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Karen Duve stellte neuen Roman über Sisi in der Schauenburger Märchenwache vor

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Von: Hanna Maiterth

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Karen Duve beim Signieren ihres Buches nach der Lesung in Schauenburg.
Karen Duve beim Signieren ihres Buches nach der Lesung in Schauenburg. © Hanna Maiterth

Knapp 50 Zuhörer waren dabei, als Autorin Karen Duve in der Schauenburger Märchenwache aus ihrem neuen Roman „Sisi“ las. In dem Buch geht es um die Kaiserin von Österreich-Ungarn als erwachsene, fast 40-jährige Frau.

Schauenburg – „Es ist nicht mehr der süße Sisi-Fratz, der eine Liebeshochzeit mit Franz Joseph eingegangen ist“, erklärte Karen Duve in der Märchenwache in Schauenburg. Die Autorin aus der märkischen Schweiz stellte am Freitag ihren neuen Roman „Sisi“ vor. Im Mittelpunkt: die Kaiserin von Österreich-Ungarn, aber die erwachsene, beinahe 40-jährige Elisabeth. Knapp 50 Zuhörer zog es dafür in die Märchenwache. Sie erlebten eine Sisi, die als hervorragende Reiterin bei der Jagd ungestüm auf dem Pferd davonpreschte. Sie erhielten Einblicke in das Leben einer Frau, die scheinbar alles hatte. Sie war mit dem begehrtesten Junggesellen verheiratet, galt als schönste Frau und besaß Geld im Überfluss. Doch Karen Duve zeigte auch die desillusionierte, kreuzunglückliche Frau, die mit dem Reiten und ihren Reisen etwas gefunden hatte, das sie aus ihrem Trübsinn rausriss.

Sie zeigte die teils grausame Kaiserin. Die ihren Sohn ausschloss, weil er nicht zu den besten Reitern gehörte. Alles ganz anders als in den Ernst-Marischka-Filmen mit Romy Schneider als „Sissi“.

Trotzdem sei der Roman keine Demontage, so Duve, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einer Märchen-Ikone. Das liege daran, dass es nun um die erwachsene Kaiserin ginge. Eine Frau der Extreme. „Sie war nicht nur eine schöne Frau, sie war die Schönste. Sie war nicht nur eine gute Reiterin, sie war die Beste“, erklärte die Autorin, die nicht zum ersten Mal Gast in der Märchenwache war. „Der Roman ist also eine Vervollständigung, eine Ergänzung.“

„Eigentlich wollte ich über Pferde schreiben“, sagte Duve, die 2017 für ihren Roman „Macht“ den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor erhalten hat. Geplant war ein Buch über einen historischen Reitmeister. Bei ihren Recherchen stieß sie aber immer wieder auf Sisi. „Ich wusste nicht, dass sie so gut reiten konnte.“ Weil sie zudem auch als Person interessanter als die alten Reitmeister gewesen sei, entschied sich Duve für die Kaiserin. „Ich war begeistert, wie unheimlich gut ihr Privatleben dokumentiert war.“ Die Autorin vertiefte sich in den vergangenen Jahren in das Leben der Kaiserin von Österreich-Ungarn. „Vier Jahre mit Sisi zu tun haben, ist aber auch wie Gehirnwäsche“, erzählte sie schmunzelnd.

Duve recherchierte Briefe und Tagebücher und konstruierte ein Leben, wie es so oder so ähnlich passiert sein konnte. Teils gingen die Erklärungen in den Augenzeugenberichten auseinander. „Manchmal habe ich mich für eine Quelle entschieden, einfach weil sie mir plausibel erschien.“

Natürlich bleibe ein Teil immer Spekulation. „Ich war schließlich nicht dabei. Deshalb steht auch Roman auf dem Buch.“ Aber die einzelnen Passagen, so die Autorin, entsprächen zu 90 Prozent der Realität. (Hanna Maiterth)

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