In allen 46 Anklagepunkten für schuldig befunden

Wegen seiner Spielsucht: 27-jähriger Schauenburger nutzte jahrelang Frauen aus

Über Jahre hinweg nutzte er mindestens zwei Frauen emotional und finanziell aus. Nun wurde ein 27-Jähriger aus Schauenburg vom Landgericht Kassel verurteilt.

Die Strafe hätte höher ausfallen können, sagte Richter Gert Rinninsland am Ende des Prozesses gegen den 27-jährigen Schauenburger am Dienstag vor der 11. Strafkammer des Kasseler Landgerichts. Da war der Angeklagte gerade wegen gewerbsmäßigen Betruges in 39 Fällen, Bedrohung in vier Fällen, Körperverletzung in zwei Fällen und Nötigung in einem Fall für schuldig befunden worden. 

Das Strafmaß: Zwei Jahre Haft, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden. Hinzu kommen etwa 11 500 Euro, die der Mann den beiden Betrugsopfern, die als Zeuginnen auftraten, zahlen muss. Warum der Schauenburger einer höheren Strafe und damit dem Gefängnis entging? Er war nicht vorbestraft und hatte die Taten weitgehend gestanden.

Was war passiert? Zwischen Februar 2015 und März 2017 hatte der Angeklagte teilweise parallel Beziehungen mit einer heute 24-jährigen Baunatalerin und einer heute 34-jährigen Naumburgerin geführt. Mehrmals pro Woche hatte er sich von seinen Freundinnen Geld geliehen – mal geringfügige Beträge von 50 Euro, mal mehrere hundert Euro. Während er beide glauben ließ, er befände sich in einer Notlage und dass er das Geld sicher zurückzahle, finanzierte er davon in Wahrheit seine damalige Automatenspielsucht. Von der Baunatalerin erhielt er so insgesamt rund 19 000 Euro, von der Naumburgerin rund 28 000 Euro.

Verurteilter drohte seinen Partnerinnen 

Verweigerten die Frauen ihm die vermeintliche Leihe, sei er aggressiv geworden, wie beide vor Gericht aussagten. Auch zu Handgreiflichkeiten – Schläge und Tritte – sei es gekommen. Zumindest gegenüber der 24-Jährigen räumte der Angeklagte dies ein. Sie habe ihm während eines Streits im Auto ins Lenkrad gegriffen – „dann hat sie eine bekommen“.

Chatverläufe, die auszugsweise während der Verhandlung vorgelesen wurden, belegten zudem, dass der Angeklagte den beiden Frauen mehrmals drohte, sie umzubringen, würden sie sich von ihm abwenden. 

Die 34-Jährige, die angab, von dem Angeklagten ein Kind bekommen zu haben, warf ihm zudem vor, sie bei ihrer ersten Verabredung Mitte 2015 physisch zum Oralverkehr in seinem Auto genötigt und erst nach mehrmaliger Verweigerung von ihr abgelassen zu haben. Auch die 24-Jährige gab an, solche Erfahrungen während ihrer Beziehung mit dem Angeklagten gemacht zu haben.

Freundinnen verbündeten sich gegen ihren Ex-Partner

Im März 2017 hatte die ältere der beiden Frauen schließlich Kontakt zur jüngeren aufgenommen, die nichts von dem Beziehungsdoppelleben des Angeklagten wusste. Den jahrelangen Betrug an ihnen realisierend, beschlossen sie, gemeinsam Anzeige gegen ihren Ex zu erstatten.

Warum sie zuvor immer wieder zu ihm zurückgegangen waren und ihm Geld gegeben hatten? Psychischer und emotionaler Druck, die Angst vor dem Verlust der Beziehung und der Glaube, den sie dem Angeklagten schenkten – das gaben sie als Gründe vor Gericht an. Mit dem Urteil entsprach das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte in sämtlichen Betrugsfällen Freispruch gefordert.

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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