Viele nutzen bislang private Rechner

Schulleiter im Landkreis Kassel befürworten Dienst-Laptops für Lehrer

Schüler sitzen in einem Klassenzimmer vor einem Laptop.
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Wenn alle Lehrer Laptops erhalten, würde das digitale Lernen in Schulen erheblich vereinfacht – darin sind sich die befragten Schulleiter im Landkreis Kassel einig. Das Bild ist ein Symbolfoto.

Damit die Digitalisierung an Schulen schneller voranschreitet, sollen Lehrer nun schnellstmöglich Dienst-Laptops erhalten. Wir haben an Landkreisschulen nachgefragt, wie der Vorschlag zu bewerten ist.

Herderschule

„Der PC ist ein Muss und kein freiwilliges Instrument“, sagt Stefan Alsenz, Leiter der Herderschule – eine gymnasiale Oberstufenschule des Landkreises Kassel. Die Computer dienten als Arbeitsgerät und seien eigentlich längst überfällig – in Firmen stelle der Arbeitgeber den Mitarbeitern schließlich auch einen zur Verfügung. Der Laptop für Lehrer ersetzt laut Alsenz nicht die Rechner im Unterrichtsraum.

Mit der Anschaffung von Laptops gingen Fragen des Datenschutzes einher, die noch geklärt werden müssten. Außerdem bleibe offen, wie es nach der Anschaffung weitergeht, also ob beispielsweise regelmäßig eine Aktualisierung der Geräte stattfindet. Alsenz kann sich vorstellen, dass es über eine Einmalzahlung an die Lehrer läuft und diese dann davon ein Gerät anschaffen, das sie selbst beziehungsweise die Schule als sinnvoll erachten. Es gebe an der Herderschule eine gute Infrastruktur, „wir haben W-Lan im ganzen Haus“, so der Schulleiter.

Lichtenberg-Schule

„Grundsätzlich bewerte ich das positiv“, sagt Stefan Hermes, Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule – wie die Herderschule eine gymnasiale Oberstufenschule des Landkreises. „Ich würde mir wünschen, dass nicht in Einheitsverfahren Geräte angeschafft werden, sagt er – jede Schule habe andere Voraussetzungen, und die Geräte müssten zu der bereits angeschafften Infrastruktur passen. An der Lichtenberg-Schule sind Windows-Notebooks laut Hermes nicht sinnvoll, weil die Räume auf ein anderes Betriebssystem ausgerichtet seien.

Er spricht sich auch für die Idee aus, den Lehrern beziehungsweise den Schulen das Geld zur Verfügung zu stellen und dass dann individuell über die Geräteanschaffung entschieden wird. Die Klassenräume seien so ausgestattet, „dass wir die digitale Technik nutzen können“, sagt Hermes – Luft nach oben gebe es immer.

IGS Kaufungen

Prinzipiell ist die Anschaffung von Laptops für Lehrer ein positiver Schritt, findet Christine Saure, Leiterin der Integrierten Gesamtschule Kaufungen (IGS). „Ich würde Tablets bevorzugen, damit ist man flexibler als Lehrkraft“, findet sie. Digitale Endgeräte seien dringend vonnöten, weil bisher digitaler Unterricht oft mithilfe der Privatgeräte stattgefunden habe. Den Vorstoß von Bund und Ländern erachtet Saure als ein Anfang, der allerdings noch nicht ausreiche: Die Schulen müssten auch mit W-Lan ausgestattet werden, das gebe es an der IGS Kaufungen etwa noch nicht. Das müsse auch so ausgelegt sein, dass es die rund 900 Schüler gleichzeitig nutzen können.

Eine einheitliche technische Ausstattung hält Saure für wichtig. Zudem könne durch die Digitalisierung Geld gespart werden: Es gebe bereits digitale Schulbücher, beispielsweise einen Atlas mit interaktiven Elementen. Viele Schulen seien in manchen Bereichen noch nicht in der Lage, den Schülern einen ansprechenden digitalen Unterricht zu bieten – „das sind wir ihnen schuldig“, findet Saure. Schließlich bräuchten sie das für ihr späteres Berufsleben, worauf die Schule vorbereiten soll.

Grundschule in Fuldatal

Auch Daniel Giese, Leiter der Grundschule Fuldatal-Simmershausen, spricht sich für Dienst-Laptops für alle Lehrer aus. Der Distanzunterricht während Corona, zu dem es auch jetzt immer wieder noch einmal kommen kann, sei unabhängig von der Schulform und betreffe auch Grundschulen. Die Lehrer hätten bislang für digitalen Unterricht oft ihre privaten Rechner genutzt. Hinzu kommt laut Giese, dass kaum eine Grundschule mit W-Lan ausgestattet ist, dabei sei es auch die Aufgabe einer Grundschule, Kinder auf digitales Arbeiten vorzubereiten. „Es gibt da tolle Projekte“, sagt Giese, beispielsweise zum spielerischen Programmieren, etwa in Kooperation mit der Universität Kassel.

Derzeit 6500 Geräte an Schulen im Landkreis Kassel

Der Landkreis Kassel als Schulträger muss die EDV-Infrastruktur zur Verfügung stellen, um die Nutzbarkeit zu gewährleisten, so Landkreissprecher Harald Kühlborn. Die Grünen-Fraktion im Kreistag hatte kürzlich eine Anfrage zur digitalen Ausstattung an Schulen gestellt (wir berichteten). Aus der Antwort des Kreises ging hervor, dass es aktuell rund 6500 Endgeräte an den Schulen gibt – also Computer, Notebooks und Tablets. Rund 3100 weitere Tablets sollen „in Kürze“ ergänzt werden. Wenn alle Lehrer mit mobilen Geräten ausgestattet werden, erhöhe sich die Zahl auf etwa 12.000.

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