Weiterhin Vorsicht geboten

Hohe Impfquote in Seniorenheimen im Landkreis Kassel - Kehrt die Normalität zurück?

Corona im Kreis Kassel: Treffpunkt am Fenster: Hier trifft sich Marianne Kurzella, die im DRK-Altenpflegeheim in Oberkaufungen lebt, immer mal wieder mit ihrer Tochter. Die 85-Jährige ist geimpft.
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Corona im Kreis Kassel: Treffpunkt am Fenster: Hier trifft sich Marianne Kurzella, die im DRK-Altenpflegeheim in Oberkaufungen lebt, immer mal wieder mit ihrer Tochter. Die 85-Jährige ist geimpft.

In Seniorenheimen im Landkreis Kassel sind mittlerweile fast alle Menschen gegen Corona geimpft. Doch winken nun mehr Freiheiten für Bewohner und Besucher?

Kreis Kassel – Nur wenige Bewohner und Mitarbeiter in Seniorenheimen im Landkreis haben das Vakzin der mobilen Impfteams abgelehnt. Manche wohnen erst seit Kurzem in einem Heim und erhalten noch ein Impfangebot. Doch was bedeutet es, dass fast alle nun immunisiert sind?

Soll ich mich impfen lassen? Das war keine Frage für Marianne Kurzella. Bedenken hat die Bewohnerin des Kaufunger DRK-Altenpflegeheims nicht gehabt. „In meinem Alter? Ach, entweder geht das gut, oder eben nicht“, sagt die 85-Jährige. Nun gehört sie zu den rund 96 Prozent der Bewohner des Altenpflegeheims, die beide Impfungen hinter sich haben.

Corona-Impfungen im Landkreis Kassel: Kaum Änderungen in Seniorenheimen

Geändert hat sich für die Seniorin dadurch allerdings nichts. Die Bewohner und auch Mitarbeiter hätten gehofft, dass sie durch die Impfung statt einer FFP2-Maske eine OP-Maske tragen könnten, nicht mehr so penibel auf Abstände und viele andere Dinge achten müssten, sagt Stephan Kratzenberg. „Das ist leider nicht so, wir müssen weiter sehr aufpassen“, so der Heimleiter. Die Impfung schaffe ein trügerisches Sicherheitsgefühl, weil nicht klar sei, ob man nicht doch noch andere anstecken könne. Besuche könnten die Bewohner empfangen, allerdings nur gekoppelt mit einer Schnelltestprozedur im Haus.

Auch wenn Bewohner ihre Angehörigen besuchten, sei Vorsicht geboten. „Manche denken, sie können ihre Mutter wieder in den Arm nehmen oder auf die Maske verzichten. Das geht leider noch nicht“, sagt Kratzenberg. So herrsche Unmut, fügt Pflegedienstleiter Sebastian Bloch hinzu. „Die Menschen fragen sich, warum sie sich haben impfen lassen, wenn es jetzt nichts ändert.“ Bloch und Kratzenberg bauen indes auf das Hygienekonzept des Heims und hoffen, dass die Pandemie sich dem Ende entgegen neigt.

Kreis Kassel: Hohe Corona-Impfquote im Altenheimen

Die erste Impfung habe vor allem bei den Mitarbeitern der Werk-Hilfe Espenau für Erleichterung gesorgt, sagt Rainer Hoffmann. Bis zum 9. März seien sie eigentlich nur noch zwischen der Arbeit und ihrem Zuhause gependelt. „Viele hatten Angst, sie könnten sonst das Virus in die Einrichtung tragen“, sagt das Vorstandsmitglied. Jetzt könnten sie aufatmen. Bei den 26 Mitarbeitern für die Wohngemeinschaft und das betreute Wohnen liege die Impfquote bei rund 81 Prozent. Bei den 39 Bewohnern sogar bei 87 Prozent.

Doch auch in der Werk-Hilfe ist weiterhin Vorsicht geboten: „Wir wissen schließlich nicht, inwieweit Geimpfte noch infektiös sind.“ Sobald allerdings der zweite Impftermin Ende März stattgefunden hat, soll möglicherweise wieder etwas Normalität einkehren. „Wir würden gern wieder Musikveranstaltungen organisieren, die wir in Gemeinschaft erleben können“, sagt Hoffmann.

Corona im Kreis Kassel: „Wir werden jetzt nicht leichtsinnig“ - Trotz hoher Impfquote treten die Altenheime auf die Bremse

Aufatmen heißt es auch im Awo-Altenzentrum in Baunatal. „Wir haben über ein Jahr einen Ritt auf der Rasierklinge hinter uns“, sagt Leiter Stephan Eigenbrodt. Dass alle Bewohner und 75 Prozent der Belegschaft geimpft sind, sei eine mentale Entlastung, die im Heim überall spürbar sei. Die Sorge, dass eine Corona-Infektion tödlich ausgehen könnte, man Angehörigen sein Beileid ausdrücken müsse, sei nun erheblich kleiner.

Keinen einzigen Coronafall hatte das Heim mit 86 Bewohnern und 75 Mitarbeitern seit Pandemiebeginn, „dazu gehört natürlich auch Glück“, sagt Eigenbrodt. Nervenaufreibend sei die Zeit trotzdem gewesen. Und: „Wir werden jetzt nicht leichtsinnig, wir haben auch eine Verantwortung den Nichtgeimpften gegenüber.“ So gebe es Patienten, die aus medizinischen Gründen noch nicht geimpft sind.

Weiterhin regelmäßige Corona-Tests in Seniorenheimen im Kreis Kassel

Belegschaft und Bewohner werden weiter regelmäßig getestet. Auch bei der Schutzkleidung bleibt alles beim Alten. Unterscheidungen nach Bewohnern – das sei im Alltag nicht leistbar. Der Leiter versichert: Man bemühe sich um Besuchszeiten am Wochenende und ein Programm für die Bewohner, sodass sich Angehörige keine Sorgen machen müssten, dass Bewohner vereinsamten oder sich weggesperrt fühlten. (Valerie Schaub und Moritz Gorny)

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