Nach 25 Jahren ist Schluss

Stoffhaus Gänseblümchen in Elgershausen schließt zum Jahresende

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Schließt ihr Stoffgeschäft: Heike Kahl, staatlich anerkannte Modegestalterin, will sich künftig auf andere Dinge konzentrieren.

Bei Heike Kahl im Geschäft Gänseblümchen gibt es alles rund ums Nähen. Doch nur noch bis Weihnachten, denn Ende des Jahres schließt sie ihren Laden in Schauenburg-Elgershausen.

Schauenburg – Begonnen hatte alles vor 25 Jahren: Kahl startete in einem kleinen Geschäft und nähte Kinderbekleidung. „Meine Mutter hat mir anfangs viel geholfen“, berichtet die 52-Jährige. Nach fünf Jahren zog sie in die Räume an der Korbacher Straße und hatte nun deutlich mehr Platz, zum Beispiel auch für Nähkurse. Seitdem bietet sie auch eine Damenkollektion an. „Ich nähe die Sachen selbst und verkaufe sie dann“, sagt Kahl. Es gibt aber auch Modelle und Schnitte zum Nachnähen. Wer möchte, kann sich bei ihr Kleidung maßschneidern lassen.

Zwischenzeitlich hatte die staatlich anerkannte Modegestalterin drei Mitarbeiterinnen. Inzwischen ist es noch eine, die allerdings nicht böse darum sei, dass der Laden schließt: Die Aushilfskraft sei Oma und könne sich nun mehr um die Enkel kümmern. „So ist mir die Geschäftsaufgabe natürlich leichter gefallen“, sagt Kahl.

Sie erklärt, dass die Selbstständigkeit sie in den vergangenen Jahren sehr gefordert habe – die Erklärung „selbst und ständig“ passe genau. Deshalb hat sie sich aus eigenen Stücken dazu entschieden, den Laden aufzugeben. „Ich möchte andere Dinge tun“, sagt sie, zum Beispiel malen und kunsthandwerklich tätig werden. Zum „Austoben“ hat sie sich ein Jahr als Frist gesetzt, in dem sie sich einfach ausprobieren und reisen kann.

Kahl erklärt, dass die Kundenbindung sehr groß sei, unter anderem auch dank der Nähkurse – teilweise seien daraus Freundschaften entstanden und ihr Laden wurde zu einem sozialen Treffpunkt. „Sie sind aus allen Wolken gefallen, als sie davon gehört haben, dass ich schließe.“ Wenn sie erklärt, warum sie den Schritt geht, hätten jedoch alle Verständnis, auch wenn sie es sehr bedauern. Künftig wird es keine Nähkurse mehr geben und auch keine Anfertigungen, die sie zu Hause erledigt – Kahl möchte sich vollkommen auf etwas Neues konzentrieren. Die Ware in ihrem Laden hat sie stark reduziert und hofft, den Großteil loszuwerden. Was übrig ist, möchte sie vermutlich spenden.

Die Hooferin behält ihre halbe Stelle am Staatstheater Kassel, auch als finanzielle Absicherung. Zudem näht sie spezielle Eurythmie-Bekleidung, zum Beispiel für die Waldorfschule – eine Nische, die sie für sich entdeckt hat. „Ich bleibe dem Nähen verbunden“, ist sich Kahl sicher. Ihr Geschäft schließt sie – trotz der freiwilligen Entscheidung – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Manche Kunden haben mich die ganzen 25 Jahre lang begleitet. Kinder, für die ich damals Sachen genäht habe, kommen nun mit ihren eigenen Kindern zu mir.“

Service: Bis Weihnachten hat Kahl ihr Geschäft noch dienstags bis freitags von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Tel. 05601/5136

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