Freizeitgruppe trifft sich seit 1966 in Espenau

Senioren am Ball: Zwischen Ehrgeiz und Brotzeit

Freitagssportler: Walter Elsner. Sein Vater Jochen Elsner war Leiter der Volksschule Hohenkirchen und gründete gemeinsam mit Willi Krüger vor 53 Jahren d ie Gruppe der Freitagssportler.

Espenau. Zusammengerechnet sind beinahe ein Jahrtausend alt. In Espenau treffen sich seit den 60ern jeden Freitag zwölf Senioren zum Faustballspielen und um über die großen Themen der Welt zu diskutieren.

Möglicherweise gehören die Espenauer Freitagssportler zu den ältesten Aktiven im Landkreis Kassel, die als Team noch Sport betreiben. 927 Jahre sind die Senioren zusammengerechnet alt, aber immer noch so fit, dass sie jeden Freitag ab 20 Uhr in der gemeindeeigenen Sporthalle an der ehemaligen Grundschule in Hohenkirchen Faustball spielen.

Seit 1966 steht der Lieblingssport der zwölf Espenauer Senioren im Alter von 71 bis 85 Jahren auf dem Trainingsplan. „Hier versucht jeder, sein Bestes zu geben, und manchmal wird auch geflucht oder geschimpft, wenn es nicht so gut läuft und sich das gespannte Netz mal wieder als unüberwindbar zeigt“, erklärt Jochen Elsner. Er ist mit 85 Jahren der Älteste in der Runde.

Dabei geht es überhaupt nicht gemütlich zu, wie der Altersdurchschnitt der Freitagssportler von 77 Jahren vermuten lässt. „Auf dem Spielfeld sind wir ehrgeizig“, bestätigt Franz Laaber, „aber danach sind wir beim anschließenden Sozialprogramm total entspannt“.

Natürlich beschränkt sich das Zusammensein der Sportsenioren am Freitagabend nicht nur auf das Sportliche. Nach dem abschließenden kleinen Fußballspiel beginnt der gemütliche Teil, der von den Sportlern als Sozialprogramm bezeichnet wird. Gemeint ist damit eine zünftige Brotzeit, für die reihum immer ein anderer zuständig ist. Das sei für den einen oder anderen eine zusätzliche Motivation zur Teilnahme am Sportabend, der ihnen besonders wichtig ist und so gut wie keine Ausnahmen zulässt. „Bei Brotzeit und erfrischenden Getränken oder auch mal Hochprozentigem räumen wir die letzten Unklarheiten aus Politik, Welt- und Ortsgeschehen beiseite“, beschreibt der 75-Jährige das Geschehen nach dem Spiel. Verpönt sei es, über Krankheiten zu sprechen oder über kleine Sport-Wehwehchen und blaue Flecken zu klagen.

Dass beim Spiel auch mal deftige Worte fallen, das verstehe sich von selbst, sind sich die Senioren einig, die im Espenauer Sportverein integriert sind. Doch nach dem Spiel sei alles vergessen und es herrsche reine Harmonie. Die herrscht auch, wenn die Senioren gemeinsam auf Reisen gehen, wandern oder Kanufahrten unternehmen.

Das scheint auch Manfred Ludewig zu gefallen, denn der 81-jährige Bad Karlshafener fährt jeden Freitag fast 100 Kilometer, um bei seinen Sportsfreunden in Espenau zu sein und versäumt diesen Termin nur selten. „Wir sehen uns als kleinen, homogenen und eng zusammengewachsenen Kreis, der sich durch Sport fit hält“, erklärt Ludewig.

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