Drei und vier Jahre Haft 

Schläge und Messerstiche: Zwei Baunataler nach gewalttätigen Überfällen zu Gefängnisstrafen verurteilt 

Ein 20-Jähriger und ein 21-Jähriger aus Baunatal hatten im März mehrere Jugendliche überfallen und bedroht. Auf einen stachen sie mehrmals mit einem Messer ein. Jetzt wurden sie vom Landgericht Kassel verurteilt. 

Der 21-jährige Täter wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, davon zwei in einer Entzugsanstalt aufgrund einer Drogensucht. Der 20-Jährige muss für drei Jahre in die Jugendstrafanstalt. Er wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Das Duo hatte im März in vier Fällen Jugendliche in Baunatal überfallen und sie mit Messern bedroht, gewürgt, geschlagen und in einem Fall einem jungen Mann mit dem Messer in Brust und Becken gestochen. Bei den Taten erbeuteten sie Geld und eine Musikbox. „Wir reden hier von schweren Gewalttaten, die Gewaltbereitschaft der jungen Männer nahm von Tat zu Tat zu“, sagte Staatsanwältin Dr. Kaiser bei der Verhandlung am Montag. Richter Jürgen Dreyer bestätigte sie darin.

Schwere Verletzungen, Angstzustände und Traumata der Opfer hätten sie billigend in Kauf genommen. Diese Einschätzung verdeutlichte die Strafkammer um Richter Jürgen Dreyer mit dem Urteil. Jeder habe seine genaue Rolle gehabt, die Taten seien exakt geplant gewesen. Die Täter zeigten sich bei der Verhandlung vor dem Landgericht einsichtig. „Ich bedauere, was passiert ist und will mein Leben in den Griff bekommen“, sagte der 21-Jährige, der seit März in U-Haft sitzt. Was sich für ihn positiv auswirkte: Er zeigte sich kooperativ und wirkte bei der Aufklärung der Taten mit, bilanzierte die Staatsanwaltschaft. Hinter dem 21-Jährigen liegt eine Zeit geprägt von Alkohol- und Drogensucht. In der Hochphase habe er drei Flaschen Vodka am Tag getrunken.

Auch bei den Taten im März waren die beiden Baunataler stark alkoholisiert. Das griff auch der 20-jährige Mittäter bei der Verhandlung auf: „Ich bin schockiert, was Alkohol mit einem macht“, zeigte er vor Gericht Reue. Zu Beginn der Ermittlungen nur als Gehilfe wahrgenommen, entpuppte er sich im weiteren Verlauf als Mittäter. „Die Taten wären ohne ihn nicht möglich gewesen“, fasste es Dr. Kaiser zusammen. Auch er habe die Opfer bei den Überfällen mit dem Messer bedroht – und agierte nicht nur im Hintergrund, wie er es anfangs schilderte. Eine Gutachterin analysierte: „Er hat keine Regeln, er macht seine eigenen.“ Außerdem fehle ihm jegliche Empathie. Schon in der Jugend war der 20-Jährige durch Gewalt gegen Lehrer und Betreuer auffällig geworden. Aufgrund seines Alters und – wie es das Gericht einschätzte – fehlender erwachsener Entwicklung, verurteilte ihn das Gericht nach Jugendstrafrecht.

Während die Schuldfrage in den ersten beiden Fällen schnell geklärt war, gestaltete sich die Tat, bei der Ende März ein junger Mann mit Messerstichen verletzt worden war, undurchsichtiger. Obwohl die Verteidigung von Provokation und Notwehr sprach, wertete die Staatsanwaltschaft die Tat als schwere Körperverletzung, bei der eine tödliche Folge billigend in Kauf genommen wurde. Das Gericht betonte bei der Urteilsverkündung, dass es sich nicht um Notwehr handelte.

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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