Unterstützung des Schülerforschungszentrums Nordhessen (SFN) schon geschafft: Beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ hat er mit seinem Projekt einen zweiten Platz belegt und zudem den Sonderpreis „Innovation für Menschen mit Behinderung“ des Vereins Christoffel-Blindenmission Deutschland gewonnen.

Holzhauers erstes Modell kommt wie ein dreirädriger Servier-Wagen daher. Der heute 19-Jährige hat ihn aus Holzplatten und Alu-Profilen, Rasenmäher-Rädern und einer Industrierolle selbst gebaut. An der Unterseite des Wagens hat er Infrarotsensoren angebracht, die es dem Gefährt ermöglichen, anhand von Markierungen und Linien auf dem Boden seinen Weg zu finden. Auch die Software, mit der man dem Roboter Befehle erteilt, hat er selbst geschrieben.

„Mir ist die Idee bei einem Restaurantbesuch gekommen“, sagt der ehemalige Schüler der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel, der drei Jahre an seinem Projekt gearbeitet hat – selbst in der heißen Phase der Abitur-Prüfungen. Während des Wartens auf das Essen habe er beobachtet, wie häufig die Servicekräfte hin und herlaufen mussten. „Ich dachte mir, da kann man ihnen doch einen Teil der Rennerei ersparen“, sagt Holzhauer, der inzwischen Wirtschaftsingenieurwissenschaften an der Universität Kassel studiert.

Während seiner Vorarbeiten zum Bau des Roboters habe er nicht nur die Laufwege von Servicekräften beäugt, sondern auch Mitarbeiter von Pflegeheimen nach ihrer täglichen Belastung gefragt. Der Arbeitsdruck von beiden Arbeitnehmergruppen sei hoch, das Personal gerade wegen der Pandemie knapp, sagt Holzhauer, der seit der fünften Klasse in seiner Freizeit im SFN forscht. Sein erstes Modell habe er 35 Kilometer im SFN fahren lassen.

Als nächstes will der 19-Jährige, der seine Freizeit mit Rettungsschwimmen bei der DLRG Baunatal und mit Musizieren verbringt, seinem Servier-Roboter „beibringen“, wie man vor Hindernissen stoppt, oder ihnen ausweicht. Obendrein will er die Anwendungssoftware benutzerfreundlicher gestalten. Ziel sei es, einen Service-Roboter zu entwickeln, der finanziell erschwinglich und aufgrund seiner Modulbauweise leicht auf neue Aufgaben eingestellt werde könne.

Einen bestimmten Berufswunsch habe er nicht, sagt der Elgershäuser. Wichtig sei ihm, dass man mit Erfindungen Menschen konkret helfen könne. Er würde sich freuen, wenn er aus der Pflege- oder Gastronomiebranche Anregungen erhalte und die Möglichkeit, seinen Roboter im Alltagsbetrieb zu testen.

Von Peter Dilling

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