Tätowiererin aus Schauenburg übersticht Narben und tätowiert Krebskranken neue Brustwarzen

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Birgit Lessing übersticht in mehreren Sitzungen die Narben und Dehnungsstreifen von Sebastian Schreiner aus Würzburg.

Birgit Lessing aus Schauenburg tätowiert Menschen nach Brustoperationen neue Brustwarzen und übersticht Narben. 

Schauenburg – Frauen, die an Brustkrebs erkranken und operiert werden müssen, verlieren dabei häufig ihre Brustwarzen. Teilweise werden diese wieder nachgebildet, haben dann aber trotzdem nicht das Aussehen wie vorher – diese Veränderung belastet viele Patientinnen emotional. In solchen Fällen ist Birgit Lessing aus Schauenburg-Elgershausen die richtige Ansprechpartnerin: Die Tätowiererin sorgt dafür, dass die Brustwarze wieder eine natürliche Farbe erhält – dadurch hilft sie erkrankten Frauen dabei, sich wieder weiblicher zu fühlen.

So sehen Brustwarzen-Tätowierungen aus.

„Das ist für viele eine große Erleichterung“, sagt Lessing, die auch unter ihrem Künstlernamen Cat bekannt ist. In ihrem gleichnamigen Tattoostudio in Elgershausen, das es seit 1990 gibt, nimmt die 56-Jährige sogenannte Brustwarzen-Repigmentierungen vor. Unterstützt wird sie von ihren Mitarbeiterinnen Christiane Draeger und Tochter Sarah Lessing.

Doch nicht nur nach Brustkrebserkrankungen kommen Frauen zu Birgit Lessing, auch wenn durch eine Brustvergrößerung oder -verkleinerung die Brustwarzen zu groß, zu klein oder unregelmäßig geworden sind. Die Tätowiererin berichtet, dass sie von Selbsthilfegruppen und Ärzten, wie beispielsweise Prof. Dr. Ernst Magnus Noah, weiterempfohlen wird. Inzwischen habe sie ein Netzwerk an Medizinern aufgebaut, zu dem auch der Hautarzt Dr. Stefan Füller gehört – nichtsdestotrotz könne sie keine medizinische Behandlung ersetzen, sondern ergänze diese, betont sie.

Diese Kundin von Birgit Lessing hatte einen Fixateur am Bein und wollte, dass die Löcher überdeckt werden.

Die Brustwarzen-Repigmentierung werde inzwischen in fast allen Fällen von der Krankenkasse erstattet – auch wenn es laut Lessing schon oft ein Kampf war, die Bezahlung genehmigt zu bekommen. Die Preise variieren je nach Anzahl der Sitzung, die Behandlung startet bei etwa 250 Euro. „Frauen fühlen sich nach der Brust-Operation oft sowieso schon nicht so attraktiv“, berichtet Lessing – da könnten Brustwarzen-Tattoos sehr helfen. Es gebe keine Garantie auf ein gutes Ergebnis, aber in mehr als 90 Prozent der Fälle sei nicht mehr wahrnehmbar, dass es sich um ein Tattoo handelt.

Die Schauenburgerin tätowiert aber nicht nur Brustwarzen, sondern überdeckt auch Narben mithilfe von Tattoos. „Es gibt nur wenige, die sich darauf spezialisieren“, sagt Lessing – Menschen aus ganz Deutschland kämen inzwischen zu ihr. Narbengewebe sei schwieriger zu tätowieren als gesunde Haut: Es stehe teilweise unter Spannung, oft gebe es Verwachsungen oder Erhebungen. „Es fühlt sich an, als würde man durch einen Widerstand tätowieren“, erklärt Lessing. Sie habe viel Erfahrung in dem Bereich, Kurse in den USA und bei einer Heilpraktikerin belegt. „Ich bin bemüht, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben“, sagt sie.

Diese Kundin von Birgit Lessing hatte einen Fixateur am Bein und wollte, dass die Löcher überdeckt werden.

Das Tätowieren von Narben sei nicht immer einfach: Manche Menschen verbinden diese mit den Schmerzen eines Unfalls oder von Gewalt. Wenn Lessing die Narben berührt, komme manchmal das Erlebte wieder hoch.

Sie berichtet von einer jungen Frau, die nach einem schweren Unfall im Auto eingeklemmt war und von einem Feuerwehrmann aus der zersplitterten Scheibe gezogen wurde, weil der Wagen zu explodieren drohte. Dadurch sei der ganze Körper voller Narben. Diese hat Lessing am Arm der Kundin als Kirschzweige in das Tattoo eingearbeitet, um sie so bestmöglich zu überdecken.

Manche Kunden berichteten ihr von einer positiven Entwicklung der Narbe dank des Tätowierens: Teilweise werde die Narbe dadurch flacher oder spanne weniger. Dafür gebe es keine Garantie, aber viele hätten ihr diese Rückmeldung gegeben. „Es sind viel Wissen und Erfahrungen nötig, um auf Narben zu tätowieren“, betont Lessing – ein Tattoo sei wie eine Schürfwunde, gehe aber nicht so tief in die Hauschichten wie eine Narbe. Deshalb empfiehlt sie, sich einen Experten zu suchen, der sich damit ganz genau auskennt.

Kontakt: Tattoostudio Cat, Korbacher Straße 17 in Schauenburg, Tel. 05601/5699, info@tattoo-cat.de

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