Doppelter Zaun

Schweinepest: Für Hobbyhalter gelten strenge Regeln wegen Tierseuchen

Diese Wollschweine erblickten vor einigen Wochen in Zierenberg das Licht der Welt: Auch für Hobbyhalter gelten wegen der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest strengere Vorschriften.
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Diese Wollschweine erblickten vor einigen Wochen in Zierenberg das Licht der Welt: Auch für Hobbyhalter gelten wegen der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest strengere Vorschriften.

Mit der weiteren Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest rücken auch die Hobbyhalter im Landkreis Kassel in den Blick.

Kreis Kassel – „Denn auch für Schweine in Hobbyhaltung gelten viele tierseuchen- und tierschutzrechtliche Vorschriften“, sagt Dr. Sabine Kneissl, Leiterin des Veterinäramtes des Landkreises. Auch Menschen, die Mini- und Wollschweine als Haustiere halten, sind betroffen.

Wer seine Tiere – wie tierseuchenrechtlich vorgeschrieben – beim Veterinäramt anmeldet, werde über die Vorschriften informiert. Aber vermutlich gebe es Halter, die nicht bekannt seien, weil sie ihre Schweine nicht angemeldet haben. Das berge Gefahren, weil den Haltern die Vorgaben oft nicht bekannt seien, ergänzt Kneissl. Denn auch als Hobby gehaltene Tiere können die Schweinepest übertragen. Um das zu verhindern, gelten für sie strenge Vorschriften.

Dazu zählt laut Veterinäramt die Meldung der Tiere beim Fachbereich Veterinärwesen, bei der Tierseuchenkasse und beim Verband für Leistungszucht. Die Halter müssen ein Register führen, in dem Zu- und Abgänge vermerkt werden und sie müssen die Gabe von Arzneimitteln dokumentieren. Ganz grundlegend: Schweine müssen artgerecht gehalten werden. Kontakt mit Wildschweinen muss vermieden werden.

Wer seine Tiere nicht melde und der Verdacht auf Verschleppung einer Tierseuche bestehe, hafte mit seinem Privatvermögen, sagt die Veterinäramtsleiterin. Deswegen kontrolliere das Amt auch die Hobbyhalter. „Da gucken wir eher hin“, sagt Kneissl. Wichtig sei, dass die Tiere richtig eingezäunt werden und dass keine Lebensmittelabfälle verfüttert werden.

Was einigen Hobbyhaltern gar nicht bekannt ist, ist für hauptberufliche Landwirte eine Selbstverständlichkeit. „Wir halten uns an strenge Hygiene- und Sicherheitsregeln“, sagt Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Kassel. Er nennt Beispiele: So müsse ein Stall umzäunt sein, er dürfe nur mit Schutzkleidung betreten werden und es gebe an den Eingängen Desinfektionsmöglichkeiten. Kollegen, die ihren Tieren Auslauf bieten, stünden nun natürlich vor größeren Herausforderungen. „Will man den beibehalten, müsste eigentlich ein zweiter Zaun um den Auslauf. Nur so kann man wirklich verhindern, dass Haus- und Wildschweine zusammentreffen.“ Hier sieht er auch den Staat und die Behörden in der Pflicht, diese Landwirte zu unterstützen.

„Oberste Priorität muss es sein, die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest bei unseren Hausschweinen zu verhindern“, sagt Schaumburg. Denn dort könne man Einfluss nehmen, bei Wildschweinen dagegen sei das kaum möglich.

CDU-Fraktion im Kreistag fordert Einstallung 

Auch im Kreistag war die Afrikanische Schweinepest Thema. Die CDU-Fraktion hatte in einem Dringlichkeitsantrag gefordert, dass Schweine in Freilandhaltung umgehend eingestallt werden. Man wolle verhindern, dass die Krankheit sich überhaupt in der Region ausbreite, begründete Frank Hellwig (CDU) den Antrag seiner Fraktion. „Wir wollen uns kümmern, bevor Sperrzonen eingerichtet werden müssen.“ Dieses Anliegen hat auch der Landkreis.

Vizelandrat Andreas Siebert stellte allerdings klar, genehmigte Freilandhaltung gebe es im Kreis gar nicht. Im Bezug auf genehmigte Auslaufhaltung, sagte er, dass diese Landwirte sich an die Vorgaben halten. Wichtig zu wissen sei: „Wir können nicht einfach einstallen lassen, dazu fehlt uns der rechtliche Rahmen.“ Man sei selbstverständlich mit dem Thema befasst und habe bereits Vorsorge getroffen. Diese Pläne könne man gerne auch mit dem entsprechenden Fachpersonal im Ausschuss noch einmal vorstellen.

Das begrüßte die CDU-Fraktion und so wurde der Antrag zur Beschlussfassung in den Umweltausschuss verwiesen. Bei anderen Seuchen, wie etwa der Vogelgrippe, habe es eine Einstallungspflicht gegeben, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Allerdings erst, nachdem es Fälle gab und damit auch Risikogebiete. In solchen Fälle habe das Veterinäramt deutlich weiter reichende Kompetenzen. (Bernd Schünemann und Michaela Pflug)

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